Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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247 bitter, daß ich sie nicht fand:" (Hohelied 3, 1.) Zum dritten Male im Lause dieses an bitteren Erfahrungen so reichen Jahres finden wir uns zusammen an der Stätte der Wehmuth, um einer überaus traurigen Pflicht gebührend Rechnung zu tragen. Angesichts des Gedenksteins, den wir einem frommen Brauche in Israel getreu aufzurichten im Begriffe stehen, drängt es mich mit unserem Erzvater Jakob zu rufen: והאבן ״ הזאת אשר שמתי מצבה יהיה בית אלהיםDieser Stein, den ich aufrichte zur Standsäule, ist ein Gotteshaus." I. ״Dieser Stein, den ich aufrichte zur Standsäule, ist ein Gotteshaus." Wiffet ihr, m. G., wie es unserem Erzvater erging, als er diese Worte sprach? Verlassen von seinen Eltern, die er mit allen Fasern seines Herzens geliebt, geschieden von Allem, was ihm lieb und theuer gewesen, verödet und vereinsamt ist er genöthigt, eine traurige Wanderung anzutreten, einem unbestimmten, wenig erfreulichen Ziele zuzusteuern. Das Gefühl der Heimathlosigkeit mit seinem ganzen unheimlichen Gefolge von Wehmuth und tiefer Betrübniß greift Platz in seinem gramerfüllten Herzen. Den umsichtigen Vaterblick vermißt er, das zärtlich sorgende Mutterauge — es wacht nicht mehr über ihn. Wer wird nun liebend für mich sorgen, wer die Bitterkeiten des ernsten Lebens mir abwehren, wie werde ich die Schwierigkeiten alle besiegen, die, wie der feige und hinterlistige Feind im Versteck mir auflauern? — Diese und ähnliche Gedanken haben damals unstreitig auf chie sorgenvolle Stirn des Heimathlosen düstere Furchen gezogen. Kein Wunder, daß die Schrecken der Nacht urplötzlich über ihn hereinbrachen, die Schrecken einer langen, langen, unsäglich finsteren Nacht; kein Wunder, daß sein Haupt, das sorgenerfüllte und kummerbelastete ausruhte auf einem harten Steine. Und sollte es nicht auch uns ähnlich ergangen sein, m. G.? ״Dieser Stein, den wir aufrichten zur Standsäule, er muß uns bedeuten unser Gotteshaus." An Euch, m. l. Geschwister, die Ihr das Glück hattet, unseren guten, frommen, frühverklärten Eltern bis zu ihrem letzten Athemzuge nahezustehen;