Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2286 (20.9.1968)
- Date
- 1968-09-20
- Page
- [Seite 14] (sequence 14)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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14 — Viernes 30 de Septiembre le 106« JÜDISCHE WOCHENSCHAU Aüe XXIX. — N* tm ¡He&uch in den Kotonien H. Sw.: — Avigdor war einmal ein Begriff, ein Symbol der deutschjüdisehen Einwanderer, die nach Argentinien gekommen waren, um hier ein neues Leben zu beginnen, ein Leben auf dem Lande, auf dem Kamp, auf der argentinischen Erde. Inzwischen sind mehr als dreissig Jahre vergangen, als die ersten Kolonisten dorthin kamen, dreissig Jahre, in denen sich nicht nur im grossen Mass" stab des Weltgeschehens vieles und Grundlegendes ereignet hat, sondern auch im Leben Argentiniens, seines Kamps und seiner Menschen, unter ihnen auch der Juden. Eine Reise ins Innere Arr gentinisns ist immer lohnend und interessant, besonders dann, wenn sie in Gebiete führt, die man bis dahin noch nicht kannte. Heute, so sagt man, gibt es keine Entfernungen, was sicherlich im Vergleich zu früheren Zeiten richtig ist. Dafür ist der ,,moderne“ Mensch aber stärker in Anspruch genommen, .die Verpflichtungen sind grössere, vielleicht auch die Aufgaben, sicherlich aber die allerorts auftretenden Schwierigkeiten und Komplikationen. Wir fahren also vom Stadtflughafen nach Santa Fe; wir: das i3t der Kopräsident des zentraleuropäischen Comités der Vereinigten Kampagne und der Berichterstatter, um zu Menschen über Israel, die Lage des jüdischen Volkes und die Aufgaben zu sprechen, die heute von uns allen gemeinsam erfüllt werden müssen. In 70 Minuten landen wir in Santa Fe, von dort aus geht es mit Omnibus und dann im Fährboot nach Paraná, wo uns der im argentinischen Jischuw bekannte und angesehene Ing, José Lerner erwartete. So* j fort beginnen die ..Aktivitä- . ten“ und sei es zunächst , auch nur bei einem angenehmen Essen im Hause von Walter Hirsch, der seit Jahren in der allgemeinen jüdischen Arbeit in Paraiá führend ist. Später kommen noch einige leitende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens dieser hübschen und sich ständig entwickelnden Provinzhauptstadt dazu, die für die Provinz auch in ihrem jüdischen Leben tonangebend ist. Wer in Paraná ist, muss am zentralen Thema für die Zukunft der Provinz und aller ihrer Bewohner teilnehmen: am Bau des Tunnels der die beiden Hauptstädte der sich am Flussufer gegenüberliegenden Provinzen verbinden und damit einen nicht abschätzbaren Beitrag zur Entwicklung der Provinz Entre Rfos, aber auch der Provinz Santa Fe wie des ganzen Landes leisten wird. Die Bauten für den Tunnel sind in vollem Gang, interessante Einzelheiten können besichtigt werden und geben einen Eindruck von der Grösse und der Bedeutung dieses Werkes, das in seiner Grandiosität jeden Besucher und jeden Betrachter beeindrucken wird. Besuch in Avigdor Ueber eine sehr gute Landstrasse gelangen wir nach etwa 100 Kilometern an eine Wegkreuzung mit einem Wegweiser, auf dem inan lesen kann: Colonia Avigdor 39 km. Aber das ist schon nicht mehr eine Chaussee der ersten Kategorie, es ist überhaupt keine Chaussee, sondern ein breiter Sand weg mit tiefen Fahrtfurchen, die als Spuren des letzten Regens übrig geblieben sind. Der Regen ist der Freund des Bodens, aber der Feind der Wege, könnte man sagen, denn wenn es hier regnet, ist die: ser einzige Zufahrtsweg von dieser Seite unpassierbar Auch von der anderen Seite, von Bovril aus, kann man Avigdor nicht erreichen, wenn es regnet, jedenfalls nicht mit Auto, vielleicht mit Pferd und Wagen und das auch sehr schwer! wie man uns berichtete, Die Beschaffenheit des Weges, der sich sicherlich in den letzten 20 Jahren nicht! wesentlich verbessert hat deutet schon auf die Iso-’ hertheit der Kolonie Avigdor hin. Dass im 20. Jahrhundert, so nahe an der Provinzhauptstadt, — gg sind doch nur wenig mehr als 100 km, wenn man einen besseren Weg hätte, — sich die Zufahrtstrassen in einem solchen Zustand befinden, ist keine gute Visitenkarte. Dass darunter die Bevölkerung dieser Zone in erster Dinie leidet, ist klar. Warum müssen diese Menschen, die ein hartes, bäuerliches Leben führen, durch technische Unzulänglichkeiten vom Pulsschlag und den Fortschritten des allgemeinen Lebens ausgeschlossen sein? GERSON - R1EGNER S. R. L VERSICHERUNGEN RECONQUISTA 341 46-1506 49-6534 E 132 Teppichhaus - M. Hochberg Unerreicht« Auswahl an handgeknüphen Tep. pichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. 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Der Eindruck vöh den Menschen, die man trifft, ist ein erfreulicher. Sie alle haben schwer ¿u kämpfen, wobei ihre Lage aus vielerlei Gründen sehr unterschiedlich ist. Menschen and Schicksale Im Mittelpunkt des Lebens steht die Kooperative, deren „gereute“ Alfred« Salomon zugleich der Präsident des Kampagne-Comites Avigdor ist. Präsident der Kooperative, die im Mittelpunkt des gesamten Lebens in Avigdor steht, sei es wirtschaftlicher oder sozialer, religiöser oder kultureller Art, ist Joachim Pollak, ein alter Chawer des Mäkabi Hazair („Hardi, vor mehr als 30 Jahren warst Du doch mein Jugendführer“ . .), ein Mann mit grossen menschlichen Qualitäten, der mit grossem Eifer sich für die Notwendigkeiten dieser Kolonie einsetzt. Die etwa 35 Familien, die noch geblieben sind von denen, die einst aus Deutschland kamen, führen gemeinsam mit den anderen Kolonisten einen schweren Kampf um ihre Existenz, um ihre menschlichen Interessen und um eine Zukunft für ihre K;nder, die dort frei auf der freien Erde Argentiniens aufwachsen. Die Ernte der letzten Jahre war schlecht, für dieses Jahr wird eine gute Ernte erwartet. Der Bauer ist nicht nur abhängig vom Böden, sondern auch vom Himmel, vom Regen, vom Weiter, von den Gegebenheiten und Möglichkeiten, die ihm von der Natur gewährt werden. Menschlich, seelisch, kulturell und auch politisch sind die Kolonisten, und nicht nur in Avigdor, isoliert oder sie fühlen sich isoliert, allein gelassen, vergessen, vernachlässigt. Zu ihnen kommt keiner der: die argentinische Judenheit ■ besucht, aber nicht nur in iden Kolonien, in der Provinz, all¬ CARLT0N- KLEIDUNG ■ CARLTON-Kleidung ist aussen und innen höchste Qualität. Beim Sjnoking, beim Strassenan zug, beim Sportsakko ■ Ihr guter Freund in kalten Tagen, der CARLTON-Mantel,: MASSKLEIDUNG € FERTIGKLEIDUNG # Carlton Mcdpü 982 — 31-7845 gemein begegnet man dieser Klage. Man vergisst uns. Aber auch aus Buenos Aires kommen sie nicht, die führenden Persönlichkeiten des jüdischen öffentlichen Lebens .. Man kann ihnen schwer oder garnicht Filme zeigen, da es keinen oder unzureichenden elektrischen Strom gibt, da es nicht einfach ist, alles dorthin zu bringen und zu installieren, und da es beschwerlich ist und viel Zeit in Anspruch nimmt, dorthin zu reisen, dort zu wohnen, dort wieder abzufahren. Als wir dort waren, begann es leicht zu regnen, allein schon ein Grund, dass uns die Kolonisten selbst den Rat gaben, schnell zurückzufahren und nicht die Nacht dort zu verbringen, wie es eigentlich vorgesehen war. Die Lage in Alcaraz Alcaraz ist eine alte Ko Ionie, die im Gegensatz zu Avigdor von Juden aus Polen oder Russland geschaffen wurde. Aber die Kolonisten, die geblieben sind, leben auch jetzt noch unter schweren Bedingungen, allerdings nicht alle. Einige sind durch Fleiss, durch ihr Können und finanzielle Möglichkeiten zu grossem Wohlstand gekommen; auch in Avigdor trifft man solche Familien, die nun schon in vierter Generation auf dem Kamp sind, wie Mutter Rosemblatt, die mit ihren 77 Jahren nochdes Nachts zum Vortrag kam, morgens als erste aufsteht und unermüdlich tätig ist, trotzdem sie es bestimmt „nicht nötig“ hat... Alcaraz ist keine Kolonie, sondern ein „pueblo“, ein grosses Dorf mit Kirche und und Synagoge, mit Geschäften und Handwerkern und mit den Kolonisten, die ausserhalb der Ortschaft weit verstreut ums Dorf herum ihre Anwesen haben. Vorsitzender des Comités der Campaña Unida ist Moisés Berman, der uns zum Abendessen eingeladen hatte. Sein grosser und gepflegter Besitz, den er gemeinsam mit seiner tüchtigen Frau und den Söhnen bearbeitet, liegt 10 km vom Ort entfernt. Auch Alcaraz ist isoliert und auch in Alcaraz fühlen sich die Menscen allein gelassen, die Bauern und die Kolonisten, aber auch diejenigen, die im Ort leben. Der eine hat einen „almacén *, der andere eine Tankstelle, der dritte ist Handwerker usw. Natürlich liest man die Zeitungen und hört Radio, und einige haben auch Television, wie sie im Gemeinschaftshaus in Avigdor vorhanden ist. Also das Leben eines Robinson Crusoe führen unsere Kolonisten auch nicht, die natürlich mit ihren Beschwerden über (Schluss auf Seite 15) Der Präsident der Elfenbeinküste, Houphouet-Boigny, ehrt Israel Aussen minister Abba Eban bei seinem kürzlichen Besuch ln Abidjan. Finanzpolitik Jerusalem. — Israel wird seine vorsichtige Wirtschaftspolitik im Jahre 1969 ändern und trotz des möglicherweise hiermit verbundenen steigenden Defizits Im Aussenhandel eine ökonomische Expansion grossen Ausmaßes in Angriff nehmen, ■wie aus Quellen des Finanministeriums verlautete. Ein Grund dieser Aenderung, deren Risiken man sich bewusst sei, so heisst es, bildet die Notwendigkeit einer sich schnell ausweitenden Wirtschaft, um eine grosse Zahl von Einwanderern aus dem Westen nach Israel zu ziehen. Ein weiterer Grund ist das riesige Defizit der Meldung aus Warschau New York. — Das warschauer Jüdische Staatstheater, an dessen Spitze Ida Kaminska steht, wird während der Spielzeit 1968/69 nicht als unabhängige jüdische Kulturinstitution bestehen, wie aus Warschau gemeldet wurde. Der Beschluss über die Zukunft des Theaters sei von der Kulturkommission des Zentralcomites der polnischen KP gefasst worden, so heisst es, (ITA) Ausgaben für die Verteidigung, das die im Budget geschätzten Kosten bei weitem übersteigt. (ITA) HERZEELD y LEVY - ASIOMÄ ASOCIADOS S.A. SEGUROS GENERALES LAVALLE 462 p 2 CAPITAL FEDERAL T.E. 32-9431/3 — 32-1018 — 31-3370 — 32-0976 31-0635 31-4577 31-6024 B 110 Ihr ISRAEL- Spezialist Juan J. Holler BRIEFMARKEN Ar. L. N. 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