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Israelitisches Predigt-Magazin · 1876-03-01 · 6-7 (3.1876) März-April · p. Seite 188

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
6-7 (3.1876) März-April
Date
1876-03-01
Page
Seite 188 (sequence 32)
Language
German
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wer sein ganzes Sorgen und Arbeiten und Entzücken an die einzige Frage knüpft, wie werde ich reicher, wie erleichtere ich meine Broderwerbsthätigkeit, wie erheitere ich mein Leben durch Bequemlichkeit, wie schmücke ich es durch Pracht, wie dringe ich in die vornehmen Kreise der Gesellschaft, wie erwerbe ich mir die Tagesbildung, welche Gewinn bringt und mächtig macht, wie erlange ich es, Etwas zu scheinen, wer an die einzige Frage der Erdenlust sein ganzes Empsinden knüpft und über die religiösen Fragen nicht denkt, nichts hören, nichts lesen will, hat der wohl auch eine Meinung über Gott und über Religion? Ist der Jndifferentismus mit seiner eistgen Kälte, mit seiner Hohlheit und Leere einthätiger Factor im Reiche der Religion, hat er mehr als den traurigen Rest halb verschwommener Eindrücke der Jugend oder des täglichen Lebens, steht er nicht wie ein Blinder vor der Sonne, entwürdigt er nicht die Hoheit seiner Seele, die zum Denken geboren, läßt er nicht die Krone des Menschengeistes in den Staub fallen? Nicht denken wollen heißt das noch leben? keine Ansicht haben heißt das Mensch sein? Nichts verstehen heißt das Geist besitzen? Das ist Stumpfheit, er ist wie ein Baum, der nur Holz treibt, aber keine Blüthen, wie ein vertrockneter Bach, wie ein Feuer, das nur kohlt. Aber auch Unheil erzeugt diese Gleichgültigkeit. Denn einmal fordert der religiöse Trieb des Menschen sein Recht, wenigstens Nahrung, und das Gute nicht kennend, ergreift der plötzlich Religion suchende oft wie ein Hungriger ohne Wahl, was sich ihm darbietet. Er will Etwas glauben und begnügt sich mit dem Aber glauben. Er fühlt die Leere und Dürre und nimmt das schlechteste Wasser, um seinen sengenden Durst zu löschen. Das ist die Folge der Meinungslosigkeit. Und ist es viel besser mit denen, die nur nachüben, was sie von den Voreltern gesehen, die nur nachsprechen, was als Gebet vorgeschrieben, und blind nur für wahr halten, was und weil es früher von den Ahnen gesagt und anerkannt worden ist, ohne zu verstehen, ohne zu prüfen? Wohl gleichen sie einem Gliede, das vom Körper fast abgerissen ist, aber doch noch an einigen Theilchen hängt und so kümmerlich sein Dasein fristet. Haben diese eine 'eigne Anschauung? Haben sie eine Ueberzeugung, einen Glauben? איש בער לא ידע ״ וכסיל לא יבין את זאתder Hohle achtet auf Nichts, und der Thor versteht dies nicht." Die Gedankenlosigkeit, die wie eine Maschine die bekannten Pflichten erfüllt, die sich wohl fühlt in der Nachahmung,

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