Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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323 Verharren in den alten Bahnen, ob das Zurückziehen in den engsten Kreis, das Abwehren jedes Strahles des von der jetzigen Zeit erzeugten Lichtes dazu geeignet ist, diese Dulderkraft unserem Geschlechte gu erhalten. An ihren Früchten müßt ihr sie erkennen. Wo sind sie, die Söhne derer, denen das Abstreifen eines alten Minhag ein Verrath dünkte an Gott? Suchet sie nicht in den Reihen, da ihre Väter gestanden, suchet sie kaum noch in Israels Reihen — einen großen Theil findet ihr bei den Feinden draußen, die Andern bei denen, die jedem Glauben abgestorben sind. Was gilt dieses starre Aufrechthallen, da es doch nur gilt der Gegenwart, da damit die Zukunft hingeopsert wird? Was gilt dieses Beharren, da damit die Vernichtung herbeigeführt wird? Jft's noch nicht genug les Abfalls, der Sittenlosigkeit, der Verachtung und Verspottung des Heiligsten in unserer Mitte? O, ihr, die ihr aufrichtigen Herzens, mit denkendem Geist sprechet den Dank dem, שעשה נסים לאבותינו, erkennet, wie auch euch es obliegt, zu wirken im Geiste jener Helden, wie auch euch Gott berufen hat ״mit Eifer euch zu umhüllen!" Nicht ferner kann das bloße Beharren erhalten werden denn es führt zum Untergange. An die Stelle des Priesterthums trete wieder das Fürstenthum, an die Stelle des starren Bewahrens die vernünftigesThat und der Eifer. Opfern müssen wir das gedankenlose Verharren in vielen, zur lieben Gewohnheit uns gewordenen Formen, abwenden müssen wir uns von mancher, uns noch genügender Auffassung, um unserer denkenden Jugend, um unfern Männern, die in: Leben stehn, es zu ermöglichen, in Wahrheit, mit Herz und Mund, in Gedanken und That Juden sein zu können. Lasset nns wie Mathatias ausziehen, um zu eifern für Gottes Gesetz, mit zu entfernen das Abschreckende, zu vernichten die Schranken, die so Viele edel u. fromm Gesinnte hindert, sich anzuschließen dem Vereine ihres Volkes. Lasset so uns in Einklang setzen die Religion und das Leben — dann halten wir n ahrhaft den Bund, dann sind unser die beiden Leben fpenbenbeit Bäume, die beiden ewigen Stützen des Judenthums — Eifer und Treue!