Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 2 (11.1875)
- Date
- 1875-11-01
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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15F — 44 — söhnungsfesies zu folgen. Eine Aussöhnung und Vereinignng mit dem Ewigen und durch diese auch mit den Menschen bezweckte jener heilige Tag. wie wir es nachzuweisen versucht haben. Das heutige Fest will uns nun Gelegenheit bieten, jene ersehnte Vereinigung und Ausgleichung mit den Menschen in's Werk zu setzen. Durch das Gebot des Hüttenbewohnens will es zunächst eine Beseitigung der äußeren uns im Leben trennenden Unterschiede für einen bestimmten Zeitpunkt bewirken, will uns zu Herz und Sinn führen, daß jene Unterschiede nur äußerlich und wesenlos sind und die inneren Bande, die uns Alle als Brüder umschlingen, nicht zerreißen dürfen. Denn was ist's wohl, m. Fr., das uns oft einander fremd macht trotz der Zusammengehörigkeit, das uns äußerlich trennt trotz der inneren Gleichheit, das uns gewaltsam auseinanderreißt trotz der uns eingeborenen Anziehung? Was ist's? Ich möchte mit dem Propheten (Habakuk) sagen: ״Der Stein aus der Mauer ruft es laut, und der Sparren vom Holzwerk beantwortet es." Ich meine, es sind die festen Mauern, die wir ausrichten, hinter denen wir uns verschanzen, und durch welche wir uns von unseren Brüdern trennen lassen; ich meine, daß wir des Hauses Macht und Pracht, die uns nur äußerlich heraushebt aus der Mitte der Brüder, gar leicht auf das Innere zu übertragen geneigt sind und zur Scheidewand machen, die Mensch vom Menschen trennt; daß die hochragenden Thürme, die wir ausführen, uns oft zu den Thürmen Babels werden, die uns die Sprache verwirren, daß wir uns nimmer verstehen/ daß wir einander fremd werden. ״Wehe, klagt ein anderer Prophet, ״ מניעי בית בביתsie rücken Haus an Haus, עד אפס מקום bis kein Raum mehr bleibt," auf welchem sie wie Brüder zusammen leben können. — Um nun eingedenk zu sein, daß diese äußerlichen Schranken nur von Holz und Stein, unb unser Inneres nicht bestimmen und einschränken dürfen: daß wir im Wesen und Grunde bei gleichen inneren Verdiensten Alle gleich, mit gleichen Ansprüchen dastehen dürfen; daß unsere Vorfahren darum nicht eine tiefere Stufe in dem Völkerbunde einnahmen, und daß die einzelnen.Hervorragenden unter ihnen deshalb von ihrer Bedeutung nichts einbüßten, weil sie in der Wüste hoch und niedrig unterschiedslos Hüttenbewohner waren: daran auch mahne uns dieses Fest, das uns zuruft: Verlasset für eine Weile die festen Häuser, werfet von euch die äußerlich trennenden Schranken und tretet Alle hinein in diesel-