Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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158 denes darauf erwidern. Man kann erwidern, daß es in unserer Zeit zunächst eine Gegenströmung ist, die theils vom Geiste des Widerspruches, theils vom Trotze eingegeben wurde, man kann ferner sagen, daß es bei Vielen die Bequemlichkeit ist, die mit alten, liebgewordenen Anschauungen und Gewöhnheiten nicht brechen will, man kann sagen, daß diese ihren Geist und ihren Witz an der äußeren Form, an der Schale verschwenden und sich um so mehr an diese klammern, als ihnen der geistige Inhalt, entweder nicht klar geworden, oder sie ihn absichtlich, Parteizwecken zu Liebe, verleugnen. Andererseits kann man noch hinzufügen, daß es ebenso schwache Geister geben muß, wie es schwache Körper giebt. II. In dem unruhigen, strebenden, raschen Geiste liegt Jsr.'s Stärke, darin aber auch seine Schwäche. Wir sagten es bereits: hat der Jude etwas für gut befunden, strebt er danach, was an sich lobenswerth ist. Aber er überlegt nicht immer ob seine materiellen und geistigen Mittel zur Erlangung desselben hinreichen werden. Weil in feinem Kopfe Alles blitzschnell durchleuchtet ist, überlegt er oft nicht, daß in der Wirklichkeit die Dinge an einander stoßen; weil seine schnelle Auffassungsgabe bei ihm einen schnellen Ueberblick über das Ganze gestattet, pflegt er die einzelnen Theile zu übersehen, aus denen das Ganze sich zusammensetzt. Jsr.'s wogender, treibender Geist kennt den allmäligen, langsamen Fortschritt nicht. Der Jude will den Fortschritt, er begeistert sich für ihn, aber für die allmälige Entwickelung desselben hat er wenig Verständniß, das ״Schritt für Schritt vorwärts gehen" findet er zu langweilig, Stein auf Stein zum Gedankenbaue herbeitragen, das ist seine Sache nicht. Seine Gedanken gehen nicht, sie rennen und das Rennen kommt ihm noch wie Kriechen vor. Weil er die langsame Entwicklung nicht kennt, darum überstürzt er sich oft, darunr fällt er oft rückwärts, darum bringt er auch wenig zu Stande. Weil er oft einen Anlauf nimmt, der über seine Kräfte geht, muß er aus hal-