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Israelitisches Predigt-Magazin · 1877-01-01 · 1 (1877) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
3 (1877)
Issue
1 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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— 9 Gottesruf hören müssen, wo er uns förmlich heraustreibt aus unserem gewöhnlichen Verstecke, heute überkommt uns eine maßlose Angst im Hinblick aus unsere unendliche Schwäche und Ohnmacht. Wie willst du dich schützen, o Mensch, wenn ein verheerender Sturm vom Herrn ausgeht, auszutrocknen den Quell des Segens und der Glückseligkeit, deiner Nahrung und deines Wohlstandes? Wie willst du ankämpfen gegen ihn, wenn er dein ganzes Lebensglück in Trümmer schlägt, wenn er von deiner Seite reißt das Liebste deiner Seele, Freude und Jubel verscheucht und Trauer und düstere Vereinsamung an ihre Stelle setzt? Gewiß, heute dürste ein Jeder von uns sprechen: ״Deine Stimme höre ich im Weltengarten, und ich empfinde Furcht, weil ich mich erkenne in meiner Entblößtheit und Hilflosigkeit, die Bangigkeit dauert fort, trotzdem ich mich zu verbergen gesucht." . Denn was hat es uns gefrommt, daß wir den Gedanken an Gott und den höheren Empfindungen uns verschlossen? Hat es die Angst wirklich von uns gebannt — was sage ich gebannt? Hat es sie auch nur gemildert? Im Gegentheil, der eingedämmte Strom wird, wenn in dem Damme einmal eine Störung eintritt, um so stärker und verheerender Hervorbrechen. Die Frucht wird durch ein solches Verbergen niemals entfernt, sondern nur auf eine gewaltsame unnatürliche Art zurückgehalten; sie wird, wenn die Gewaltmittel auch nur einen Tag ihre Wirkung versagen, um so mächtiger sich über unsere Gefühlswelt ergießen und den klaren Quell der Lebenssreudigkeit in gar zu erschrecklicher Weise trüben. Und doch, m. A., können wir es uns wirklich denken, daß der Gedanke an die göttliche Allmacht eben nur das niederdrückende Gefühl der Furcht in uns erzeugen und aus dieser uns gar nicht Herausreißen sollte? Sollte dieser heilige Tag nur deshalb eingesetzt sein, damit er einen Schrecken aus uns werfe, den wir durch keine Anstrengung zu überwinden vermögen? Nein, es ist nicht möglich, Gott will uns nicht Niederdrücken, sondern erheben, er hat uns nicht zur Schwermuth, sondern zur Freudigkeit geschaffen. Mag es

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