Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 135)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber verwerflicher noch als die Rücksichtslosigkeit, welche dem Dürftigen die Mittel zur Fristung seiner leiblichen Existenz vorenthält, ist die Unbedachtsamkeit, welche den Wissensanueu Kindern die nöthigen Mittel zur Entwicklung ihres Geistes und Gemüthes entzieht. ״Wer die Lehre dem Unterrichtsbedürftigen Kinde nicht gewährt, der begeht einen Raub an ihm."המונע הלכה מפי תלמיד כאילו גוזלו (Synhedrin 91b). Der Arme, dein man heute die Gabe nicht verabreicht, er kann morgen schon durch eine günstige Wendung seiner Verhältnisse geben, wo er gestern nehmen sollte. Doch das Kind, dem man die geistige Spende der Bildung, die Erziehnngsmittel verweigert, an bent begeht man eine Sünde für die spätesten Jahre. Es muß diese Hartherzigkeit sein Lebenlang bitter empfinden und beklagen; besonders aber, wenn man es verabsäumt, im kindlichen Herzen die moralischen Grundlagen der Glaubenstrene und Sittlichkeit anzubauen und ihm so die unerläßliche Wegezehrung die rechten Wegweiser für sein ganzes Leben mitzngeben. Und mögen Eltern noch so sehr bemüht sein, durch rastloses Haschen und Jagen nach Glücksgütern, ihren Kindern, wenn sie von ihnen für immer scheiden sollen, eine sorgenfreie Zukunft zu sichern, eine geachtete Stellung in der Welt zu schaffen — was frommen alle Schütze, welche die sterbenden Eltern den Kindern hinterlassen, wenn sie ihnen den kostbarsten Schatz vorenthielten,- die rechte Bildung und Veredelung des Herzens, die tugendhafte Gestaltnng ihres Charakters. Mit dem Geld und Gut, das Eltern mühsam für ihr Kind znsammenraffen und mit sparender Hand Zusammenhalten, können sie ihm nicht zugleich die Bürgschaft vermachen, daß er es auch behalten, daß er es zu seinein Frommen und zum Wohl der Welt benutzen werde. Mit all ihrem Geld und Gut können sie ihr Kind nicht ans Lebensglück und Lebensfreude, auf Achtung und Ehre versichern, wenn sie ihm die Hauptbedingung des wahreu Heiles, den inneren Charakterwerth, abhanden kommen ließen oder vernachlässigten. All die Mühen, Sorgen und Plagen, mit denen Eltern Schütze für ihr Kind sammeln.