Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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289 Im Alter selbst aber drängt sich uns vor das körperliche Unbehagen, welches in seinem Gefolge hervortritt. Deßhalb schließen sich denn die Alten zumeist der Meinung an, welche in den ימי הרעה, in den schlimmen Tagen, von welchen Kohelet spricht, das Alter sieht. Da zeigen sie als ihres Geschickes deutliches Bild hin auf des Weisen Wort: ״Ehe denn finster wird die Sonne und das Licht und der Mond und die Sterne, und die Wolken wiederkommen nach dem Regen, an dem Tage da wanken des Hauses Hüter und sich krümmen die Starken, und die Mühlen feiern, da ihrer immer weniger werden und finster werden die durch die Gitter Schauenden!" Sehet her, so rufen sie — umgedeutet muß diese Schilderung werden und ihr sehet, wie umgestaltet und mißgestaltet den Menschen die Last der Jahre: da schwindet der sonnige, strahlende Glanz der Jugend, düster erscheinet die faltendurchfurchte Stirn, das runzelreiche Gesicht — all' das erlittene Weh, all' die vergossenen Thränen umwölken das Antlitz; schwächer wird die Kraft zu schaffen und zu wirken, schwer wird selbst das Athemholen — nicht willig mehr wollen tragen die Füße den Körper, nicht mehr in Eile ihn führen zu den Orten der Lust. Auch die Zähne gemindert, versagen den Dienst, trüb und matt blickt in erloschenem Glanze das Auge! Stumpfheit ist des Alters Gewinn. — Sollte das die Gnadenspende Gottes sein? M. A.! Eben deßhalb sind unsere Weisen berechtigt, den vor Abraham lebenden Menschen den Schmuck des Greisenalters abzusprechen, obfchon sie reich waren an Zahl der Jahre. Wohl alterten sie — aber nur an ihrem Körper ward dies Alter wahrnehmbar! Und nicht des Lebens Dauer verleihet des Alters Zier, nicht des Körpers Schwäche, nicht seiner Glieder Versagen ist das Ziel und die Krönung des Menschenlebens! Nicht äußerlich, nicht körperlich vollziehet sich die Wandlung, die aus der Jugend hervorgehen läßt das Greisenthum! Ein geistiger Vorgang ist es, eine innerliche Wandlung! Allein wenn mit der Zahl der Lebensjahre zugleich gestiegen ist die Zahl der Lebenserfahrungen, wer an des Lebens Ende zur Höhe der Lebenserkenntniß sich empor-