Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 11-12 (8.1876) August-September
- Date
- 1876-08-01
- Page
- [Seite 48] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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All mich aber, beit nicht Heimischen, dürftet ihr zunächst die Forderung stellen: Sage Du uns, wer Du bist, in welchem Geiste Du das Heiligthum unserer Religion zu wahren gedenkst, in welchem Sinne Du unser religiöses Gemeinwesen geleitet sehen möchtest. — Und fast ist es mir, als ob der Prophet selbst, den wir soeben vernommen, mich mahnte, diesen gegründeten Anspüchen zu genügen, als ob er mich einladete, die Aufgaben auseinanderzusetzen, welche das Gotteswort in unserer Mitte zu erfüllen hat, als ob er mir andeutungsweise wollte zu verstehen geben, was dasselbe zu schaffen und zu wirken, zu vollführen und zu vollenden habe. In der heutigen Haftara wird uns nämlich zugerufen: ואשים דברי בפיך ובצל ידי ״ כסיתיך לנטוע שמים וליסוד ארץ ולאמור לציון עמי אתהIch lege!nein göttliches Wort in Deinen Mund und decke Dich mit dem Schatten meiner Hand: zu pstanzen den Himmel, zu gründen die Erde, und zu Zion zu sprechen, Du bist mein Volk." Hiermit ist also ausgedrückt, daß dreifach sei das Ziel, welches das göttliche Wort anstrebt — um es noch einmal zu wiederholen — לנטוע שמים״ zu pflanzen den Himmel, וליסוד ארץ zu gründen die Erde, ולאמר לציון עמי אתה und zu sprechen zu Zion: Du bist mein Volk." So sei es mir denn gestattet, diese kurzen Andeutungen in ׳' dieser gottgeweihten Stunde eines Weiteren auszuführen, eingehender auseinanderzusetzen, in welcher Art der Verkündiger des Gottes- Wortes diese dreifache Mahnung zu beherzigen habe. Möge sich uns der Weg der Wahrheit eröffnen. Amen. 1. ״ לנטוע שמיםDen Himmel zu pflanzen"! — Was soll das wohl heißen, m. A.? Es heißt: Die Blicke auf das Himmlische und Unvergängliche zu lenken, es zu zeigen in seinem Glanze und seiner strahlenden Herrlichkeit, den Sinn zu wecken für das Geifüge und Höhere, mit.dem Hauche des Ewigen die Gedanken- und Gefühlswelt zu beleben. Und welche Zeit müßte wohl dringender an diese Aufgabe gemahnt werden, als die gegenwärtige? Früher, als noch finsterer Glaubenshaß Israel auf Erden ein gesichertes Erbe versagte, da hat es sich im Himmel sein unverwüstliches Erbe gesucht, daran sein Auge geweidet, sein Herz erquickt. Als man ihm den Genuß dieser Welt vorenthielt, da hat es sich in eine höhere Welt zurückgezogen mit seinem Sinnen und Trachten,