Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 1 (1877) · p. Seite 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
1 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 47 (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616701-9617072-9616729--0806-9616776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

47 der That ist dieser Götzendienst der einzige, der wahrhaft gefährlich und verderblich, der einzige, der unausrottbar und unvertilgbar, der jeder Zeit und Cultur trotzt, aller Bildung und Wissenschaft hohnspricht, vor keiner Aufklärung und Erleuchtung zurückschrickt; im Gegentheil, je gebildeter und aufgeklärter die Menschheit, desto allgemeiner und verbreiteter der Naturdienst, der Naturcultus. Unsere Zeit kann sich gewiß mit Recht eine Zeit der Bildung und Wissenschaft, der Aufklärung und Erleuchtung nennen, der Götzendienst im Allgemeinen wird von ihr nur noch mitleidig belächelt und geringschätzig verspottet; der Natur dienst aber, die Anbetung und Vergötterung der Natur, war vielleicht nie so allgemein verbreitet, hat vielleicht nie so alle Klassen und Schichten der Menschheit durchdrungen, wie dies in unseren Tagen der Fall ist. Die Naturanbeter findet Ihr heute zu Tausenden und Hunderttausenden, — wie die Thora sagt — ״vom Erstgeborenen Pharao's, der aus dem Throne sitzen soll, bis zum Erstgeborenen der Magd, der hinter der Handmühle" (2. B. M. 11, 5), von oben bis unten, ohne Unterschied des Ranges und Standes. Die Reichen und Begüterten, die Bornehmen und Gebildeten sagen — voll Hoch- und Uebermuth — wir brauchen keine Religion, wir mögen keine Religion, wir lassen uns in unseren Freuden und Genüfien, in unserer Arbeit und Thätigkeit von der Religion nicht stören, wir hören auf die Stimme der Natur, sie, die wunderbare und herrliche, sagt uns, was gut und was böse, und das ist unsere Religion.... — Die Armen und Dürftigen, die Arbeiter und Tagelöhner sagen wieder voll Trotz und Ingrimm, ״sehet dort die reichen Verbrecher, wie sie sich von unserem Blut und Fett sättigen und nähren, die Natur, die Herrliche und wunderbare, hat uns Alles zu gleichen Th eilen gegeben, ״שלך שלי״, was ihnen gehört, gehört auch uns, sie aber die Sodomiten, üben Gewalt, nehmen was uns gebührt, prafien und schlämmen und uns laßen sie hungern und darben-überall derselbe Wahn, derselbe Ruf, dieselbe Verirrung! Die Natur, die herrliche und wun-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.