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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 3 (1877) · p. Seite 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
3 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 248 (sequence 84)
Language
German
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248 an Euch richte ich vornehmlich die Frage: Sollte es Euch nicht ähnlich ergangen sein, wie unserem leidgeprüften Stammvater? Gewiß, von unseren Eltern verlassen, von Allem, was uns lieb und theuer war, geschieden, verödet und vereinsamt seid Ihr zum ersten Mal genöthigt, den Widerwärtigkeiten des Lebens preisgegeben, ängstlich und zaghaft einem wenig erfreulichen, unsicheren Ziele zuzusteuern. Das Gefühl der Heimathlosigkeit hat nunmehr mit seinem ganzen Gefolge von Wehmuth und tiefer Betrübniß Platz gegriffen in eurem, in unserem gramerfüllte Herzen. Den umsichtigen Vaterblick — wo wollen wir ihn finden? Das zärtlich liebende Mutteräuge — ach es wacht nicht mehr. Wer kann für uns nun liebevoll sorgen, wer die Bitterkeiten des ernsten Lebens uns abwehrcn? Kein Wunder, daß die Schrecken der Nacht uns urplötzlich umfangen haben, die Schrecken einer langen, langen entsetzlich finsteren Nacht; kein Wunder, daß statt der schwellenden Polster in der trauten Heimath zur Ruhestätte unserem sorgenerfüllten Haupte dienen muß ein Stein, der harte, kalte Stein namenlosen Schmerzes und grenzenlosen Ungemachs. Ja, der Stein, er spricht zu uns eine sehr eindringliche, leider sehr beredte Sprache. O wie wahr ist auch hier das Wort unserer Weisen: משניטל הארון אבן היתה שט (Joma 82.) ״Da unsere heilige Lade entschwunden ist, findet sich leider nur ein Stein an ihrer Stelle." Da unsere heilige Lade uns entschwunden, da unser köstlichstes und heiligstes Besitzthum auf Erden unwiederbringlich uns ist entrissen worden, ist uns mit vollem Rechte schwer und bang um's Herz, findet sich an ihrer Stelle der gewaltig schwere Stein des Druckes und der tiefen Betrübniß. Wenn die traurige Frage aufgeworfen wird, ob das mit Blitzesschnelle urplötzlich hereinbrechende Ungemach, ob das langsam mit tückischer Sicherheit heranschleichende Unglück den tiefsten und sichersten Stachel in dem verwundeten Menschen zurückläßt, wir, m. G., haben den Wermuthskelch des Mißgeschickes mit allen Bitterkeiten durchgekostet, bis auf die Hefe ihn geleert, wir haben beide Möglichkeiten in furchtbarer Aufeinanderfolge zu erwägen die

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