Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 6-7 (3.1876) März-April
- Date
- 1876-03-01
- Page
- Seite 202 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Untergang preis," kann uns nicht den süßesten Glauben, den Glauben an ein Leben nach dem Tode, nicht haben rauben wollen. Darum, m. A., lasset in dieser Stunde der Todtenfeier uns darüber Nachdenken: Welche מתים und welche יורדי דומה kann König David in dem Ausspruche לא המתים יהללו יה ולא כל יורדי דומה verstanden haben? Mit ihm selbst beten wir: Herr, öffne meine Augen daß ich schaue das Wunderbare deiner Lehre! Amen. I. Die Volkssitte, m. A., hat ihre eigene Art, nach der sie die schönsten und tiessten Gedanken in Worte und Sprüche kleidet, die sich stets durch Klarheit, Kürze, Tief-- und Scharffintl, sowie durch innere Wahrheit auszeichnen — und manche solche im jüdischen Volksbewußtsein lebenden Aussprüche sind es, die uns den rechten Sinn des Satzes: ״Nicht die Tobten preisen Gott", erschließen helfen. Im jüdischen Voltsmunde lebten Sprüchwörter, die einen Jeden in das Reich des Todes warfen, der den Zweck seines Daseins auf Erden nicht erfüllte oder nicht erfüllen konnte. Zu den Tobten rechnete man vorerst alle Frevler und Uebelthäter. רשעים אף ״ בהייהם נקראים מתיםDie bösen Menschen werden schon bei ihrem Leben Tobte genannt." Denn was ist wohl das Merkmal des Todes? Unstreitig dasjenige, daß der Tobtenicht mehr als Glied der menschlichen Gesellschaft betrachtet werden kann. Haben die Lebensorgane ihre Funktioneil eingestellt, sind die Hände, die Füße, der Mund, die Augen, das Gehirn erstarrt und zu jeder Thätigkeit entschieden ullbrauchbar geworden, ist der Geist aus der körperlichen Hütte gefloheli, so trägt mall den tobten Körper in eine abgeschloffelle Kammer, auf daß er mit der menschlichen Gesellschaft llicht mehr in Berührung fontine. Denn arbeiten, schaffen, nützlich sein kann er ja doch nicht mehr, und würde die seelenlose Leiche unter uns wellen, so köllnte sie durch ihre Verwesung nur schädlich für die Lebenden werden. Warum werdell also die bösen, lasterhaf- Leu Menschen schon bei lebendigem Leibe ״ מתיםTobte" genannt? Weil sie durch ihr Dasein unter ben Menschen, durch ihr ganzes Thun und Lassen, wie ein in Verwesung übergehender Leichnam die Luft um sich her verpestell nnb ihre Umgebung verderben. Und solche messim, die also mit lebelldigem Leibe und gesunden Sinnen herumwandeln, giebt es gar Viele, nnb der Mensch hüte sich, auf daß er