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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 1 (1877) · p. Seite 58

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
1 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 58 (sequence 58)
Language
German
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58 des Todes entrissen werden. — Am Jom Kippur, dem hohen und heiligen Tag, der über alles Irdische erhaben, da beteten wir um Licht und Wahrheit, um Weisheit und Erleuchtung, um Einsicht und Erkenntniß, daß die Sonne der Wahrheit Licht und Wärme über uns ausstrahle, daß wir nicht im Finstern tappen und der Gluth — des heiligen Feuers der Begeisterung nicht entbehren. Sukkoth endlich flehten wir um Glück und Heil, um Wohlstand und Ueberfluß, um Freude und Frieden, daß die «Sc^Ceufeu des Segens sich erschließen und wie ein erfrischender erquickender Regen aus uns herniederströme. Das war der Inhalt unseres Gebetes! Beten, m. A., ist und bedeutet Selbsterkenntniß, denn wenn wir zu Gott um Etwas beten, dann erkennen, anerkennen wir, daß wir uns selber nicht Helsen können und feiner Hilse bedürfen. Wir haben also in den vergangenen Festtagen bekannt und gestanden, daß wir uns weder Wahrheit und Weisheit, noch Glück und Segen, noch Leben und Gesundheit selber geben und nehmen können, daß wir viel zu beschränkt und viel zu schwach und in dreifacher Beziehung aus seine Hilfe angewiesen sind. Ja, Rosch haschanah, Jom Kippur und Sukkoth haben wir das bekannt und gestanden! Wie wird's aber, m. F., in den künftigen Tagen, wenn diese Festtage wieder einmal vorüber, wie wird's dann um unsere Selbsterkenntniß stehen! Dann erhebt die Selbstüberschätzung, die Selbstüberhebring, der Wahn und Dunkel, der Stolz und Hochmuth wieder gewaltig das Haupt! Wahrheit und Weisheit, sprechen: die Menschen dann, um die brauchen wir nicht erst zu beten, wir haben ja Augen im Kopfe, Vernunft im Hirn — die bilden wir uns selber —; Glück und Segen! Da kann uns die Thora wenig helfen, was weiß unb versteht die arme Thora von unserer modernen Volkswirthschaft, vom Aufschwung unserer Industrie und unseres Handels? Reichthum, Ueberfluß, das rnüssen wir uns schon selber schassen! Und endlich Gesundheit, Leben, das muß sich jeder selber hüten und wahren, man lebt diät, mäßig, viel Bewegung, frische Lust u. s. w.,

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