Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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322 welche stehen vor dem Herrn der ganzen Erde." Wir haben gesehen, wie Fürstenthum und Priesterthum in ihrem innersten Wesen nichts Anderes bedeuten als Wirken und Strebe n — als B e h a r r e n und E r h a l t e n! Nun ist es wohl wahr, m. Th., daß Beharren auf dem alten Boden, das Erhalten des von den Vätern her Angestammten und zu gleicher Zeit Leiden und Dulden und unentwegt Geschehenlassen, ein Grundzug des Judenthums und der Juden ist; aber das füllet nimmer aus sein ganzes Wesen. Vilmehr beginnet mit der Beschränkung hierauf allein der Niedergang und die Entfremdung von seinen Ausgaben. Thätigkeit, eifriges Streben nnd Schaffen soll der Jude auch auf geistigem und religiösem Gebiete allezeit in voller Frische und Wahrheit sich erhalten. Das sprechen unsere Weisen deutlich aus, indem sie dem כהן, den Beharrenden und unverändert Wahrenden, gegenüberstellen den ׳משיח Gesalbten, der eine Umkehr aller Verhältnisse gemäß der Umkehr^ der Zeiten einst herbeiführen soll: Erklärend des Propheten beide Oelbäume sagten sie זה אהרן ומשיח ואיני ״ יודע איזה מהן חביבSie bezeichnen Aaron, das Priesterthunl, und den Messias." Doch gleichgestellt erscheinen sie in dem Gesichte des Propheten, so daß wir nicht zu erkennen vermögen, ob und wem ein Vorzug gegeben wird! בשהוא אומר נשבעה׳ ולא ינחם אתה כהן העולם על־ דברתי מלכי־צדק ״ הוי יודע שמלך המשיח הביב יותר מכהן צדקDa nun der Psalmist im Namen Gottes kündet: Es schwört der Ewige — und nie gereut es ihn — du bist der Gottheit Priester ewiglich nach meinem Wort — du der König ,der waltet in Gerechtigkeit, erkennen wir, daß bei Weitem höher steht der Messias, denn der Priester!" Und nun, m. A.! lieget die Anwendung auf uns und unsre Zeit gar nahe! Täuschen wir uns nicht: Wohl ist es wahr, wir haben Großes geleistet im Dulden und Leiden für eine Idee, für unfern Glauben — und auch heute noch hat jeder Jude fast aller Orten eine Fülle von Zurücksetzungen und Kränkungen zu erfahren — dafür, daß er Jude ist. Sehen wir aber aber zu, ob ein