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Jüdische Wochenschau · 1968-11-01 · 2292 (1.11.1968) · p. [Seite 9]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2292 (1.11.1968)
Date
1968-11-01
Page
[Seite 9] (sequence 9)
Language
German, Spanish
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El 12 ibes atacaron el b¿- i muerte al anciano indo los comercios, nujeres y niños juembarcaron en un Fletado, con destino vida israelita Hardi Swarsensky: *« Urteile in Moskau London. — Zwei der fünf Personen, die verhaftet wurden, weil sie auf dem Roten Platz in Moskau gegen die Invasion in die CSR protestierten, sind jüdischer Abstammung. Dies sind Dr. Pawel- Litwinow. der Enkelsohn des früheren sowjetischen Aussenministers, und Frau Bogoraz-Daniel, die Frau von Juli Daniel, der 1966 zu 5 Jahren .Zwangsarbeit verurteilt worden ist. Das Urteil gegen Litwinow lautete auf fünf Jahre, gegen Frau Bogoraz- Daniel auf vier Jahre Verbannung in entlegene Provinzen. Die relative Milde der Richter wim darauf zurückgeführt, dass der Fall der Angeklagten grosse Aufmerksamkeit im Westen erregte. Gegen die fünf Urteile des Gerichts legten die Verteidiger Berufung ein. (JCNS) Gipfelkonferenz? Vereinte Nationen. — U Thant machte den Aussenministern der „Vier Grossen“ den Vorschlag, 1969 eine Gipfelkonferenz abzuhalten, um die Friedensbemühungen des UN-Schlichters Dr. Jarring zu unterstützen. Ein Sprecher des UN-Generalsekretärs teilte mit, dass die Reaktion der Aussenminister Englands, Sowjetrusslands und Frankreichs, Michael Stewart, Andrei Gromykow und Michel Debré, ,.nicht negativ“ gewesen sei. USA-Staatssekretär Dean Rusk habe sich ebenfalls nicht negativ, aber „vorsichtig“ geäussert und zu bedenken gegeben, dass vor dem Zusammentritt einer Gipfelkonferenz begründetes Vertrauen in konstruktive Resultate bestehen müsse. (JCNS) Mahal-Siedlungen Tel Aviv. — Eine neue Nahal-Siedlung, Argaman, wird im Jordantal auf Böden eingeweiht, die von den Arabern während und nach dem Sechstagekrieg verlassen worden sind. Damit beträgt die Zahl der in diesem Bezirk errichteten neuen Siedlungen drei, zu denen sich noch zwei weitere gesellen werden. In den Golanbergen sind in dieser Zeit zehn Siedlungen, die zum Teil halbmilitärischen Charakter tragen, errichtet worden. Die Siedlungen im Jordantal dürften, wie man erwartet, das Eindringen von Saboteuren in israelisches Gebiet erschweren. (JCNS) Tschechische Briefmarken Prag. — Die tschechische Postverwaltung hat eine Serie von drei Briefmarken herausgegeben, die Zeichnungen dreier jüdischer Kinder zeigen, welche von den Nazis nach Theresienstadt deportiert wurden, und an das vor 30 Jahren in München geschlossene Abkommen erinnern sollen. Auf den Marken, die die Aufschrift „Mnichow 1938“ (München 1938) tragen, ist jeweils der Name des Kindes und der Name des Lagers angegeben. (JCNS) Hochzeit in Israel Haifa. — Ein tschechisches Paar, da« sich nach der Invasion der CSR durch die Russen in Israel kennengelemt hatte, wurde im haifaer Absorptionszentrum der Jewish Agency getraut. Die jungen Eheleute wollen ihr Studium an der Universität von Haifa beenden. (JCNS) (Zu den Ereignissen Einleitung Die Literatur über die Epoche des Nationalsozialismus, seinen Aufstieg, seine Herrschaft und seinen Untergang ist ausserordentlich umfangreich und kaum noch zu übersehen. Eine F“ülle wissenschaftlicher, historischer, politischer, soziologischer und literarischer Werke von recht unterschiedlichem Wert veröffentlicht worden. Erlebnisberichte, Romane, Tagebücher, Dramen und Gedichte, Memoiren und Biographien, Dokumente, Akten, Korrespondenzen und Geheimbefehle haben einen Einblick in das Geschehen vermittelt, das Gewissen der Welt wachzurütteln versucht und sich darum bemüht, dass nicht vergessen werde, was damals, vor nur wenigen Jahrzehnten in einer gleichgültigen, geistig-politischwirtschaftlich kranken Welt geschah und geschehen konnte. Bei der noch heute nicht in ihrem vollen Umfang erkannten Breitenwirkung, die der NS durch viele, bisher nicht bis ins Letzte aufgeklärte Kanäle in der ganzen Welt gehabt hat, ist es nicht zu verwundern, dass es nur wenige Gesamtdarstellungen dieser Zeit gibt, während die Zahl der Monographien und Einzeluntersuchungen bestimmter Abschnitte, Ereignisse und Probleme ebenso wie die Schilderungen der damals führenden Persönlichkeiten und ihre — meist verbrecherischen — Taten bereits Bibliotheken füllen. Einige wissenschaftliche Beiträge zu Einzelfragen stammen aus der Feder jüdischer Historiker, viele Erlebnisberichte und einige Tagebücher, die erhalten geblieben sind, darunter solche von jüdischen Jugendlichen, vermitteln einen Einblick in das grausige Geschehen. Eine Gesamtübersicht über diese Zeit wurde aber bisher weder von einem einzelnen jüdischen Autor verfasst noch in einem Sammelwerk jüdischer Historiker herausgegeben. Ueber die Gründe dieser auffallenden Erscheinung gehen die Auffassungen auseinander. Die Tatsache bleibt bestehen. Wenn ich der Aufforderung des Jüdischen Weltkongresses Folge leiste und eine Darstellung der Vorgänge geben werde, die sich in der Nacht vom neunten zum zehnten November 1938 abgespielt haben, so sind mir die Schwierigkeiten bekannt, die sich diesem Vorhaben entgegenstellen. Es ist nicht meine Absicht, eine nüchterne Schilderung des Ablaufs dieser Ereignisse zu liefern, obwohl dies vielleicht nützlich wäre, zumal eine gründliche Einzelstudie hierüber noch fehlt. Hermann Graml veröffentlichte in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für den Heimatdienst unter dem Titel „Der 9. November, Reichskristallnacht“, erschienen in Bonn 1957, wichtiges Material; andere kleinere Abhandlungen sind erschienen, inzwischen aber vergriffen. In dem grossen Werk von Allan Bullok „Hitler“ wird die Reichskristallnacht nur kurz erwähnt, während William L. Shirer in seinem Buch „Aufstieg und Fall des Dritten Reiches“ diesen Geschehnissen ein ganzes Kapitel widmet, (vgl. auch Friedrich Glum, „Der Nationalsozialismus“, erschienen 1962, u.v.a.). — Zu der Zeit, als sich diese Ereignisse vor, in und um diese Nacht abspielten, lebte ich in meiner Geburtsstadt Berlin, der Stadt, die zwischen den beiden Weltkriegen auf vielen Gebieten des geistigen, wissenschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Lebens einen seltenen Glanz ausstrahlte und eine Weltmetropole gewesen ist und auch Mittelpunkt vieler jüdischer und zionistischer Tätigkeiten war. Ich habe also die „Kristallnacht“ miterlebt und bin Augenzeuge der Geschehnisse, soweit sie sich im Bannkreis Berlins abspielten. Die Vorgänge im übrigen Deutschland habe ich aus nächster Nähe beobachten können, da ich damals einigen leitenden Gremien der deutschen Judenheit angehört und dadurch einen Einblick in die Zusammenhänge gehabt habe. Darüber hinaus hatte mich der Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo Baeck, mit der schwierigen Aufgabe betraut, die Abteilung „Konzentrationslager“ zu verwalten, also eine Tätigkeit auszuüben, die mich in regelmässigen Kontakt mit der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) brachte. Ich kannte also das Vorgehen, die Taktik und Methoden der schärfsten deutschen Behörden und Judenhasser aus nächster Nähe und eigener Erfahrung. Vor allem aber konnte ich auch aus einem anderen Grunde die Ereignisse des November 1938 genauestem verfolgenich hatte nämlich das Glück, nicht wie so viele andere in diesen Tagen verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht zu werden. Damit hatte ich die Möglichkeit, Zeitungen zu lesen, Radio zu hören, mit zahlreichen Leidensgenossen, vor allem mit den unglücklichen Frauen oder Müttern von eingesperrten und verschleppten Juden zu sprechen. Ich will nicht verschweigen, dass mir ein Freund aus besseren Zeiten regelmässig für die Allgemeinheit wertvolle Hinweise und Informationen gegeben hat. — Wenn ich also über die Vorgänge im November 1938 aussage, bin ich mir darüber im klaren, dass meine Schilderungen und Berichte nicht objektiv sein können. Ohne mich in die beliebte Diskussion einzulassen, ob Geschichtsschreibung überim November 1938) baupt jemals objektiv sein kann, nicht vielmehr immer von der Persönlichkeit und den Anschauungen des Autors subjektiv gefärbt werde, will ich vorausschicken, dass ich mich darum bemühe, insoweit objektiv zu sein, dass ich mich auf Tatsachen beschränke, die als solche feststehen, dass ich nichts hinzufügen werde und nichts unerwähnt lassen will, was vor sich ging. Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Dokumente wurde nach sachlichen Gesichtspunkten vorgenom men. Insoweit also ist meine Darstellung über die November- Geschehnisse objektiv. Dass ich jedoch nicht objektiv bleiben kann und dass ich mit meinen Meinungen nicht zurückbalten werde, wo es um eine Stellungnahme zu jüdlichem Schicksal geht, ist für mich selbstverständlich. Tn solchem Sinne will ich auch gar nicht objektiv sein, zumal all das, was an Verbrechen in jenen Scbicksalsjahren begangen wurde, eine klare Stellungnahme und ein offenes Bekenntnis gegen das Unrecht verlangt. — J Unterm Hakenkreuz Geschichtliche Ereignisse kann man nicht aus ihrem Zusammenhang lösen, wenn man sie verstehen und in ihrer Bedeutung werten will. Die Vorgänge in der Kristallnacht wurden möglich, nachdem das NS-Regime bereits mehr als fünf und ein halbes Jahr seine Terrorherrschaft über Deutschland und gegen die in Deutschland lebenden Juden ausgeübt hat. Man kann diese Entwicklung auch nicht einiach mit dem Hinweis erklären, dass die Deutschen schon immer Antisemiten gewesen seien. Gewiss waren sie das, aber nicht mehr und nicht weniger als andere Völker auch, als etwa die Polen und die Russen. Es gab aber auch Zeiten, in denen die Preussen die Sprecher zugunsten der jüdischen Emanzipation und Gleichberechtigung waren, während die Wortführer anderer Nationen gegen die jüdischen Rechte auftraten. Seihst in Frankreich gab es einen lauten Antisemitismus, der nicht nur in der Dreyfus-Affäre zum Ausbruch kam. Ohne in den Fehler von Verallgemeinerungen zu verfallen, müssen wir erkennen, dass die zu verschiedenen Zeiten und in versebiedeen Orten gestreute Saat des Antisemitismus in deutschen Ländern auf einen fruchtbaren Boden fiel. Der Nationalsozialismus konnte auf viele Vorläufer auf beinahe allen Gebieten sogar in der Rassenfrage zurückgreifen und hat von dieser Möglichkeit auch tatsächlich reichlichen Gebrauch gemacht. In seinem Machtrausch und fanatischen Judenhass hat er dann die blutigsten Folgen aus Rassenlehren und Rassenhass gezogen. Hier sollte sich der Unterschied zwischen den differenten Formen des Antisemitismus zeigen. Pogrome und Vertreibungen kennzeichnen unsere Leidengeschichte und unseren Weg durch alle Kontinente. Gaskammern haben bisher nur Deutsche gebaut. Die Atmosphäre einer Judenfeindschaft wurde nach dem Ersten von Deutschland verlorenen Weltkrieg von rechtsradikalen Oppositionellen ausgenutzt, um auf diesem Wege nicht nur einen Schuldigen zu finden, der für die nationale Katastrophe verantwortlich gemacht werden konnte, sondern um gleichzeitig die junge und hilflose, aber gutwillige deutsche Demokratie in ihren Anfängen zu zerstören. Schon damals gingen Judenhass und Kampf gegen die demokratische Ordnung Hand in Hand. Unter den vielen nationalchauvinistischen Splittergruppen fiel bald die kleine Partei eines österreichischen Demagogen auf, der im Krieg als Gefreiter in der deutschen Aimee gekämpft hatte. Er wurde zunächst von den Resten der Armee nach der Demobilisierung als Agitator angeworben, absolvierte einen politischen Lehrgang und wurde zum „Bildungsoffizier“ ernannt. In den Wirren des Nachkrieges, dem Wirtschaftschaos, der Rebellionen und inneren Kämpfe, deren Ziel der Sturz der Zentralregierung im „roten Berlin“ war, hatte Hitler eine Festungsstrafe erhalten, seine Partei war verboten worden, und alles deutete darauf hin, dass er seine politische Karriere beendet haben würde. In dieser Zeit schrieb er das Buch „Mein Kampf“, in dessen Mittelpunkt die Predigt des Hasses gegen die Juden stand, die für alle Fehlentwicklungen und Niederlagen Deutschlands verantwortlich gemacht werden. Das Buch war hei der Machtergreifung Hitler* bereits in mehr als einer Million Exemplaren verlegt worden. Es blieb aber kaum beachtet; nur wenige Juden dürften es (wahrscheinlich bis heute) gelesen haben. In zahlloser- Versammlungen, in unzähligen Reden und in einer immer mächtiger werdenden NS-Presse hatten die Nazis ihr Proei ^rom verbreitet und angekündigt, in welcher Form sie an ihrer Gegnern Rache nehmen und wie sie die Juden behänd -Ir werden. (wird fortoe 1

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