Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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144 viel, als die Judenfeinde tagtäglich versichern —, nicht Reichthümer sind es, um derentwillen Gott die Juden lieben sollte: ״ לי. הכפף ולי הזהב נאום ה׳ צבאותMir gehört ja das Silber, mir das Gold, spricht der Herr der Heerschaaren." Auch ist der Jude weit entfernt, zu glauben, daß er allein und nicht alle Menschen Eigenthum Lottes sind. Das ersie Wort unserer heiligen Thora Zerstört eine solche Thorheit, die nur der Unverstand ersann: בראשית ברא אלקים את השמים ״ ואת הארץGott ist Schöpfer des Himmels und der Erde" so beginnt die Schrift und zeigt, daß in diesen Kreisen Alles ihm gehört; und dreimal im Tage wiederholt sich der Jude: ״ טוב ה׳ לכל ורהמיו על כל מעשיוDie Güte Gottes kömmt Alle n zu, und seine Liebe erstreckt sich über alle seine Geschöpfe." Gar früh wurde aber der Jude zum Bewußtsein gebracht, daß er sich der Liebe Gottes besonders würdig machen könne, daß er seinem Gott und Herrn besonders lieb und werth, ja daß er ein Schatz Gottes werden könne, wenn er die ihm zugetheilte Bestimmung erfüllte. Solltet ihr, m. a. Z., nun fragen, wo diese Bestimmung zu finden sei, wo ihr erfahret, wie man Gott, dem Herrn besonders lieb und werth werden kann, so blicket doch hinein in jene Urkunde, die ihr seit Jahrtausenden mit euch führet, und leset jene zehn Worte, auf welche das ganze sittliche Weltgebäude aufgeführt wurde. Fürwahr nicht am siebenten Schöpfungstage stand die Welt vollendet da, so wenig als ein unschuldiges, weil unvernünftiges Kind ein vollkommener Mensch ist; erst als die Menschen das göttliche Gesetz bekamen und durch dasselbe die Sittlichkeit bethätigen konnten, da war der Weltenbau auch geistig und moralisch vollendet. Zur wirklichen Bolleudung bedurfte es zweier Säulen, nämlich der reinen Erkennt»iß Gottes und der wahren Sittlichkeit. Und die reine Erkenntniß Gottes und die wahre Sittlichkeit, das ist der ganze Inhalt der zehn Gottesworte, das ist der Zweck des Lebens, das ist das Ziel menschlichen Strebens, das ist der Schutz des Menschen, der ihn zu allen Zeiten, an allen Orten glücklich macht, der seinen inneren, wahren Werth stets behält und be-