Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 10 (7.1876)
- Date
- 1876-07-01
- Page
- Seite 298 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Glaubensspaltung veranlaßle ein Vertiefen in religiöse Untersuchung, ein sich Versenken in die Forschung über Schriften und Ueberlieferungen und Geschichte der verschiedenen Bekenntnisse. Alle diese stille Arbeit wurde anerkannt von den Fremden, aber die deutsche Nation selbst wurde von ihnen verlacht, als Volk von Denkern gepriesen und als Volk von Träumern verspottet, schier wie Bienen, die Honig sammeln, nicht für sich. Aber diese Geistes-, diese Bildungsarbeit und Zucht ist nicht vergeblich gewesen. Sie überwand das Trauernde im Innern, schuf ein geistig geeinigtes Volk, zu Großem befähigt, als es galt auch äußerlich Großes zu thun. Aber der Aufschwung aus eignem Antrieb erlahmte dennoch, wies sich zu schwach — es bedurfte eines Krieges, eines Angriffs auf Ehre und Selbstständigkeit, eines übermüthigen, fast wahnwitzig zu nennenden; da war das Ziel so langen Sehnens, Dichtens, Schwärmens, Ringens und Kämpfens erreicht. ״Ich danke Dir, mag das deutsche Volk sprechen, daß Du mich hast dulden lassen!" — Aber auch: daß Du mich erhört hast. Was heißt das? Wenn sie zum Kriege ausziehen, dann beten wohl beide Thelle, daß Gott ihnen beistehe. Kann er beide erhören?! Aber sie rechnen auf seine Unterstützung. Und wenn die Eutscheidung da ist und der Sieg einen: Volke geworden, dann gilt es danken. Und die Unterlegenen?! Das ist ja der Heiden Weise, die den Gott des siegenden Volkes für den mächtigeren hielten und den unterliegenden verlassen, züchtigten, weil er nicht geholfen. Das ist doch nicht unser Theil! Nein, ich danke Dir, daß Du mich erhören konntest; wir durften nach der Entscheidung Gott danken, daß unsere Heere für eine unzweifelhaft gerechte Sache hinausgezogen waren, ׳abzuwehren einen durch nichts herausgeforderten Angriff und drohenden Einfall in das Land. II. ״ אבן $אםו הבלניםDer Stein, den die Bauleute verschmäht, verkannt, verworfen, weil sie ihn für untüchtig hielten, היתה לראשי נה% ist nun als tüchtig befunden, ist zum Eckstein geworden." Geworden! — nicht durch der Menschen Wahl und Einsicht, sondern durch der Verhältnisse Macht, d. h. durch Gottes Führung. Auf wen wenden wir dies Gleichniß hier an? Wir kHnnen das Volk unter diesem Steine verstehen. Das deutsche Volk, sagte man,