Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 6-7 (3.1876) März-April
- Date
- 1876-03-01
- Page
- Seite 206 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616701-9617075-9617245--0559-9617295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 eines übelverstandenen Begriffes der Ehre, oder wegen einer eitlen Gefühlsduselei, muthwillig abschneiden. Verwerflich und nimmer zu rechtfertigen ist der Selbstmord, trete er in welcher Gestalt immer auf, uud sicher gelten auch ihnen die Worte David's, daß der Tod der Jorde-dumah, derer, die freiwillig in die Gruft hinabsteigen, Gott nicht wohlgefällig ist. Man kann aber auch, m. A., gar Viele finden, die leben, keine Selbstmordgedanken mit sich herumtragen und trotzdem freiwillig, selbstbewußt, vorsätzlich dem Grabe zueilen und ihr Ende muthwillig beschleunigen. Sehe ich einen Jüngling, auf deffen Antlitz die Spuren . durchschwärmter Nächte mit deutlicher Schrift zu lesen sind, deffen Sinnen und Trachten nur auf Lust, auf Schwelgen und Genießen, auf maßlose Fröhlichkeit gerichtet ist, dann lese ich in den matten Augen, den hohlen Wangen, in der todtensahlen Farbe seines Antlitzes, in seinem gedämpften Muthe und erschlafften Geiste folgengendes: Thor! warum stürzt du dich freiwillig in dein Verderben, jagst und rennst dem finstern Gespenste des Todes rastlos entgegen, warum schreitest du muthwillig in dein Verderben; kommt der Tod denn nicht allzufrüh, auch ohne daß er leichtsinnig herbeigezerrt wird? Ja, diese Jorde-dumah, die sich Schritt für Schritt dem frühen Tode nähern, diese preisen nicht Gott. Denn nicht können ihn diejenigen preisen, die das Meisterwerk des Schöpfers, den harmonischen Bau des Körpers, das schöne Ebenmaß der Glieder, zerstören und verwüsten. Es tödten sich selbst ferner alle Jungfrauen, die den reinen Spiegel ihres Gemüthes durch phantasieaufregende Lectüre trüben, die gierig verschlingen die leichten und seichten Erzeugnisse der Literatur, denen die leichtfertige Waare des Büchermarktes lieber ist, als häuslicher Sinn und alle weiblichen Tugenden. Denn unwillkürlich steigen in der erhitzten Phantasie immer neue und verlockende Bilder der Lust auf, das süße Gift wird mit unsäglicher Wonne eingeschlürft, der Held oder die Heldin des Romans füllen das ganze Denken aus/ und was recht und billig vor Gott und Menschen ist, wird unrecht und unbillig in ihren Augen — ach! dieses Leben ist kein rechtes Leben, auch das ist ein selbstbewußtes Tödten der edelsten, reinsten, lautersten und besten Empfindungen. Der ״Dumah", dem Vergessenwerden, schreiten ferner diejenigen I hmufy entgegen, die hienieden für die Menschheit etwas Lhun könn-