Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 10 (7.1876)
- Date
- 1876-07-01
- Page
- Seite 290 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Freude wird der Gegner nur noch mehr aufgestachelt und anstatt den Frieden anzustreben und zu befestigen, mehren wir den Haß in den Gemüthern; wozu, den Tag also öffentlich begehen? Auf den ersten Einwurf antworten wir mit den Worten unserer Weisen: מי זאת הנשקפה כמו שחר כך תהיה נאלתן של ישראל ״Wie Morgenrothstrahl dringt die Freiheit hervor in dem Völkerleben" (Hhl. rabba z. St.). Wenn die Sonne den Morgenhimmel durchbricht, erscheint sie nicht in jenem reinen Goldglanze des Mittags, vielmehr färbt sie blutigroth das Firmament, und blutigroth färbt auch die Sonne der Freiheit, wenn sie anbricht, den Horizont des politischen, socialen und religiösen Lebens. Sollen neue Ideen aufkeimen und lebensfähige Gestalten werden; soll der Strom der Zeit mit neuer Frische überströmen den Boden der Geschichte; dann wird so Manches fortgerissen, woran jahrelang Fleiß und Mühe gearbeitet haben. Eine neue Zeit soll anbrechen, aus Nacht und Dunkel sollen wir zu Licht und Tageshelle ziehen; aber ehe wir dahin gelangen, müssen wir durch das Zwielicht der Dämmerung schreiten, und wie leicht wird im Halbdunkel geschädigt der Schritt! Geheimnißvoll sitzt der große Webemeister am Webstuhl der Zeit und ordnet die Fädchen und ziehet sie lang und dehnet sie weit und befestigt die Knoten und löset andere wieder auf, damit neue sich ausbreiten; willst Du beklagen, daß ein Knoten zerrissen ward? Was ist auch dieser eine im Verhältnisse zu dem großen Gewebe, das der Meister aufführt?. Die höchsten Zwecke verfolgt die Vorsehung in ihrer unendlichen Weisheit und bedient sich unerkannter Mittel, durch die sicher und unbedingt das Ziel erreicht wird; ihre Maßnahmen kannst Du daher nicht nach den Wirkungen, die sie im Augenblicke Hervorbringen, nicht nach den Wirkungen, die sie auf das Individuum machen, beurtheilen; denn die Geschichte dient nicht den Einzelnen, sondern der Gesammtheit. Deutsche Mutter, Du kannst, wie Rahel einst, nicht stillen Deine Klage, magst Dich nicht trösten lassen wegen der Söhne, die nicht mehr da sind; so spricht der Herr: ״Spare Deiner Stimnre das Jammern und die Thränen Deinen Augen, der Lohn Deines Wirkens bleibt nicht aus, Dein Lohn ist die Zukunft Deines Vaterlandes." (nach Jer. 31, 14 f.); laß das Klagen, denn weichen muß das Interesse des Einen, wo es sich um das der Gesammtheit handelt; ehre den Willen des Herrn, sein Walten ist gerecht! Verwesen muß der Keim, damit er neues Leben trei obe M 1ei des m fii הזי:;11 de B M h n 11 bl