Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
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117 oufbürdet. Daß man dem Juden, dem die Mitmenschen das Theuerste, das wichtigste wie das gewöhnlichste Menschenrecht M rauben sich niemals gescheut, dessen Gut und Eigenthum sie allzuoft vogelfrei erklärt, daß man ihn, der auf das engste Gebiet des Gewerbes gedrängt ward, immer wieder der Habsucht des Betruges, der Veruntreuung und listigsten Uebervortheilung anklagte und dies zu seinem feststehenden Charnkterzuge erstarren ließ —, das war noch nicht das Schlimmste. Der Eine oder der Andere konnte durch die Erfahrung eines Bessern belehrt werden, eine vortheilhaftere Meinung von dem Juden gewinnen, oder selbst den erwiesenen Fall damit entschuldigen, daß jeder der zur Nothwehr gedrängt wird, nicht erst wählerisch sein könne in den Mitteln zur Erhaltung und Vertheidigung seiner von allen Seiten gefährdeten Lebensinteressen. Weit böswilliger ist das Beginnen unserer Widersacher, wenn sie den Talmud verantwortlich machen und ihm die Schuld beimessen für alle selbst erdichteten Laster und Gebrechen, die man dem Juden anhängt, wenn sie den Talmud und damit zugleich die jüdische Religion als eine Schule der Täuschung und spitzfindiger Betrügereien der allgemeinen Verachtung preisgeben; obgleich gerade die Wahrung und Heilighaltung fremden Eigenthums und fremder Eigenthümlichkeit, fremder Ansicht und Ehre zu den Glanzpunkten der talmudischen Gesetzgebung gehören. Ganz unscheinbare Züge können uns dies in unanfechtbarer Weise darthun. Die wichtigste Parascha in der Thora, die Paraschah der Offenbarung, führt den Namen eines Fremden, Ieth r o, den Namen eines midjanitischen Priesters. Die Erzählung, die wir am Feste der Offenbarung lesen, hat zur Heldin die Tochter eines fremden Volkes, die Moabitin Ruth. Schon daraus ersehen wir nach der Auffassung unserer Weisen, welche Achtung man dem fremden Glauben schuldig ist. Dreimal bat und beschwor Naemi die beiden Moabitinen, welche mit ihr gehen und zu ihrem Glauben übertreten wollten, dreimal beschwor sie dieselben thränenden Auges: ״Kehret doch um, geht zurück, שבנה (Ruth, 1. 8, 11, 12.) jede zu ihrem Volke, zu I u 1" Y > ii t er cv