Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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44 das Mittel, niie wir den Pflichten gegen unsere Nebenmenscheu gerecht werden können. Gutes thun, fromme Werke üben, das ist ja eigentlich etwas, was der Mensch an jedem Tage seines Lebens zu thun verpflichtet ist. Bedarf es wohl erst aller jener heiligen Stimmungen unserer Seele am Versöhnungstage, bedarf es wohl erst einer so ernsten und seierlichen Stunde, um die Pflicht des Wohlthuens ans Herz zu Legen? Und doch, m. F., ist allein der 3 "י dazu eingesetzt, uns mit unfern Nebenmenschen auszusöhnen, aller Vergehen und Sünden, die wir ihnen gegenüber uns haben zu Schulden kommen lassen, uns vorzuführen und für sie um Bergebung zu bitten. ״Wohl versöhnt der Versöhnungstag, aber an euch ist es, euch zu reinigen von allen euren Sünden, nur dann könnt ihr rein sein vor dem Ewigen." Schön und tief ist darum der Ausspruch unserer Weisen.: ״Die Sünde, die der Mensch gegen seinen Gott begangen, die Vergehen gegen die Heiligung und Verehrung seines Namens, die sühnt der Tag selbst, so sie nur aufrich- Lig bereut werden, so nur der Vorsatz zur Besserung vorhanden. Aber nicht so steht es mit den Sünden, die wir an unseren Nebenmenschen verübt! Hier mußt du das Unrecht wieder gut machen, hier mußt du Beweise von deiner Reue liefern. Hast du deinen Nächsten wissentlich gekränkt so widerrufe ohne Scham den ihm angethanen Schimpf, hast du ihm etwas vorenthalten, so erstatte zurück das mit Unrecht Genommene, hast du Anne nicht nach Kräften unterstützt, so ergänze das Fehlende." Sehet, m. F., in diesem Sinne wollte uns unsere Religion durch den Versöhnungstag ein Mittel an die Hand geben, rein und schuldlos einst von hinnen Zu ziehen. Nach Ablauf eines jeden Jahres soll der Mensch mit seiner Seele Abrechnung halten, er soll sein Gewissen befragen, ob sein Handeln auch derart war, daß es selbst vor dem höchsten Richter als gerecht erkannt wird. Gleich einem Vater, t>er sein Kind in die Fremde schickt und ihm aufträgt, von Leit zu Zeit Nachricht von sich zu geben, damit es ihm nicht