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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-05-01 · 8-9 (5.1876) Mai-Juni · p. Seite 224

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
8-9 (5.1876) Mai-Juni
Date
1876-05-01
Page
Seite 224 (sequence 12)
Language
German
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224 Nur Thoren, nur kurzsichtige und unvernünftige Menschen können sprechen von einer sündhaften und gottlosen Zeit —; die Zeit, in der Gott einmal — am Sinai — die Menschheit geweiht und geheiligt, kann nimmermehr die Menschheit entheiligen und entweihen wollen, die Zeit, die einmal das Heiligthum des Glaubens errichtet und aufgebaut, kann nimmermehr dieses Heiligthum zerstören und zertrümmern wollen, die Zeit, die einmal das Gute gewollt, kann nimmermehr das Böse wollen . . . Die Menschen sind böse, aber nicht die Zeit, die Menschen sind thöricht und sündhaft, aber nicht die Zeit . . . ״ עת לעשות ל״הDie Zeit schafft und wirkt — immer und ewig — für Gott; und die Menschen sind's הפת תורתך, die das Streben der Zeit verkennen, ihre goldenen Lehren mißdeuten und sich gegen Gott und Thorah versündigen" ... die Zeit ist immer', heute noch wie ehedem der göttliche Bote, der allmälig Nacht und Finsterniß aus dem Weltall scheucht und Licht und Erkenntniß inmitten der Menschheit verbreitet, heute noch wie ehedem der göttliche Engel, der die Menschheit von den Fesseln des Wahns und Jrrthums befreit und sie auf seinen Flügeln zu den Höhen lichter Erkenntniß emporträgt; aber die Menschen — die kurzsichtigen — haben nur ihr Stückchen Zeit, in dem sie leben und nicht den ganzen großen Zeitstrom im Auge; was i h r Stück Zeit ihnen giebt und bietet, ist ihnen hoch und heilig, was die Zeiten früher geschaffen — läßt sie kalt und gleichgiltig, was ihr Stück Zeit fördert und anstrebt, ist in ihren Augen bedeutungsvoll und wichtig, was die Zeiten früher begonnen und vollendet, gilt ihnen eitel und nichtig. Den Staub ihrer Zeit küssen sie, und die Perlen vergangener Jahrhunderte verwerfen sie, als ob die Gegenwart etwas Anderes wäre als die Fortsetzung der Vergangenheit, als ob die Vergangenheit nicht dieselbe Beachtung verdiente wie die Gegenwart .... Welche Kurzsichtigkeit! Welche Verkehrtheit. טוב אשר תאחוז כזה sagt der weise Kohelet, ״du thust gut daran, dich an dem Einen zu halten",״ וגם מזה אל תנח יהיןsollst aber auch vom Anderen nicht lassen"; du kannst, du sollst das Streben deiner Zeit achten und fördern, mußt aber deshalb nicht die Errungenschäften und Heiligthümer der Vorzeit verachten und verwerfen. Und diese Doppelausgabe: Auf der Höhe der Zeit zu stehen und zugleich in den Wegen Gottes gehen, darüber lasset uns heute denken und sprechen, auf daß wir dann belehrt und überzeugt aus den

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