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Jüdische Wochenschau · 1968-09-20 · 2286 (20.9.1968) · p. [Seite 13]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2286 (20.9.1968)
Date
1968-09-20
Page
[Seite 13] (sequence 13)
Language
German, Spanish
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«ni KUNST #'vIV PRAG ^er derfi« n sieh «abend - Ly ö»m iemeinsamä^^a "•»»Sii?*" lenden . i*rilun<lert ’“‘»A « A*: ul, ein D r **• ll«rl*her ,uristen vÄs geschnitzten »¡¡H IDWie SAT« irden im 17- Jahrhundert * Amsterdam für die Altiischul eingeführt. )ie eine Quelle der Hoffhg auf den Weiterbestand t Judentums in der Replik ist die jüdische Juiad in Prag, die seit dem iehstagekrieg grösseres Iniiesse für die jüdische Reion zeigt, um sich auf ¡se Weise mit dem jüdiken Volk zu dentifizieren. If ihren Wunsch hat die Cmeinde eine Bibelstu- »n-Gruppe ins Leben gerula, in der die Tora in tschesscher Uebersetzung gele- Gebet {¡¡r Israel «r- G’tt unsrer Rtç| und AllgewaJtW »net Dein Käme. - e^n zu Dir in dieser feierlichen Stunde edenkens an die Männer und Frauen, “ jungen, leöenssfsrkec Menschen, täglicher zäher Wertarbeit uste und Sand, aus Stopfen und Felsgestein di Felder, fruchtbare Aecker, , ^nd Täler, geschaffen: lüge Land, das von Dir verheissene Land: Israel .;n zu Dir in dieser weihevollen Stunde enkehs an die Unbekannten und Ungenannten lohne, zehnf um Jahrzehnt bauten und wirkten, rkllchkeit werde m eines Grossen, •i eines Heimgekehrtea, ‘Sucht, von Generatonen: lAedffiat Israel» i zu Dir in dieser bewegenden Stunde hen Gedenkens an alle, . lampt um die Freiheit, p{ um die Unabhängigkeit Israels gefallen, , s unser Voik lebe! 1 r Welt, Du hast an uns das grosse ' Wunder getan, in Volk Mth den Jskren , folgung, der Deportation, des ,-Hassens, - i und Yerzweiflung. der FhsjCht'iUnd.i^er Leiden i fs Neue aus de« Stobe erhob, - ' lehen von Kr, G’tt W»erer Väter, >gen deiner Liebe, des Segen des Friedens, is die Kraft, gib m den Mut;in Volk zu bestehen. sen wird. Sie versammeln sich einmal in der Woche, von halb acht bis halb elf Ubr am Abend, meistens bleiben sie aber viel länger beisammen. An diesen Zusammenkünften nehmen 25—50 Jugendliche teil. Aber die Hoffnung auf den Weiterbestand des Judentums in der CSR geht auch darauf zurück, dass die Regierung nunmehr den Religionsunterricht in den Schulen auf breiter Basis zuzulassen bereit ist. Ein Journalist nannte dies: „Gott darf wieder in die Schule“. Bisher war ja der RelP gionsunterricht auch nicht verboten, aber die Familien, die ihre Kinder in der jüdischen Religion unterweisen lassen wollten,' wurden fast immer diskriminiert, was bei den Juden doppelt ins Gewicht fiel. Die neue Leitung des staatlichen Kirchenamtes befasst sich nun mit der praktischen Durchführung des Religionsunterrichtes. ♦ Die Prager Jüdische Gemeinde ist eine der ältesten Europas- Sie war lange Zeit hindurch eine Metropole der Judenheit — in Bezug auf die Bevölkerungszahl und auf die Bedeutung ihrer grossen geistigen Führer. Steinerne Denkmäler erzählen von Prags grosser Zeit in der Meyselgasse und in anderen Teilen des alten Ghetto. Man fragt sich nun, wieso kam es zu der Entjudung der Prager Juden? Es w»re ungerecht und den Tatsachen widersprechend, wollte man diese Entfremdung vom Judentum in vollem Umfang dem Kommuismus zur Last legen. Es war bereits vor Jahrzehnten betrannt, dass die Prager Judenheit in ihrer grossen Mehrheit von der jüdischen Tradition abgefallen bei. Ich kann «mich;*ehr wohl, erinnern, vor-»etwa vierzig Jahren im, „Haolam“, dem hebräischen Organ der Zionistischen Exekutive, einen Brief aus Prag gelesen zu haben. Darin schrieb eine Studentin aus Palästina, die ihren Studien in Prag oblag, über die Entfremdung der Prager Juden von der jüdischen Tradition. Der Historiker Guido Kisch, ein gebürtiger Prager, schrie unlängst in einem Notizen Neuerscheinung Im slowakischen Verlag für politische Literatur in Bratislava erschien unter dem Titel „Musketiere des gelben Sterns“ ein Buch des slowakish-jüdischen Schriftstellers Emil F. Knieza. Er behandelt darin, wie bereits in seinem Erstlingsroman, die Schicksale einiger jüdischer Männer, die während der Rassenverfolgung in der Slowakei in einem Arbeitsbataiilon gemeinsam mit anderen Verfolgten schweren, lebensgefährlichen Dienst tun mussten. Dr. Eugen Mayer s. A. In Israel starb Dr. Eugen Mayer im Alter von 85 Jahren, der nach juristischer Ausbildung während seines ganzen Lebens jüdischen Angelegenheiten gedient hat. Zunächst war er für die ICA in Paris tätig und nach dem Ersten Weltkrieg als Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde Frankfurt beamtet. Im Jahr 1933 iiibersiedelte er nach Jeru. salem, wo er in öffentlichen Aemter und als Mitarbeiter der .Jerusalem Post“ wirkte. In den letzten Jahren sammelte und veröffentlichte er Material über die Geschichte der Juden Frankfurts. Ehrengabe Der Schriftsteller Manes Sperber hat von der Weltföderation der Bergen-Belsen_Vereinigung eine Ehrengabe für hervorragende literarische Verdienste erhalten. Die Gabe in Form eines Stipendiums in Höhe von 2.500 Dollar wurde ihm in New York feierlich überreicht. Gleichzeitig hat die „Bergen - Belsen Memorial Press“ das Erscheinen von fünf Büchern bekanntgegeben, zu denen ebenfalls ein Werk von Manes Sperber, „Wie eine Träne im Ozean“ in englischer Uebersetzujng, gehört. Aufsatz; „Das jüdische Prag ' vor zwei Generationen“: Das Prager und das böhmische Judentum lebt nur hoch im ’ Prager jüdischen Museum fort, da* allein von seiner Grösse in vergangenen Jahrhunderten ergreifendes Zeugnis ablegt.“ Das hier Über Prag Gesagte gilt im grossen Ganzen für die ganze Tschechoslowakei. Und da bildet auch die so berühmte Gemeinde Pressburg (Bratislava), die einst durch die berühmte Jeschiwa des Chatam Sofer gewissermassen als Symbol des Torastudiums galt, leider keine Ausnahme. rtreter der jßP Wissenschaft a^r ifäten der Weit , diesem Mai AM“ „«toi«»;*; nnstrasse, , nach siebe" * ‘mt illerifS lerraum, , ÄK?*Si rw?si ‘«¿Sr*. dem iange jung dar..t. funfuodig * eses HaA.B«. che, ei«e W«;heit! i an )ene,nI 8 JahreL ^.v u wordA ebraebt ist dt \ „Nacb^U d« im J»brV & torden. Diese erste Auffl rhg schon hat den Nam lax Reinhardts in a heaterzentren der Welt j »gen. Die folgenden Wec lad«, Oscar Wildeu: jrindberg - Inszenierung fee tätigen den Ruf des ne d Mannes. 1903 begin «nn die Serie der Klas ¡«•-Erneuerungen mit L< sgs „Minna von Bar lim“ in dem inzwisch jtzogenen grösseren Ha iß „Neuen Theaters“. D »zenierung des Shakespe sehen „Sommernacht num“ bringt das ers ¡tinhardtsche Theater-Wu p: 200 Ensuite-Aufführu: fi eines Klassikers, ur «5 beginnt Reinhardts I «tions-Aera im „Den men Theater“. Das Hai : die Klassiker, für die Ii enierungen moderner in ^zionistischer und syn iistischer Werke ist da. 1906 entsteht neben ihj <r intime Saal der „Kar af»piele“, und die Darste flg antiken Dramengute k Erneuerungen alter M’ Wien spiele führen dan hinüber in die Riesenräume des Zirkus, der im Jahre 1919 schliesslich, von Poelzig umgebaut, zum „Theater der Dreitausend“, zum „Gr©, ssen Schauspielhaus“ wird. Ein Schauspieler, der zum Meisterregisseur, ein Theaterbesessener, der zum vielseitigsten aller Bühnenleiter geworden ist, hat die Träume seiner Jugend, den Farbenhunger seines Auges, den Bewegungsrausch, den Klangzauber seiner kühnsten Visionen realisiert, mit Menschen, mit Schauspielern, mit Riesenbauten, mit Dekorateuren, Lichtbildnern, Musikschöpfern verwirklicht. Eine neue Theaterwelt, die Bühne Max Reinhardts ist entstanden! In eigenen dramatischen Einrichtungen hat dieser Mann die wesentlichsten Werke der Weltliteratur in seinen Berliner Theatern dargestellt. Einen Spielplan hat er geschaffen, wie er in der Geschichte auch des deutschen Kultur - Theaters einzig da steht. Von 1904 bis 1930 landep an den Berliner Reinhardt - Bühnen 23 374 Vorstellungen von 452 verschiedenen Stücken statt. Davon entfielen allein auf Shakespeare 2.527 Abende. Der „Sommernachtstraum“ erlebte weit über tausend Aufführungen und das gesamte Werk Shakespeares eine deutsche Wiedergeburt, die man getrost der Auswirkung des Uebersetzungswerkes Schlegel-Tiecks ebenbürtig zur Seite setzen darf. Reinhardt machte Shakespeare in Deutschland noch einmal zu einem „neuen“ Autor; aber er vernachjässigte die deutsche k'assische und die moderne Weltliteratur darüber nicht. Auf Goethes Werke entfielen 746 Aufführungen, Schiller erreichte deren 645. Tolstoi wurde 473 Mal und Moliere 333 Mal gespielt. Die zeitgenössischen Autoren Shaw, Wedekind und Hauptmann standen neben den Klassikern mit 1.207, 1.171 und 974 Aufführungen. Mehr als zwei Drittel seines Riesenspielplanes hat Reinhardt der wertvollen Litera- Vom Technikum Weltausstellung in Osaka Der „Commissioner General“ Jakob Janai, der Israels Pav'llon auf der Expo in Montreal geleitet hatte, hat eine neue Beschäftigung bekommen. Er begibt sich nach Osaka in Japan, um dort die praktischen Möglichkeiten für eine Beteiligung Israeli an der kommenden Weltausstellung im Jahre 1970 zu prüfen. Minist"rpräsident Eshkol hat kürzlich dem Ministerpräsidenten von Japan mitgeteilt, dass Israel auf der Weltausstellung von Osaka vertreten sein wird. Es gibt seit Jahren einen Ausschuss von Ministerialdirektoren, der für die Angelegenheiten der israelischen Vertretung auf Weltausstellungen zuständig ist. Diese Kommission hat schon einige Male getagt, ist jedoch über prinzipielle Erwägungen noch nicht hinausgekommen. Es liegt auch noch kein Beschluss über ein Budget für Osaka vor, aber jedenfalls wird Israel über die 1,5 Millionen Dollar, die es für Montreal ausgegeben hatte, nicht hinausgehen. Die Japaner haben seit dem Herbst 1966 für die kommende Weltausstellung eifrig die Werbetrommel gerührt, und haben 127 Staaten und 24 internationale Organisationen zur Beteiligung in Osaka aufgefordert. Ihre Bemühungen beginnen langsam Früchte zu tragen, denn bisher haben 25 Staaten (unter ihnen Israel) sich für Osaka angemeldet. Länder wie Kanada, die USSR, Frankreich, Belgien, Korea, Kuweit, Neuseeland, Westdeutschland und Hongkong hdt-en. schon die Flächen für ihre Pavillons gewählt. Weitere Lander werden ihre Delegierten nach Osaka entsenden, um an Ort und Ste le mit der Direktion der Ausstellung zu verhandeln und Vorschläge für die Gestaltung ihrer Pavillons zu machen. Das Thema der „Expo 70“ heisst: „Fortschritt und Harmonie für die Menschheit“ ■ und die Japaner wollen inihren Bemühungen, Millionen nach Osaka zu bringen, um die Leistungen anderer Länder kennen -m lernen, nicht hinter Montreal zurückstehen. Manche Länder haben bereits interessante Ideen für ihre Pavillons entwickelt. Kanada will einen Pavillon mit 9.600 qm Umfang bauen. der ganz als ..Spiegelpalast“ ausgestattet wird. Die Aussenvvande des Pavillons werden schon riesige Spiegel sein. Innen wird man mit Hilfe der Spiegel die schönsten kanadischen Landschaften bewundern können. Die neuesten technischen Erfindungen sollen im Spiegejpalast verwendet werden. Japan will die Expo 70 zum Aufmarsch seiner seit dem Zweiten Weltkrieg gewaltig entwickelten Industrie benutzen. Die Autofabriken und besonders die elektronische Industrie wer. den in ailer. möglichen Formen auf der Expo 70 vertreten sein und werden die technischen Wunder vorführen. die sie in den letzten zwei Jahrzehnten erzeugt haben. Die Phantasie geht dabei sogar so w'eit, dass in einem Pavillon die Besucher auf amphibischen Raketen .einen Flug um die Welt“ mitmachen können. Wie auf der Ausstellung ln Mont cal wird es auch ui Osaka ein „Wunderland“, einen gewaltigen Vergnügungspark geben, der zur Unterhaltung der Besucher beitragen soll. AUe möglicnen Verkehrsmittel werden eingesetzt, um die Besucher 'der Ausstellung zu befördern, dabei wird es eine Bahn «neben. die sowohl auf als unter der Erde und unter Wasser fahren wird, wobei die Fahrgäste durch die Glaswände die Fahrt unter dem Wasser mit bewundern können. Ueberall arbeiten auf dem Ausstellungsgelände Bulldozer. um die nötigen Erdarbeiten durchz.uführen, und die AuSstellungs - Leitung hofft, da<s noch Ende dieses Jahres mit dem Aufbau von Pavillons begonnén werden kann. Das Technikum in Haifa wird von 5.200 Studenten besucht, die sowohl im alten Uni vers itäts - Gebäude auf dem Hadar Hacarmel als auch in den Hörsälen der neuen Universitätstadt die Vorlesungen besuchen. In der hier angegebenen Zahl sind diejenigen nicht einbegriffen. die sich in der Technischen Hochschule und der Technischen Schule für Jugendliche eingeschrieben haben. FORSCHUNGSARBEIT Ueber 600 Professoren des Technikums von Haifa müssen einen vierten bis dritten Teil ihrer Zeit Forschungsprojekten widmen. Diese Projekte werden von der Regierung Israels, israelischen öffentlichen Institutionen und der lokalen Industrie, sowie von ausländischen Regierungen und Körperschaften in Auftrag gegeben. Der im letzten Jahr in Forschungen investierte Gesamtbetrag belief sich auf 12.3 Millionen IL, von denen 5.8 aus dem Budget des Technikums stammten. FREIWILLIGE Im Sechstagekrieg kamen zahlreiche Freiwillige aus al'en Ländern der Welt nach Israel. Nach Einstellung der Feindseligkeiten äusserten viele von ihnen, die Studenten waren, die Absicht, ihre Studien an den verschiedenen israelischen Hochschulen fortzusetzen. Dies bot dem Technikum in Haifa Gelegenheit. eine neue audio visuelle Lehrmethode des Hebräischen nach dem Vorbild des „Ulpan“ einzuführen. Die Methode wurde von zwei Professoren, P. Enoch und Judith Cais, entwickelt und besteht in einem zweimonatigen Kursus für Anfänger. Nach Aussage des Sekretärs für öffentliche Beziehungen wurde der Kursus von der Jewish Agency finanziert und von 200 Freiwilligen aus allen Ländern besucht. ' unter denen sich auch 30 Lateinamerikaner befanden. tur aller Völker eingeräumt und dieses-Repertoire gegen das, Unterhaltungs-Theater der Reichshairptsfeadt durchgesetzt. Das- Kaiserreich, Preussen, die Stadt Berlin haben nichts zur Einhaltung und Förderung der. privaten Reinhardt-Bühnen beigetragqn, auch zur Zeit der Weimarer Republik mussten die Reinhardt-Theater die gleichen Vergnügungssteuersätze zahlen wie Operetten und Revue-Unternehmen. Ohne Uebertreibung darf gesagt werden, dass das offizielle Deutschland an Reinhardt Zeit seines Lebens vorbeigegangen ist. Schwierig, das Wesen dieses Mannes, der in relativ kurzer Zeit zu einer Wettgrösse des deutschen Theaters und der europäischen Bühnenkunst aufgestiegen ist, der in allen Theaterstüdten der ganzen Welt inszeniert, Schauspielerensembles führt, für das gesamte moderne Bühnanleben die wertvollsten Anregungen gibt, in knappen Worten zu charakterisieren. Vergegenwärtigt man sich die letzte vor" Reinhardtsche Theaterepoche, hat man das asketische, fanatisch naturalistische Reformwerk eines Otto Brahnfl aus dessen Schule ja der Zauberer Reinhardt hervorging) vor Au gen, so kann man jene Kritiker und Widersacher verstehen, die in Reinhardts Vielseitigkeit, in seiner Verspieltheit und Vielfarbigkeit zeitweilig einen Mangel, ja einen Rückschritt sehen wollten. Denn er ht zwar die straffe Ensemble-Zucht, die Forderung höchster schauspielerischer Wahrhaftigkeit, die „Zwischehtöne“, die naturalistische - Hell - Dunkel- .Ma'erei seines grossen Lehrmeisters in seine Kunst der Kammer - Inszenierungen übernommen; aber ist er andererseits nicht auch das geworden, was seine Feinde geringschätzig den ..Theatermann des Wilhelminismus“ nannten, der kultivierteste Exponent jener Prunksucht, jenes „Schöpfens aus dem Vollen“ längst versunkener Vorweltkriegszeiten? Hat der impressionistische Farbenrausch, in den er die Bühne tauchte, für den er Maler wie Adolf v, Menzel, Emil Or.ik, Max Slevogt, Walser, Corinth, Ro'ler, Strand, Stern und Cesar Klein als Mitarbeiter mobilisierte, nicht das Theater . weit von all seinen literarischen Aufgaben entfernt? Aber erschöpft sich in all diesen oft problematischen Einzelzügen denn das Phänomen Reinhardt? Ist es nicht viel charakteristischer für den Mann und sein Schaffen, dass hier ein Bühnenleiter, ein Spielleiter am Werke ist, in dem sich ein instinktives, untrügliches Gefühl für die Szene und ihre Möglichkeiten auf restlos allen Gebieten mit ei' nem genialen Blick für aUe schauspielerischen und musikalischen Werte eint? ist der Name Reinhardt für alle heute am Theater überhaupt Interessierten nicht zum Symbol der Zusammen, fassung aller nur denkbaren theatralischen Möglichkeiten, zum Inbegriff jenes ganzen wundervollen „Gesamtkunstwerkes“ aller schauspielerischen, bühnentechnischen, dekorativen, klanglichen, bewegungsmässigen und farb.ichen Effekte geworden? ja, in diesen einen Menschen scheint die Theater. Sehnsucht vieler Jahrhunderte gefahren zu sein. Soll man ihn einen Barock-Menschen oder eine Renaissance-Natur nennen, diesen Mann, unter dessen' Blick jinier Raum, jeder Bau, ja ganze Städte zum Theater, zur Szene, zum Festspie'anlass werden? — Hat er in erstaunlich kurzer Zeit ien Weg von der Experimentierzur Klassiker - Bühne des .Deutschen Theaters“ durchmessen und dem Kammerspiel ein eigenes Haus geschaffen, hat er neben dem Schauspiel auch dem Ballett und der Oper, ja der Operette und der Revue wesentlichste Inszenierungs-Anregungen gegeben und mit den neuesten technischen Mitteln die alten illusionsstörenden ,.Hängedekorationen“ wie die plastischen, massiven Bühnenbauten des Naturalismus durch andeutende Phantasie-Dekors aus stets wechselnden, dem künstlerischen Vorwurf entsprechendem Material ersetzt, hat er die Schauspieler. Mimiker, Tänzer mit einem Farbenmeer moderner Licht und Drehbühnentechnik umgeben, hat er dem Naturalismus Brahms eine neue, phantastische, spielerische, musik- und farbengesättigte moderne Klassiker-Bühne zur Seite gestellt und seine Darsteller zur ausgelassensten Laune des alten Stegreifspiels (Goldcni - Inszenierungen) gesteigert und entfesselt, hat er ISchluss auf Seite 18)

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