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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 121

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 121 (sequence 134)
Language
German
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121 Verstorbenen geeifert, geglüht und zahllose Opfer gebracht. Wenn man geringschätzt, was sie um den Preis ihres ganzen Lebensglückes errungen? Gibt es wohl einen verpönteren Raub, als Einem alle Verdienste der gesammten Lebensthätigfeit abzusprechen, als ihm die Berechtigung seines ganzen Lebensprincips, den Siegespreis seines gesammten Lebenskampfes, den Erfolg von all' seinem Sinnen und Walten, Pftanzen und Schaffen streitig zu machen? Der mahnende Ruf ל״ת läßt die den Todten schuldige Rücksicht an Alle ergehen: Raube den Todten nicht das Verdienst ihres Lebens, zerstöre nicht und laß nicht verkümmern die Früchte ihrer Wirksamfeit. Der Lebendige kann seine Ansicht vertheidigen, kann dir Rede stehen, kann dich gewinnen oder einschüchtern; doch der Entschlummerte liegt stumm und starr, machtlos und wehrlos in den eisigen Fesseln des Todes. Und welcher Mensch von Ehre und Gewissen wird die Ohnmacht des Wehrlosen zu seinem Vortheil mißbrauchen? Wie die Achtlosigkeit gegen die Verblichenen darum verdammenswerther ist, so kann die zarte Rüchsicht, die man denselben angeoeihen läßt, um so edler gelten, weil sie fernabliegt von allen selbstsüchtigen Hintergedanken und schnöden Beweggründen. ״Welche Rücksicht ist wahrhaft und aufrichtig? Die Rücksicht, die man den Todten erweist." (Ber. Rab. 96). Naemi's Worte: ״Gott erweise euch Gnade, wie ihr sie den Todten erwiesen," bilden den besten Segen, den rechten Lohn für das Wohlwollen gegen die Verstorbenen. Geboten erscheint es uns auch, die Ansprüche jener zu achten, die schon im Leben den Todten gleichen, Nedarim646, die Ansprüche der Armen, welche das Mißgeschick auf das Mitleid ihrer vom Glück begünstigteren Mitbrüder hingewiesen. ״Wer den Bedürftigen dieihnen - gebührenden Gaben entzieht, begeht an ihnen einen Raub," אינו מניח את העניים ללקוס הרי זה גוזל את העניים (Peah 5. 6) Es ist eine Schuld welche die Menschenliebe, Billigkeit jedem auferlegt. Nichtgeben, heißt da nehmen. Wer aus Hartherzigkeit oder Gleichgültigkeit oder aus Habsucht diese Schuld nicht erstattet, übertritt das ל״ת.

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