Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 3 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Besitze oder bei Anderen noch zu fordern haben. Jeder anständige Kaufman muß sein Soll und Haben, das Verhältniß des Einen zum Anderen, genau prüfen und kennen, denn wer nicht weiß, was er soll, der weiß auch nie was er hat.— Wenn uns Jemand, m. A., fragen würde, wodurch unterscheidet sich Rofch haschana und Jom Kippurim von Sukkoth, wir könnten nicht besser antworten, als wenn wir sagen, Rosch haschana und Jom Kippur bilden die Sollseite, Sukkoth die des Habens im Buche des menschlichen Lebens. "ר״ה uttb 'י״ו״ב־ sagen uns, was wir Alles Gott schuldig sind,?!פסי was wir Alles von Gott haben. Die ersteren, die Tage des strengen Ernstes, der Reue und Buße, der Kasteiung und Peinigung sagen uns, was wir Alles sollen, wir s ollen fromm und gottesfürchtig, redlich und rechtschaffen, tugendhaft und sittlich sein, wir s ollen Gott lieben, ehrfürchten, seine Gesetze und Gebote heilig halten u. s. w. Das ist die Sollseite; Sukkoth, die Tage der Freude und des Frohsinns, ״ באספך מנרכך ומיקבךwenn die Ernte, die Weinlese vorüber und wir alles Gute und Schöne in Hülle und Fülle eingesammelt," die Tage des Segens und Ueberfluffes sagen uns, was wir Alles von Gott haben, was wir durch Gottes Segen unser Eigenthum nennen. . . . Beides, m. A., genau zu wissen, ist heute sehr wichtig, denn Beides wird in unserer Zeit bestritten, das Soll und das Haben. Die Einen sagen, es giebt kein Soll, wir sind Gott nichts schuldig, denn Religion, Glaube, Offenbarung, alles ist Wahn und Thorheit. Die Anderen sagen wieder, es giebt kein Haben, wir haben nichts von Gott, es giebt überhaupt fein Eigenthum, denn ״Eigenthum ist Diebstahl", und ״Gottes Segen" ist nichts Anderes, als eine heuchlerische Maske für den Raub der Reichen an den Armen. Ihr wisset, m. Fr., ich rede von jenen zwei Strömungen in unserem modernen Leben, die darauf hinarbeiten, die durch Jahrtausende geheiligten Grundfesten der menschlichen Gesellschaft zu unterwühlen und zu untergraben und ihre leeren und hohlen