Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 2 (1875-1876)
- Issue
- 2 (11.1875)
- Date
- 1875-11-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Erden erklärt, vor der alles sogenannte Gute verschwinden muß. Wie viele, nt. A., sind schon in unserer Mitte, in der Mitte Israels, das doch durch seine Thora gegen den Pessimismus geschützt sein könnte, von dem Wahne erfaßt worden, als wäre die Erde nichts anderes, als ein Jammerthal, in welchem Alles, was sich regt und bewegt, für sein Dasein büßen müsse. Gehört es doch bereits zum guten Ton, mit nichts zufrieden zu sein, alles Gute und Edle für eitlen, vergänglichen Schein zu erklären und mit Hiob auszurufen: ״ ארץ נתנה ביד רשעunsere Erde ist die Beute einer bösen, finstern Macht." Jene trübsinnige und trübselige Lebensanschauung, sie hat bereits mit ihrem tödtlichen Hauche die Atmosphäre, in der wir leben, vergiftet, und wenn Ihr, nt. A., daran noch »zweifeln tonntet, so mußte Euch die verheerettde Seuche der Selbstmorde die Ueberzeugung aufdrängen, daß der Glaube an das Gute seine erlösende Kraft selbst bei Jenen eingebüßt hat, die Zeit ihres Lebens, wenn an nichts andres, so doch an sich selbst, an ihre eigene Güte, an ihre eigene Tüchtigkeit geglaubt haben. Wie treffend paffen auf unsere Zeit die Worte des Propheten Maleachi: ועתה אנחנו מאשרים זדים ״ נם נבנו עשי רשעה גם בחנו אלהים וימלטוJetzt preisen wir glücklich die Ueberntüthigen, ja aufgebaut sind sie, die Frevel üben, denn ob sie attch Gott versuchen, sie werden doch gerettet", oder können wir es ttns verhehlen, daß sie jährlich, täglich sich vergrößert die Zahl derer, die da sprechen: ״Umsonst ist es, Gott zu dienen und welcher Gewinn, daß wir beobachten feine Vorschrift, und daß wir gebeugt einhergehen vor dent Ewigett der Heerschaaren."? (Maleachi.) Doch, m. A., die so sprechen, haben wohl einen Mund, aber sie wissen nicht, was sie reden, sie haben wohl Ohren, aber sie hören nicht das eben vernomutene Prophetenwort (Jesaj.) הלא זה צום ״ אבחרהו פתח חרצובות רשע וב׳Wie, das Fasten, das ich verlange, öffnet es nicht die Schlingert des Frevels, löset es nicht die Bande des Joches, entläßt es nicht Unterdrückte frei, daß Ihr jegliches Joch abreißet!" O, daß sie doch zttr Eittsicht gelangten, wie die Religion nicht Gottes, sottdertt i h r e t willen ein Fasten und einett Tag des Wohlgefallens, für dett Ewigen fordert, daß wir es doch Alle begreifen lernten, wie matt am Versöhnungstage nicht blos sein Herz von füttdhaften Gefühlen, sottdertt auch seinen Geist von verderblichen Gedanken reinigen und läutern könne, bann, 111. A., würden wir es nie vergessen, daß Alles, was Gott geschaffen, gut