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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-12-01 · 3 (12.1875) · p. [Seite 4]

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
3 (12.1875)
Date
1875-12-01
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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68 gende Verlangen nach Licht in drei großen Gebieten zu erweisen und durchzuführen suchen. Und so fordere ich denn für unseren religiösen Haushalt: 1) etwas mehr von dem Lichte der Andacht und Gottesverehrung; 2) etwas mehr von dem Lichte der Erkenntniß und Lehre; 3) etwas mehr von dem Lichte des Friedens und der Liebe. I. Eine allgemeine Klage über den Verfall der Innerlichkeit im Religionsleben des modernen Israeliten durchweht mit schwülem Hauche alle Stätten des religiösen Lebens. An die Stelle der Tiefe ist verflachende Aeußerlichkeit getreten; einzelne Formen haben sich äußerlich verschönt, veredelt; allein die Seele, die Feuerseele der Andacht und Verehrung, womit Israel als ein glänzendes Meteor durch die nächtlichen Jahrhunderte der Geschichte dahingezogen: wo ist diese Seele hingeschwunden? — Hier werden entstellte Formen aus der abgelebten Vergangenheit mit blindem unkundigem Eifer festgehalten; dort wird die schaale Phrase von gestern mit zäher Starrheit heilig gesprochen. Hier beeilt sich der leichtfertige Sinn die reichsten Denkmäler der Vergangenheit unter dem Gestrüpp moderner Schlag- und Stichwörter zu verschütten uitb die Geistesarbeit von drei Jahrtausenden wie böses Unkraut auszujäten; dort sträubt sich eine fanatische Schaar von geistlosen Zionswächtern gegen jegliche und selbst die gesündeste, naturgemäßeste Entwickelung und Verbesserung und hält auch dem bescheidensten Rufe nach Licht, nach ״mehr Licht" ein schneidendes von possumus entgegen: ein Protest, der dem wahren Geiste des Judenthums unendlich ferne liegt, und welchen dennoch die Maimoniden und die Mendelssohne immer wieder von ihrer Zeit zu hören bekommen. Vergebens werden Synoden, Rabbinerversammlungen, neue Gebetordnungen, schützende Synagogengesetze die Riffe und Schäden des HeiligLhums zu bessern suchen. Etwas mehr von dem Lichte der Andacht, etwas mehr von dem Lichte der Gottesverehrung: das kann uns nur dann aufgehen, wenn wir bei den Schätzen unserer

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