Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 6-7 (3.1876) März-April
- Date
- 1876-03-01
- Page
- Seite 190 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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uns gelebt, Anhänglichkeit an die Sitten unserer Ahnen, die volle Hingabe an die Beschäftigung mit ihren Lehren, das ist es, was bis jetzt ein Kennzeichen des jüdischen Volkes war. Und wahrlich groß ist dieses Zeichen, groß und gut. Groß, denn ist es nicht ein Zeichen des Geistes, gerade von der Gegenwart nicht gefangen zu sein und für eine unsichtbare Vergangenheit Sinn und Zeit, Herz und Geist zu haben? Ist es nicht groß, auf seine Meinung, seine Ansicht nicht allein zu bauen, sie nicht zur einzigen Richtschnur seines Thuns, nicht zum einzigen Maßsiab der Wahrheit hinzustellen, solldern vor der Väter Geist und Herz sich demuthsvoll zu beugen. Ist nicht da der Geist in seiner Größe und das Herz in seiner Größe? Und gut ist diese Pietät! Denn willst du dreist behaupten, daß deine Meinung unfehlbar, willst du es wagen, der Väter Geist für eitlen Wahn zu erklären, und dir allein nur zu glauben. Sind deine Augen niemals trüb, deine Ohren niemals hart, dein Geist niemals der Täuschung fähig? Welch' eine Stütze ist da das Alte, welch' eine Weisung! Und wie beseligend ist der Glaube, der von Killdheit an ersaßt, wie hehr und erhaben wird uns unser Gedanke, welin wir wissen, daß wir vom Vater ihn ererbt! Und diese Scheu vor dem, was grau vor Alter ist, sie leitet sanft zur Scheu vor dem, der ewig ist, Gehorsam gegen den, dem frühe mail gehorcht, er leitet zum Gehorsam gegen den, dem Alles zu gehorchen hat. Es ist unsre Ehre, unser Stolz, wenll unsrer.Väter Glaube noch heute sich bewahrheitet. Wie traurig, wie entheiligt ist das Herz des Menschen, der seinen Vätern entfremdet ist, oder über seiner Väter Heiligstes den leichtsinnigen Spott treibt! Ja, m. Th. Ein Mose rief: ״den Gott meines Vaters, ihn will ich erheben." Nicht nur die eigene Meinung, auch der Väter Hoffnung, nicht nur die eigene Ueberzeugung, sondern auch die der Väter war ihm werth, und groß sein Glück, da ihm sich beide deckten, beide sich am Meere als wahr bekundeten. Eigene Ueberzeugung und treue Pietät, sie sind die Theile des Mosesglaubens, sie sind die beiden gleich neben einander stehenden großen Pflichten des Judenthums. Wissen und Einsicht, Treue und Muth, sie sind seine Religionsquellen. Amen!