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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-08-01 · 11-12 (8.1876) August-September · p. [Seite 6]

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
11-12 (8.1876) August-September
Date
1876-08-01
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
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308 ohne daß sie ihr עין הרע, ihren ״bösen Blick" darauf werfen und Sturm und Zerstörung säen. Diese Weisheit, die sich selbst verwirft und verräth, sie ist ein Fluch für sich selbst, ein Fluch für die Andern, eine Marter ist dieser klaffende Zwiespalt zwischen dem Wissen und dem Wollen; wie ein Wurm, der nimmer satt ist und nimmer rastet, nagt an ihm der Schmerz über die eigene Verworfenheit. Der Thor, der den Lüsten des Herzens lebt, hat wenigstens den Moment gewonnen, ihm trägt die Sünde einen, wenn auch nur flüchtigen, Sold, denn in ihm wohnt kein überlegener Geist, der ihm sagt, wie eitel und leer alle diese Lust ist, der Weise jedoch, der gegen sein eigenes Urtheil frevelt, er darf auch diese flüchtigen Freuden nicht genießen; er gewinnt Schätze, aber diese Schätze sind ihn! ein Denkmal seiner Schande, er wird geehrt, aber was frommen Ehren Anderer, wenn man vor sich selber der Ehre baar ist; sein ganzes Dasein ist gespalten und gebrochen; seine Seele ist der Schauplatz einer Fehde, die nicht ruht; ein Schlachtplatz, wo sein Lebensglück alle Tage im Zweikampf seiner Geistes- und seiner Willenskräfte hingenläht wird; denn sein Urtheil verwirft, was sein Herz begehrt; seine Einsicht verschmäht, was sein Mund feiert, sein -Geist verhöhnt, was seine Rede preist. Die Weisheit Bileams, des volksverderbenden, ist selbst die Vollstreckerin des Gottesurtheils, das über den ergeht, der die Vernunft das Himmelslicht zum Blenden braucht und nicht zum EAeuchten. Wie der letzte Seufzer eines Verlorenen klingt es uns in's Ohr, wenn er beim Anblick Israels ausruft:״ תמות נפשי מות ישרים ותהי אחריתי כמוהוMeineSeele, stürbe sie den Tod der Gerechten, und :nein Ende, es sei wie das ihre." Aber wie soll dieser Wunsch ihm erfüllt werden, da er noch immer die fluchen möchte, die Gott segnet, da die klarsten Gottesgesichte ihn nicht besserten, da es von ihm heißt: ויק ם בלעם וישב למקומו daß er nach alledem aufseinen ״alten Standpunkt zurückkehrte", da er die Gemeinschaft des Lebens mit denen scheut, denen er das Gefühl der Seligkeit im Tode neidet. Es heißt im Midrasch: Bileam habe große Eigenschaften sogar vor Moseh voraus gehabt; so habe Bileam Zeit und Inhalt der Offenbarung vorausgewußt; Moseh nicht. Bileam hätte, wann er immer wollte, Offenbarungen erhalten; Moseh dagegen nur zu bestimmten Zeiten. Das will sagen: Bileam war Prophet durch die Klarheit des Verstandes, Moseh. durch die Wärme des Herzens; was wir im

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