Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 6-7 (3.1876) März-April
- Date
- 1876-03-01
- Page
- Seite 172 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616701-9617075-9617245--0525-9617261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
172 III. ״Meinen Sabbath sollt ihr beobachten, und mein Heiligthum sollt ihr ehrfürchten. Ich bin der Ewige." M. A.! Die Heiligkeit des Lebens stellt das Judenthum als das höchste Ziel der menschlichen Entwickelung hin. Und diese Heiligkeit des Lebens, sie besteht vor Allem darin, daß unser inneres Leben, die Welt in unserem Herzen, wie sie Kohelet nennt, in ungestörtem Einklang stehe mit dem Weltgesetze, mit dem Gottesgeiste, welcher als sittliche Weltordnung das All durchdringt. Allein, m. A., die Heiligkeit unserer inneren Gesinnung kann erst dadurch sich bewähren, daß sie als heilige, als sittliche That im Leben draußen zur Erscheinung kommt. Die Ehrfurcht, die wir vor dem Heiligthum empfinden, muß auch vor einer anderen Ausschreitung sich bewahren, sie muß auch noch eine andere Klippe zu vermeiden suchen, sie darf nicht ausarten in gedankenlose Schwärmerei, sie darf nicht in müßiger Gefühlsseligkeit sich genügen; sondern mit der Innigkeit der Empfindung soll die Klarheit des Gedankens sich vereinigen, die Tiefe des Gefühls soll sich durch die Festigkeit des Willens, durch die That erproben. ״Mein Heiligthum sollt ihr ehrfürchten". Nicht in überschwänglichen Gefühlsausbrüchen soll eure Ehrfurcht sich erschöpfen, und nicht die verschwommenen Gebilde eurer Phantasie sollt ihr als Heiligthum verehren. ״ את שבתתי תשמרו ומקדשי תיראוMeinen Sabbath sollt ihr beobachten und dadurch Eure Ehrfurcht vor meinem Heiligthum zu erkennen geben." Mitten in des Lebens Wechselvollem Drang, mitten in des Tages Arbeit sollt ihr mir ein Hei-, ligthum errichten. Der Dienst des Heiligthums soll euch dein Leben nicht entfremden, aber es darf auch das Leben nicht in feindlichem Gegensatz zum Heiligthum stehen. Ihr könnt den Ansprüchen des Lebens in vollem Maaße Genüge leisten, ohne gerade in stür- Mischer Zeit und in ruheloser Geschäftigkeit inmter nur für das zu sorgen, was der Augenblick erheischt, ohne in dem uteberen Alltagstreiben aufzugehen und von allen höheren Bestrebungen euch abzuwenden. Es bringt der Mensch die größten Opfer, wenn sie die Noch des Lebens von ihm fordert. So zeiget denn, daß ihr auch freiwillig Opfer bringen könnt dem Heiligt hum zu Ehren. Legt eurem Eigenwillen eine Schranke auf, und beugt euch dem Gesetze, welches die Ehrfurcht vor dem Heiligthum gebietet, gönnt euch zuweilen auch eine kurze Rast, um in sabbathlicher Stimmung euch