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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 151

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 151 (sequence 164)
Language
German
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dem Welken wahrt zur Abendzeit, wenn die Schatten der Nacht sich über sie ausbreiten und sie in Dunkel gehüllt ifU Den Morgenthau der Seele nennen wir Freude, ihr Abendthau ist die Wehmuth. Der Schmerz ist das starre Eis, und in frostigen Schauern erzittert das Herz, wenn er sich auf dasselbe legt; die Wehmuth ist die milde Fluth, die das vorn Leide dürre und welke Herz wieder austeben läßt. Diesen. Thau aber spendet uns der Himmel an den Gräbern derer^ welche wir lieben. Den Glücklichen dürfen wir freilich von alledem nicht viel erzählen; sie verstehen nicht die Sprache der Gebeugten, die Sprache derer, welche unter dem Joche der Noth und schwerer Schmerzen seufzen; und wer der Sterblichen lernt sie verstehen, wenn nicht das Unglück selbst ihn in die harte Schule nimmt und ihm das- Herz bricht? Trefflich vergleichen schon die Alten das Herz des Menschen mit der Frucht des Oelbaumes. Diese Beeren haben ein frisches Aussehen, aber ihr Geschmack ist bitter, und sodann geben sie süßes Oel, wenn sie gepreßt werden. So ist auch der Mensch, der das Leid nicht kennt, der nicht so zu sagen vom Schicksal gedrückt und gepreßt wird, frisch und üppige aber das was er denkt und fühlt, ist nicht selten roh und ungenießbar. Er ist unerfahren, denn er weiß nichts von dem Tode, und von dem Leid, daß er uns bringt, wenn sein scharfer Pfeil unsere Lieben trifft. Er wandelt auf Erden und hat noch das Wichtigste nicht erlebt, nämlich den Tod. Wol kaum möchte einer das Rechte erkennen und das Rechte üben, wenn nicht ein großer Schmerz sein Inneres wandelt und seinen Geist öffnet; aber wider wen das Schicksal stürmt, daß fein Halt auf Erden wanket, daß er gleichet ״ קיר נטוי גדר הדהויהeiner fallenden Mauer, einem zusammenbrechenden Zaun", dem wird es klar, wie unser ganzes Dasein nur ein Schatten und ein Traum sei, und wovon wir gewohnlich wie von einem Reich der Schatten reden, da merken wir, beginnt die Wirklichkeit. Diese Stätte der Todten hat eine wunderbare Kraft. Wer stark hineinkommt, der geht

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