Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Sachgemäß und sinnig ist diese Auffassung der Schrift! In der That, m. A., nicht darin allein bestand das Verdienst Abrahams, nicht dafür allein verhieß Gott ihm und seinen Nachkommen Segen, weil er auf göttliches Geheiß, oder wie Rabbi Acha meint, im. guten Glauben, ohne weiteres seinen geliebten Sohn als Opfer auf dem Altäre wollte darbringen. Denn Beispiele von Hinschlachten der eigenen Kinder im Dienste der Götter verzeichnet die Geschichte gar vieler semitischen Völker; allein die Thora und die Propheten stellen sie doch jedesmal als gottverhaßte Gräulthat hin. Geschweige, daß eine göttliche Verheißung dafür erfolgt wäre, wie: ... כי ברך אברק״ והתברכו בזרעך ... Was Abraham aber auszeichnet, den hohen Blick und die Erhabenheit seines Begriffes von Gottbs- Verehrung bekundet, ist außer seinem unbedingten Gehorsam gegen Gott, die Thatsache, daß er der Erste war, der, nachdem an ihn der göttliche Ruf ergangen, seinen Sohn nicht zu schlachten, auch allsogleich diese Himmelsstimme erfaßte und verstand, indem er an Stelle seines Sohnes den sich ihm darbietenden Widder als Opfer darbrachte. Abraham lehrte hierdurch in ewig denkwürdiger Weise seine Nachkommen im Gegensätze zur Heidenwelt, daß nach göttlichen Willen von nun ab Thieropfer an Stelle der Menschenopfer zu treten haben. Jene nur sind Gott wohlgefällig, diese aber nicht, weil jedes Einzelleben des Menschen, der im Ebenbilde Gottes geschaffen wurde,' Gott hoch und theuer sei. Ist aber diese große, eines Abrahams würdige Lehre nur eine reine Glorisicirung desselben? Nein, sie geht aus dem Wortlaute der Thora hervor, wenn wir sie nur mit Verständniß lesen. Denn hätte der Bericht der Akeda nur den Zweck die opferwillige, reine Hingebung Abrahams uns vorzuführen, wozu sollte dann die ausführliche weitere Erzählung von der Darbringung des Widders au Stelle seines Sohnes? Wozu die darauf folgende so erhabene Benennung des Ortes? Und wozu namentlich sollte dann der erneuerte Ruf des Engels, der sonst überflüssig wäre?