Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 11-12 (8.1876) August-September
- Date
- 1876-08-01
- Page
- [Seite 54] (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9616701-9617075-9617394--0712-9617448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
356 men zu helfen, Nothleidende zu stützen, Alle zu Wohlthätigkeit und zu aufopfernden Handlungen anregen. Dann gründet es die Erde; dann erfüllt es die zweite Aufgabe, die der Prophet ihm vorschreibt. III. Und nun das Dritte: ״ ולאמר לציון עמי אתהZu׳ sprechen zu Zion, Du bist mein Volk." Die beiden ersten Ziele, welche das göttliche Wort verfolgt, Empfänglichkeit für das Höhere zu wecken und die Erde zu gründen auf Eintracht und Liebe, sind Dinge, welche jeder Mensch ohne Unterschied des Glaubens anzustreben hat. Aber das göttliche Wort in unserer Mitte soll auch hervorheben, was Israel allein angehört, ihm eigeil und eigenthümlich ist. Es soll entrollen das Gemälde der ruhmvollen Tage, da Israel dasteht als Vorbild der höchsten Tugenden, als Muster wahrer Größe; es soll Ehrfurcht einflößen vor den hochragenden Gestalten der Vorzeit, die wie glänzende Sterne leuchten am Himmel unserer Geschichte. Es soll Hinweisen auf den erhabenen Inhalt unferer heiligen Lehre und sprechen: ומי גוי גדול אשר לו חוקים ומשפטים צדיקים ככל התורה ״ הזאת אשר אנכי נותן ולWo giebt es noch eine große Nation, die solche gerechte Satzungen und Vorschriften hat, wie sie in dieser Thora niedergelegt sind." Es soll zeigen, welch' tiefer Gehalt sich in den göttlichen Geboten Denjenigen erschließt, die sie nicht wie eine eingelernte Menschensatzung, sondern mit rechtem Verständnisse üben. Um es kurz zu fassen, es soll das jüdische Bewußtsein wecken, klar legen die Pflichten, die uns als Israeliten noch besonders obliegen. Und bedarf es noch einer Erklärung, weshalb auch dieser Beruf dem Gottesworte vorgezeichnet ist? Ist es nicht natürlich, daß eine Nation, die eine große Vergangenheit hinter sich hat, sich an diese anklammert, daß eine Glaubensgemeinde, welche eine vortreffliche Lehre ihr eigen nennt, an deren ganzen Inhalt mit allen Fasern des Innern hängt? Freilich hören wir oft sprechen: Wir halten uns nur an das, was auch in dem großen Gesetzbuche der gesammten Menschheit ausgezeichnet ist; die Gesetze, die sich nur auf einen Theil derselben beziehen, haben für uns nicht die gleiche bindende Kraft. Wir. wollen nur das, was aus dem allgemeinen Menschenthum entspringt; was aber aus dem israelitischen Boden noch besonders erwachsen, ist für uns von ganz untergeordneter Be-