Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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145 halten muß, das ist Anfang und Ende aller Weisheit, ja das ist die Weisheit selbst. Das Wissen, das aus Entdecken und Erforschen ausgeht, ist nie vollendet, nie abgeschlossen, muß stets vorwärts schreiten, und was einst gegolten, das gilt nicht mehr und was heute gilt, das wird in hundert Jahren vielleicht nicht mehr gelten; aber die Weisheit des Lebens, die Erkenntniß Gottes, die Moral und die Sittlichkeit, das istein ewiges, unveränderliches Wissen; ein Wissen, das für alle Zeiten gilt, für alle Ewigkeiten die Menschen veredelt; da sind keine neuen Entdeckungen möglich, da ist keine Widerlegung denkbar. Die reine Erkenntniß Gottes, die Moral und die Sittlichkeit, wie sie heute gelten, so hatten sie vor Jahrtausenden gelten müssen und so werden sie in Jahrtausenden ihre Geltung behalten, da läßt sich nichts hinzugeben und auch nicht ein Titelchen eines Buchstabens wegnehmen. Dieses dauernde und bleibende Wissen also, diesen wahrhaften Schatz hat das Judenthum nun in seiner Rolle seit Jahrtausenden gehütet und hütet ihn noch immer mit unveränderter Liebe; und mögen auch die Judenfeinde noch so laut und oft und unermüdlich in alle Welt Hinausrufen, wie viel Fehler der Jude besitzt, wie viel Unschönes an ihm haftet, wie viel Dndelns- und Hassenswerthes ihm innewohnt: ועל כל פשעים תכסה אהבה diese eine reine unveränderliche Liebe, mit der der Jude am göttlichen Gesetze hängt; diese vieltausendjährige Treue, die er seinem Gotte bewahrt hat, läßt alles Andere vergessen. עה ״ שלא קבלו! ישראל את התורה הי׳ העולם מדברGlich ja die Welt, wie unsere Weisen sagen, (Midr. Schem. rab. c. 24) einer Wüste, ehe Israel das göttliche Gesetz angenommen hatte, und sie wäre.es geblieben, wenn Israel sich nicht zum Träger desselben gemacht hätte! Konnten aber, so wendet man gewöhnlich ein, die alten Culturvölker nicht auch den richtigen Weg finden; hatten sie nicht auch ihre Denker und Gelehrten, ihre Frommen und Tugendhaften, und warum will Israel einzig und allein das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, die reine Gotteserkenntniß, die wahre Tugend, die wahre Sittlichkeit den Menschen gelehrt