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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-12-01 · 3 (12.1875) · p. [Seite 2]

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
2 (1875-1876)
Issue
3 (12.1875)
Date
1875-12-01
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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66 veredelnde Momente hinzuzufügen. Eine reiche und großartige Ge:^' betliteratur und ein tiefer, heiliger Ernst verleihen dem Jom-Hakip-?; purim bis auf die heutige Zeit eine unbeschreibliche Weihe, durch s welche die Synagoge in ihrer edeln Einfachheit keineswegs vor dem! glänzenden Zionstempel zu erröthen braucht. Vor allem aber ist' es ein bedeutsames Symbol, welches das Judenthum aus seiner reichen Vergangenheit zu irdischer und geistiger Ausbeute sich gerettet hat. Die Feuer des Altars sind für immer erloschen; allein der Lichtglanz religiöser Weihe und Innerlichkeit hat Gottlob die Heimstätten und Gotteshäuser Israels noch nicht verlassen. Und das Licht ist ein so reiches, geistiges Sinnbild, daß es gleichsam; jedem Anlasse zu seiner Entzündung eine frische, eigene Seele, einen neuen, geistigen Inhalt verleiht. Es ist dieselbe Lichtflamme, dasselbe freundliche, lebenspendende Element, und doch weiß es stets eine neue Botschaft an unseren Geist zu richten, ob die fromme Hausmutter mit ihm den sabbathlichen Frieden in die stille Wohnung hineinzaubert, oder ob es unseren Winterabenden die Kunde von makkabäischem Heldenruhme erneuert, oder ob es zu Häupten einer geliebten Leiche mit mystischem Dämmerschein das Fortleben der gottgeborenen Seele veranschaulicht. In dem Schimmer seiner religiösen Festlichter trägt Israel seine geschichtlichen Erinnerungen mit sich dahin. Gleichwie der wachsame Bergmann das erhellende Flämmchen an seinem Haupte befestigt und sich so durch den erzreichen Schooß der Erde hindurchwindet, so beleuchtet der Wandersmann Israel mit der Leuchte der reichsten Erinnerungen seinen Weg durch den dunklen aber reichen Schacht seiner Geschichte; und da ist kein Strahl in dieser glühenden Strahlengarbe, welcher nicht die wunderbarsten, ergreifendsten Geschichten zu melden wüßte. Was wäre der Versöhnungstag, wenn er nicht das Emblem des Lichtes sich zu eigen gemacht hätte! Das glüht und leuchtet und flimmert vom Abend bis zum Abend und taucht die kahlen Wände und die betende Gemeinde in eine milde, weiße Farbenhülle, und jede knisternde Kerze scheint zu sagen: ״So verzehrt sich die andachtsvolle Menschenseele, ein Feueropfer der Anbetung und Gottes- Verehrung." Darum lenkt sich mein Blick mit stets neuen Empstndüngen der Weihe nach jenem deutungsreichen Lichtglanze; und wo immer das jüdische Herz noch sein altes Recht beansprucht, da wird 1

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