Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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45 Phantasie-Gebilde an deren Stelle zu setzen, ich rede von unseren Naturalisten und Socialisten. Der Naturalismus leugnet jede Religion, der Socialismus jedes Eigenthum. Die Naturalisten, von denen mir ja schon am Rosch haschanah gesprochen, sagen ״es giebt keine Religion". Wenn wir wissen wollen, was mir sollen, welche Pflichten wir im Leben zu erfüllen haben, dann hören wir aus die Stimme der Natur, die sagt uns, was mir thun und was wir lassen sollen, was gut und was böse ist, was recht und was unrecht u. s.w., alles was außer der Natur, was gegen die Natur, was Religion, Glaube und Offenbarung sagen und lehren, das alles ist Wahn und Dünkel, Ausgeburt thörichter Menschen. Das ״Soll", das die Religion aufbürdet, können wir nicht anerkennen, die Pflichten und Schulden existiren für uns nicht: . . . Die Socialisten sagen wieder, es giebt kein Eigenthum, keinen rechtmäßigen Besitz, es giebt keine Reiche und Arme, sondern Räuber und Beraubte, Diebe und Bestohlene, Betrüger und Betrogene. — — Der Reiche ist der Dieb, der Arme der Bestohlene, der Begüterte der Räuber und der Dürftige der Beraubte. Die Natur, die alles Schöne und Herrliche in Hülle und Fülle bietet, bietet es allen Menschen in gleicher Weise, zu gleichen Theilen, der Arme hat daraus denselben Anspruch wie der Reiche; warum soll nun der Reiche die schönsten Leckerbissen und der Arme nicht ein Stückchen Brod für seine hungernden Kinder haben, warum der Eine in Palästen und der Andere nicht eine bescheidene ״Sukkah", wo er das müde Haupt hinlege, warum der reiche Müßiggänger sich in die kostbarsten Gewänder hüllen und der arme Arbeiter nicht einen Lappen haben, mit dem er seinen Leib vor Frost und Kälte schütze, mit einen: Wort, «s giebt kein Haben, חברי גנבים כלו und die ganze menschliche Gesellschaft bildet eine Bande von Dieben. (Jesaja 1, 23.) Wie gefährlich und verderblich diese Anschauungen für die menschliche Gesellschaft wären, wenn sie anerkannt und bethätigt würden, das brauche ich euch kaum zu sagen. Wir stimmen selbstverständlich weder mit den Einen noch mit den