Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 6-7 (3.1876) März-April
- Date
- 1876-03-01
- Page
- Seite 168 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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168 seinem Wesen und seiner Tendenz nach in diesem einen Satze gleichsam schon völlig ausgeprägt." Wenn Ihr mein Heiligthum ehrfürchten wollt, nun so beobachtet meine Sabbathe. Die Sabbathheiligung, sie sei ein Symbol für die Heiligung unseres Lebens, so lautet die Lehre, die dieser Satz uns predigt, das ist der Gedanke, welchen in die Welt hinauszutragen das Judenthum berufen ist. M. A.! ״Die Heiligthümer ehrfürchten", das freilich ist eine Forderung, welcher Niemand ihre Berechtigung abzusprechen wagen wird, und die daher auch nich gerade dem Judenthume allein eigenthümlich sein kann. Die Ehrfurcht vor dem Heiligthume ist vielmehr ein so naturgemäßer Zug des Menschenherzens, daß sie überall gleichsam von selber sich erzeugt, daß, wo es Heiligthümer giebt, auch die Ehrfurcht vor denselben als ein heiliges Gesetz erscheinen muß. Freilich kann der Mensch auch in der Wahl der Heiligthümer irren, und was wir zu einer Zeit als ein Heiligthum verehrt haben, das kann zu einer anderen wieder seine Macht auf unser Herz bereits eingebüßt haben. Allein das, was wir noch immer als ein Heiligthum in unserem Herzen tragen, mit frevelnder Hand zu schänden, uns daran zu vergreifen, was unsere Seele noch heut mit heiliger Scheu erfüllt, so weit reicht keines Menschen Frevelmuth, das kann der Mensch im Wahnsinn nur, und wenn er seiner selbst nicht mächtig ist, begehen. Wer sehend ist, der muß das Licht der Sonne sehen, und nur der Blinde ist für ihre Strahlen unempfindlich. So muß dem Zauber, den das Heiligthum auf unser Herz ausübt, sich Jeder fügen, der nicht empstndlos durch's Leben wandelt. Wo aber, m. A., ist der Mensch zu finden, der nicht irgend ein Heiligthum in seinem Herzen hegte, und wo gar ein ganzes Volk, dem der Sinn für das Heilige niemals aufgegangen wäre? Sehen wir nicht selbst jene rohen Völkerstämme, die jeder Gesittung noch entbehren, in denen das Bewußtsein ihres Menschenthums noch kaum erwacht ist, sich selber, wenn auch in noch so kindischer Weise, Heiligthümer bilden, die ihnen unverletzlich sind, denen sie sich unterwerfen, und denen sie selbst ihre wildesten Begierden freiwillig zum Opfer bringen? Der Drang, sich irgend einem Wesen in ehrfurchtsvoller Scheu zu nahen, ist tief gewurzelt in der Brust des Menschen, übermäßig sprudelt in unserem Herzen der Quell der Liebe, uub in