Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 3 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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240 das Sittsamkeit so sanft umfloß wie Mondesschimmer, ein Kind, das Engel der Unschuld begleiteten auf dem Lebenswege, ein Kind, das, einer lieblichen Knospe gleich, ihre duftenden Kelche dem Lichte und dem Himmel erschloß: wie soll ich auch nur annähernd schildern Euren gerechten Schmerz, wie sprechen von Eurer Wunde, welche ja so ״groß ist, wie das Meer", wie könnte ich beschreiben Eure Trauer, Eure Klage! Und was wirst insbesondere Du, zärtlicher Vater, empfunden haben, als Dich in des Südens fernen Landen, wohin Du geeilt warst, um Deine Gesundheit zn stärken, die Nachricht von der Erkrankung des geliebten ätherischen Wesens überraschte; und welche Unruhe und schmerzliche Pein wird sich Deiner bemächtigt haben, bis Dir die schmerzliche Gewißheit geworden, daß Du Deine Vielgeliebte Tochter in diesem Leben fortan nicht Wiedersehen sollst! — Und wie soll ich Euren Schmerz beschreiben, zärtliche Geschwister, bei der Nachricht, daß fortan ein so schönes Glied fehlen wird in Eurer goldenen Familenkette! Mi jitten roschi majim, ״o, wäre doch unser Haupt Wasser, und unser Auge ein Thränenquell, daß wir mit Euch beweinen könnten die schmerzliche Zerstörung, die der kalte, unerbittliche Tod angerichtet hat!" — — — — — — — — — — Doch wie, ist mein Platz denn nur hier, um unserem Schmerze und unserer Klage Ausdruck zu geben ob dem Verluste, den wir erlitten? Nein, nicht aufreißen soll ich Eure Wunden, sondern ich soll diese verbinden, soll süßen Balsam in dieselben träufeln. Zwar wird mir diese Aufgabe schwer, Andere zu trösten, wo mein eigenes Herz des Trostes bedürftig ist, denn auch ich habe ja ganz besonders eine ehemalige Schülerin verloren, die ich von frühester Jugend aus in den Lehren der Religion unterrichtet, die ich geleitet den Weg des Lebens und des Heils, und die ich dann im Namen der Religion dem Glauben unserer Väter geweiht; aber der Diener der Religion soll seine eigenen schmerzlichen Gefühle in den Hintergrund drängen und reden von dem Himmelstroste des Gotteswortes, das er vertritt. Und so wißt es denn, Ihr Lieben, daß nicht ein blinder