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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-03-01 · 6-7 (3.1876) März-April · p. Seite 208

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
6-7 (3.1876) März-April
Date
1876-03-01
Page
Seite 208 (sequence 52)
Language
German
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208 Ich sehe einen Greis. Mit müden Schritten wankt er seinem Grabe zu. Matt sind die Glieder, gelähmt seine Kraft. Die Last der Jahre hat seinen Rücken gekrümmt, die Kniee schlottern, das Auge bricht, die Haare bleichen sich, die Sehnen und Muskeln des einst kräftigen Körpers sind schlaff und träge. Und eine unendliche Schwäche bemächtigt sich seiner, Müd- und Mattigkeit befällt ihn, er findet keine Freude nicht am Essen, nicht am Trinken, hilflos, wie ein schwaches Kind steht er da. Das sind, m. L., die Merkmale des Greisenalters, des Alters, das wir Alle sehnsuchtsvoll zu erreichen wünschen, und das wir trotzdem fürchten. Warum hat, Gott dies so eingerichtet? grübelt der zweifelnde Verstand. Wie herrlich wäre es doch, so hören wir tagtäglich ausrufen, wenn Gott unsere Jahre wohl häufen würde, uns aber im Vollgenuß unserer Manneskrast auch im spätesten Greisenalter noch ließe! Geh', o Greis, und lerne von Abraham. אברהם תבע זקנה שב׳ אברהם וקו ״Abraham erbat sich von Gott die Merkmale des Greisenalters, und darum heißt es in der heil. Schrift von Abraham zuerst: ״Abraham wurde ein Greis." Vor ihm starben die Menschen zwar reich an Jahren, aber in der Blüthe der Kraft und des Lebens, und Abra- Ham schauderte es vor einem solchen Ende. Warum? Weil sich der Mensch an den Tod schon im Leben gewöhnen müsse. Denket euch, es gäbe keinen Uebergang von Tag auf Nacht, das Licht der Sonne würde plötzlich verlöschen und undurchdringliches Dunkel uns einhüllen: wie schmerzlich möchten wir alsdann den Verlust des Tageslichtes empfinden! Und doppelt schmerzlich wäre uns der Tod, wenn er uns in der Blüthe unseres Lebens überraschen möchte, wenn wir das Blut noch frisch und warm in unfern Adern rollen fühlten, wenn wir wüßten, daß das Oel unseres Lebens noch nicht verbraucht ist, und wir da plötzlich den großen Schritt vom Leben zum Tode machen müßten ohne Vorbereitung, ohne Erwartung. Darum ist das Greisenalter gar wohlthuend, denn es führt uns sanft hinüber in eine ungekannte, nur geahnte Welt, und Heil denen, die mit der Krone des Greisenalters geschmückt einherwandeln! Ein anderes Räthsel. Ich sehe einen Menschen, dessen Geist hell und klar, rein und scharf ist. Aber feine Glieder sind verstümmelt, sein Körper durch Gebrechen aller Art verunstaltet und verunzieret. Zeugt das von der Allgüte Gottes? fragt der Mensch wieder. Mußte er denn Krankheiten und Gebrechen in die Welt

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