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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 2 (1877) · p. Seite 161

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
2 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 161 (sequence 73)
Language
German
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161 die Tragfähigkeit seines Geistes sich über alle Völker der Erde erheben konnte. Je mehr Ihr die Offenbarung leugnet, desto mehr solltet Ihr den jüdischen Geist bewundern, desto mehr solltet Ihr den Satz anerkennen: רק עם חכם הגר ״ הגדול הזהein weises und vernünftiges Volk ist diese große Nation." Zeigt sich so die Stärke des Geistes, so liegt auch herin seine Schwäche — freilich eine edle Schwäche — eine solche, wie sie Israel nur Ehre macht. Bei der Uebernahme der Thora nämlich, bei der heiligen Verpflichtung, sie in allen Gesetzen und Geboten zu beobachten, hat jenes versammelte Volk wohl kaum an die Hindernisse gedacht, die sich der Erfüllung dieses Versprechens in den Weg stellen werden. Israel hat damals nicht all all den Jammer uüd das Elend gedacht, die diese Thora über sein Haupt bringen werde, es hat es sich nicht träumen lassen, daß es durch sie Jahrhunderte, und Jahrtausende hindurch verkannt, beschimpft, getreten werden werde. Diese Thora, die wir bei der Geburt übernehmen und von der wir im Sterben nicht lasten wollen, hat viel Unglück über unser Haupt, viel mehr über das Haupt unserer Väter gebracht. Sie ist wohl unschuldig daran, sie kann nichts dafür, daß man Israel verkannt und sie selber nlißverstanden, aber der Schmerz Israels um sie war darum nicht geringer. Und man sieht sich fast zur Behauptung veranlaßt, daß jenes Doppelwort ״wir wollen thun und hören" doch ein kühnes, ein gewagtes war. * Aber, vielleicht hätte auch das Wissen von der bevorstehenden Gefahr nicht genützt. So wie im Alltagsleben der ehrliche Mensch eher Qual und Noth erleidet, bevor er auf unehrliche Weise Vortheil zieht, sich bereichert, ebensowenig kann der Geist, wo er für Erhabenes sich begeistert und es sich zum Ziele setzt, durch eine bevorstehende Gefahr sich von seinem Fluge abschrecken lassen. Mag man, 11t. A., schwach uns nennen. In der Schwäche selber liegt noch ein edler Zug. Wir versuchen es, manchmal weiter hinauszulangen, als unsere Kräfte es erlauben, wir wagen vielleicht mehr, als wir ohne uns zu gefährden wagen dürften; aber, m. A., so lange der Versuch auf Edles, das Wagniß auf Er-

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