Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2293 (8.11.1968)
- Date
- 1968-11-08
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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yteMM«, 4te -nMoyicMftlwre de (Mi I « D i «~c X e W O c m E M «OX -â 4J Aßc'XXVX. — N* 2*93 — 5 Ereignisse der Woche (Fortsetzung der Ereignisse 4er Woche von Seite 4) Offiziere. Der Präsident unterhielt sich angeregt mit dem Botschafter und dem israelischen Militärattache Oberst Elieser, Lift. An der Unterhaltung nahmen auch andere Mitglieder der israelischen Botschaft teil sowie die Delegierten der israelischen Flugzeugindustrie Hitaschia ha’Awirut le Israel. Die Ausstellung ist . ausserordentlich sehenswert. Vor allem wird der israelische Stand grosses Interesse bei unserem Publikum erwecken. Jüdisch« Press« Das jüdische Museum (Museo Judío), das bei der Congregation Israelita en la República Argentina untergebracht ist, eröffnet am 11. November eine Ausstellung jn seinen Räumen Libertad 773, auf der zahlreiche seltene jüdische Publikationen, Zeitungen, Wochenschriften, Monatsblätter und andere Publikationsorgane, die von verschiedenen jüdischen Gemeinden in der Welt herausgegeben werden, zu sehen sind. Die Ausstellung gibt einen U eberblick über die Entwicklung der jüdischen Presse. Das erste Blatt in der jüdischen Welt wurde in Ladino von der jüdisch-spanischen Gemeinde in Amsterdam am 19. August 1675 gedruckt. Die erste Zeitungsausgabe in jiddischer Sprache erschien am 27. August 1687. Die Ausstellung ist für das Publikum ab 12. November von Sonntag bis Donnerstag zwischen 16 und 20 Uhr geöffnet und wird am 3- Dezember wieder geschlossen. Wir hoffen, dass der lobenswerten Initiative des Jüdischen Museums ein grosser Erfolg beschieden ist. Asado des Hilfsvereins Zu einem besonders grossen Erfolg gestaltete sich die Durchführung des diesjährigen Asado der Asociación Filantrópica Israelita (Hilfsverein). Der Asado fand wie jedes Jahr auf dem Gelände des Elternheims in San Miguel statt und war von einem grossen Publikum besucht. Auch der finanzielle Erfolg soll bemerkenswert gewesen sein. Wir erblicken hierin eine allgemeine Anerkennung der vom Hilfsverein geleisteten Arbeit im Dienste der Allgemeinheit. Reisen nach Israel Der Verband der Verfolgten bereitet neue billige Gesellschaftsreisen nach Israel vor, wie diese bereits von dem genannten Verband durchgeführt wurden. Auf diesem Wege soll es einem breiteren Publikum möglich sein, Israel kennen zu lernen. Bei einer informativen Besprechung, an der auch der neue Vertreter der israelischen Luftlinie El Al teilnahm, wurde der Sinn dieser Gesellschaftsreisen erklärt, die gleichzeitig dazu dienen sollen, Kontakt mit anderen Verfolgten-Verbänden zu nehmen und die Erinnerungsu. Forschungsstätten von Jad Waschern kennen zu lernen. Der Repräsentant von Ei Al unterstrich die Bedeutung der Touristik für Israel, die eine wichtige Einnahme für den Staat und das Land dass teilt. Br sprach von der Ab- Kcht eine direkte Linie zwischen Buenos Aires und Tel-Aviv Ende des Jahres 1969 einzurichten. Hardi Swarsensky: Pogrom über — (1. Fortsetzung) Man kann also nicht sagen, dass die demokratischen, die katholischen oder sozialistischen Parteien von den Nazis überrumpelt oder überrascht worden seien, auch die Juden nicht. Nur wollte niemand glauben, dass diese mass- und hemmungslosen Drohungen jemals verwirklicht werden könnten. Tatsächlich haben die von den Nazis begangenen Grausamkeiten und Verbrechen alle Grenzen menschlicher Vernunft und Vorstellungskraft gesprengt. Bei der Realisierung ihres Programms sind sie schrittweise vorgegangen, auch in ihren aussenpolitischen Aktionen, deren Umrisse ebenfalls in „Mein Kampf“ angezeigt worden sind. Wie es möglich war, dass ein Kulturvolk ahnungslos oder bewusst in die roheste Barbarei zurückfällt, ist ein post festum viel diskutiertes Problem, für das man nachträglich manche Deutungen und Erklärungen gesucht hat. Die Tatsache als solche besteht. Kommentare, Interpretationen und Entschuldigungen ändern hieran nichts. Als Hitler an die Macht gelangte, befanden sich die Juden in Deutschland auf einem Höhepunkt ihrer Geschichte. Die Weimarer Republik hatte ihnen das volle, uneingeschränkte Bürgerrecht gewährt. Alle Vorbehalte aus früheren Epochen, die selbst im Wilhelminischen Kaiserreich in der Praxis bestanden, waren beseitigt worden. Juden konnten alle Positionen erreichen, wenn sie die sachliche Befähigung hierfür hatten, sie konnten Minister werden und Professoren an den Universitäten, sie hatten freien Weg für jede Laufbahn. Die Weimarer Verfassung dekretierte: „Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich“ und „Oeffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben“ (Artikel 109 Satz 1 bzw. Satz 3). „Alle Staatsbürger ohne Unterschied sind nach Massgabe der Gesetze und entsprechend ihrer Befähigung und ihren Leistungen zu den öffentlichen Aemtern zugelassen“ (Art. 128). — „Alle Bewohner des Reiches geniessen volle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die ungestörte Religionsausübung wird durch die Verfassung gewährleistet und steht unter staatlichem Schutz“ (Art. 135). - Um jeden Weg anderweitiger Auslegung auszuschliessen, bestimmt der Art. 136 der Weimarer Verfassung: „Die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten werden durch die Ausübung der Religionsfreiheit weder bedingt noch beschränkt. — Der Genuss bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte sowie die Zulassung zu öffentlichen Aemtern sind unabhängig vom religiösen Bekenntnis“. — Diese Bestimmungen der „Verfassung des Deutschen Reiches“ vom 11. August 1919, allgemein „Weimarer Verfassung“ genannt, weil die deutsche Nationalversammlung, die diese Verfassung erliess, in der Stadt Weimar tagte, hatten in früheren deutschen Landesgesetzen, vor allem in der Preussischen Verfassung von 1850, ihre Vorläufer. Auf diese Bestimmungen wurde hier hingewiesen, um zu zeigen, wie kurz der Schritt war, durch welchen das deutsche Judentum vom Höhepunkt seines emanzipierten Lebens in die Sklaverei gestossen wurde. Die Entscheidung fiel am 30. Januar 1933, als der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg von seinen engsten Beratern gezwungen, widerwillig den Führer der NSDAP, der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, Adolf Hitler, zum Reichskanzler ernannte und ihn mit der Bildung einer neuen Regierung betraute. Der erzkonservative Generalfeldmarschall hatte eine tiefe Aversion gegen den „Gefreiten des Weltkrieges“, der erst kurze Zeit zuvor durch die Ernennung zum Regierungsrat in Braunschweig die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hatte. (Ein früherer Versuch, ihm durch Einstellung als Wachtmeister in Thüringen insgeheim die deutsche Staatsangehörigkeit zu verschaffen, wurde unter dem Gelächter der Oeffentlichkeit, die durch Indiskretion hiervon erfahren hatte, zum Scheitern gebracht). — Die ersten Wochen der NS-Herrschaft kündigten bereits an, mit welchen Mitteln dieses Regime seine Existenz zu festigen trachtete. Rache- und Mordaktionen, Errichtung von Konzentrationslagern für politische Gegner, insbesondere für Kommunisten und Sozialdemokraten, aber auch für Katholiken und andere unliebsame Personen, Erschiessungen auf der Flucht, Haussuchungen, Beschlagnahmen, Ueberfälle, Niederschlagung von früheren Gegnern waren an der Tagesordnung Die Terroraktion zur Einschüchterung aller Andersdenkenden, aber auch der breiten Massen, begann sofort. Schon Ende Februar 1933 brannte der Reichstag, das deutsche Parlamentsgebäude. Niemand zweifelte damals daran: „Die Nazis haben den Reichstag selbst angezündet.“ Der spätere Schauprozess, der mit dem Freispruch der angeklagten kommunistischen Führer endete — unter ihnen befand sich der spätere bulgarische Ministerpräsident Dimitroff — war ein Fehlschlag für das NS-Regime und bestärkte nur den allgemeinen Eindruck, dass es die Nazis selbst waren, die das Feuer gelegt hatten, jenes Feuer, das dann in der Novembernacht 1938 die jüdischen Gotteshäuser verzehrte und in dessen Flammen später ganz Deutschland und ein grosser Teil des alten Kontinents aufging. Der Brand de« Reichstags war der Anlass für eine Fülle Deutschland Brennende Synagoge Berlin Oranienburger Strasse ,fi -V*; ...V « - p;:" *5^ gHfH iSItPSilll " y*1' ‘M FRilliPii von Zwangsmassnahmen, die unmittelbar danach von der Reichsregierung ergriffen wurden: Verhaftung aller linken Politiker, Verbot verschiedener Parteien, Ausnahmezustand und unbegrenzte Handlungsfreiheit für Hitler. Am 23. März 1933 beschloss der Dertsche Reichstag das Ermächtigungsgesetz, für das Hitler eine Zweidrittelmehrheit brauchte. Nur die Sozialdemokraten stimmten gegen das Gesetz, nachdem ihr Sprecher Otto Wels letztmalig, mutig und klar gegen Hitler auftrat: „Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser historischen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus. Kein Ermächtigungsgesetz kann Ihnen die Macht geben, Ideen zu zerstören, die ewig und unzerstörbar sind.“ Hitler brüllte Wels nieder aber konnte nicht verhindern, dass sich dessen Worte, wenn auch nach unendlichem Leid für die ganze Welt, später erfüllen sollten. Nur 84 deutsche Abgeordnete, sämtlich Sozialdemokraten, stimmten gegen das Ermächtigungsgesetz. Die Kommunistische Partei war bereits verboten. Aber alle anderen, auch das katholische Zentrum, gab seine Stimme dem neuen Kanzler. Nicht alle Zentrumsabgeordneten nahmen an der Abstimmung teil. Einige verliessen vorher den Saal. Der spätere Bundespräsident des demokratischen Deutschlands, Theodor Heuss, damals Zentrumsmitglied; gab seine Stimme für Hitler; so gross war die politische Verwirrung, die damals in Deutschland herrschte.,. Das Abstimmungsergebnis lautete: 441 Stimmen für, 64 {Stimmen gegen dieses Gesetz, das die offizielle Bezeichnung „Gesetz zum Schutz von Volk und Staat“ trug. Damit war Hitlers Macht unbegrenzt, noch musste er jedoch Rücksicht auf die inneren Kräfte und auf das Ausland nehmen. , v. (wird fortgesetzt)