Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2282 (23.8.1968)
- Date
- 1968-08-23
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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r& 2 — Viernes, *3 de Agost« de 1968 JÜDISCHE WOCHENSCHAU AA* XXIX. — N° 22SÎ Papierne Schattenspiele (Schliss von Seite 1) he täglich und immer lauter ausgestossen worden sind. Das sind Fakten, die alle wussten die alle kannten. die sie hörten oder sahen. auch Dr Kiesinger und Propst Gräber. Aber wir wellen weder mit dem Propst streiten noch die Zeugenaussage analysieren, was nach unserer Meinung nicht erforderlich ist. Wir wollen um das Recht der freien Meinungsäusserung kämpfen, insbesondere für diejenigen, die dabei waren wie etwa der Rabbiner Joachim Prinz. Trotzdem muss man die Ausführungen des Propstes für höchst bedenklich halten; „In einer unmenschlichen Diktatur hat man nichts zu sehen, was man nicht unbedingt sehen muss, hat man nichts zu hören, was man nicht unbedingt hören muss, da man bei den satanischen Vernehmungsmethoden durch Wissen und Mitwissen den anderen gefährden kann." Würde ein solches Verhalten gerechtfartigt sein, schliesst man jede Regung eines W'iderstandes aus. Man schweigt, man schliesst Ohren und Augen. vermeidet seelische Belastungen und weiss nichts... Während die Ausführungen des Propstes zum Nachdenken und zu ernster Betrachtung herausfordern, hat sich ein zweiter Kritiker des Rabbiners Prinz aufs Glatteis begeben, der Journalist Rolf Vogel, der offensichtlich auszog, um seinen Herrn und Meister, den deutschen Bundeskanzler vor dem bösen Rabbi zu ver- Dr. FREY ABOSADO PUEYRREDON 2190 1® izq. nach. 16—19 Uhr Tel. 80 6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PR OPIEDADES WEINSTEIN Ciudad de la Paz 1960 (EX-PROPIEDADES FRANKENBERG SRL.) erwartet Sie in seinem neuen Büro zu einer unverbindlichen Aussprache, um Ihre Grundstück- und Wohnungsprobleme schnell und fachmännisch zu lösen. Montag bis Freitag »—12 15—19 teidigen. Die Argumente Vogels, die über zehn Seiten in seinen „deutschland-berichten“ abgedruckt worden sind, machen mitunter nur noch einen peinlichen Eindruck, besonders dort, wo Vogel sich berufen fühlt, den Rabbiner auf das hinzuweisen, was er selbst zu Beginn der Nazizeit geschrieben hat. Und dann zitiert Vogel Stellen aus einem Buch von Prinz und meint, Prinz habe den — wenn auch für Vogel verständlichen — Versuch gemacht, mit den Nazis in ein Gespräch zu kommen. Selbst aus den willkürlich zitierten, einem grösseren Zusammenhang entnommenen Abdrucken aus dem Buch „Wir Juden“ (erschienen 1934) ist nichts zu entnehmen, was nach Anbiederei iussieht. Im Gegenteil zieht Prinz einen deutlichen Trennungsstrich. Er unterstreicht, dass die Epoche des Liberalismus beendet sei, „die einzige politische Lebensform, die die Assimilation des Judentums zu fördern bereit war.“ Und Prinz schrieb weiter: „Die Theorie der Assimilation ist zusammengebrochen.“ Prinz bekennt sich zur zionistischen Idee, der er bereits seit seiner Jugend gedient hat. Aber selbst wenn Prinz sich geirrt haben sollte, wenn er mit diesem Buch oder an einigen Stellen dieses Werkes irrige Ansichten vertreten hat, kann das als eine Rechtfertigung für das Verhalten eines anderen Menschen hingenommen werden? Prinzens Irrtum war die Illusion, mit den Nazis „ins Gespräch zu kommen,,, meint Vogel. Aber Kiesinger hat nach Vogel schneller gelernt, was die Nazis sind, und trat zum gleichen Zeitpunkt, als „Wir Juden“ erschien, nicht in den NS- Juristenbund ein. Die Vogelschen Polemiken erfordern keine Antwort. Jedenfalls konnte der Namen Kiesingers in keinem Anwaltsverzeichnis erscheinen, da er nicht als Anwalt niederge- CARL0S W. HECHT Contabilidades Impuestos Asuntos Laborales ESTUDIO BERNARDO ZYLBERSZTEJN Contador Público Nacional Asesoramiento integral de empresas. Auditorias CORRIENTES 3019 6° piso of. 61 T. E. 89-1641, int. 61 - Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUS T. E. 76.5842 lassen war und nicht weil er Antinazi gewesen ist, um nur eine Einzelheit herauszugreifen. In seinen weiteren Ausführungen bemüht sich Vogel den Beweis zu führen, dass Kiesinger sogar ein Widerstandskämpfer gewesen ist, was von diesem noch niemals behauptet wurde. Er bringt lange Zitate aus dem Tagebuch des Dr. Goebbels, woraus man entnehmen solle, dass in der Funkstelle des AA Nazigegner am Werke waren. Darauf aber kommt es garnicht an, denn noch nicht einmal Prinz behauptete, dass Kiesinger ein wilder Nazi gewesen sei. Diese Frage steht nicht zur Diskussion. Deswegen soll man nicht mit primitiven Mitteln versuchen, das Problem zu verlagern oder hinfortzuzaubern... Unterstellen wir, Vogel polemisiert und argumentiert guten Glaubens, was allerdings nichts daran ändert, dass seine Ausführungen keiner Prüfung standhalten. Um den angeblich angegriffenen Kiesinger zu schützen, beruft sich Vogel auf Dr. Kempner als Kronzeugen, den früheren stellvertretenden USA-Ankläger bei den NümbergerProzessen. Selbst wenn man die Ausführungen des Dr. Kempner zehnmal durchliest, wird man nichts finden, was etwa zur Entlastung Kiesingers angeführt wird. Dr. Kempner schrieb: „Massgebend kann für die Entscheidung des Schwurgerichts allein sein, was von Hahn in seinem Referat getan und gewusst hat, und nicht was andere, wie zum Beispiel der Zeuge Kiesinger, wussten oder nicht wussten, die nichts mit dem Referat zu tun hatten.“ Kempner wendet sich also ausschliesslich gegen den Versuch der Verteidigung, aus Kiesingers Zeugenaussage, die er nicht wertet, den Schluss zu ziehen, auch von Hahn habe von den Judenverfolgungen und Massenhinrichtungen nichts gewusst. Schliesslich wehrt sich Vogel dagegen, dass man „einen unbescholtenen, trotz formeller Mitgliedschaft bei der NSDAP nicht als Nazi zu bezeichnenden Mann als Zeuge vor Gericht,... “ holt. Der Begriff der „formellen Mitgliedschaft“ dürfte stark diskutierbar sein und alle Mitläufer oder Opportunisten entschuldigen, obwohl man sie heute garnicht mehr angreift. Weiterhin wird ein Dokument zitiert, in dem die Frage besprochen wird, „woher es wohl käme, dass so JACOB LAPIDUS dipl. Mohel Viamonte 2037 4® B T. E. 46-1716 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 Í wenige deutsche Publizisten I sich leidenschaftlich der antijüdischen Frage widmeten“. Man weiss nicht, ob man hierüber lachen oder weinen soll. Man braucht nur die nazistische und später die gesamte deutsche Presse durchzusehen und wird leicht selbst feststellen können, ob es wirklich „so wenige deutsche Publizisten waren, die sich leidenschaftlich mit der jüdischen Frage beschäftigt haben. Selbst früheren bundesdeutschen Ministern hat man den Vorwurf gemacht, Artikel für die Nazipresse im In. und Ausland geschrieben zu haben .. Dann „bittet“ und „appelliert“ Vogel an Prinz, den Bundeskanzler nicht mehr anzugreifen. Die Feinde des jüdischen Volkes und die Feinde der „jüdischen Menschen“ seien heute ganz woanders zu suchen. Dann folgt die ange Kette der gewichtigen Argumente, mit der man entschuldigen oder vergessen machen will, was das deutsche Volk den Juden angetan hat. Weil Reparationen und Entschädigungen gezahlt werden, weil die bonner Regierung dem Staat Israel hilft, sollen wir schweigen, was im übrigen von jüdischer Seite mitunter bis zur Gewissenlosigkeit geschieht Schliesslich möchte Vogel den Rabbiner gegen „viele Männer seiner amerikanischen Organisation, die eine andere Sprache, eine Sprache des Verstehens sprechen“, ausspielen, was nur noch einen komischen Eindruck machen kann. Während man gegen Prinz polemisiert, w'ird völlig übersehen, dass die Regierungssprecher der Deutschen Demokratischen Republik dem Bundeskanzler bewusste Falschaussage unter Eid vorgeworfen haben. Hierzu sagt man nichts. Dass nicht nur andere Regierungen, sondern auch einzelne Zeitbetrachter und Historiker die Aussage Kiesingers einer genauen Ueberprüfung unterziehen werden, dürfte unzweifelhaft sein. Im übrigen geht es hier nicht nur um Vermutungen und subjektive Eindrücke, wie man uns jetzt erzählen will. Da man sich auf das Rote Kreuz beruft, sei nur die Anregung gegeben, sich über das Verhalten dieser Organisation, insbesondere ihrer deutschen Abteilung, genauer zu informieren. Hierüber gibt es aufschlussreiche Literatur. Man braucht nicht durch allgemeine Bemerkungen über den wahren Sachverhalt hinwegzumanövrieren. Man soll schon aufhören, denen, die sich erlauben, nicht die Meinung Bonns, seiner jüdischen und halbjüdischen Schreiber zu teilen, unlautere Motive zu unter- Dr. Bernardo ' SCHWARCZ j ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG , Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría BERNARDO STERN Ausführung saemtlieher stellen. Wie soll man sonst die Stelle im Brief Vogels an Dr. Prinz auffassen: „Worum ich Sie mit diesem Brief, sehr geehrter Herr Rabbiner, bitte, ist das eine: Nicht aus propagandistischen und emotionellen Gründen heute mit derartigen Telegrammen Menschen anzuklagen oder in ein zweifelhaftes Licht zu setzen, die gerade in der jüdischen Frage zu allen Zeiten eine einwandfreie Gesinnung hatten, die heute an der Spitze einer freien Demokratie in Deutschland durch ihre Politik, durch ihre Aeusserungen zu der Frage deutlich gemacht haben wie sie denken und han. dein.“ Mit welchem Recht sich Rolf Vogel dazu hinreissen. lässt, Prinz „propagandistische“ Gründe für seine Stellungnahme vorzuwerfen, ist nicht erkennbar. Wer Propaganda macht, ist nicht schwer festzustellen. Prinz gewiss nicht. Auf dieser Ebene der Auseinandersetzungen, mit solchen „Argumenten" und Hinweisen ist das existente Problem nicht zu lösen. Die nicht bewältigte deutsche Vergangenheit kann man nicht überwin- LA SEMANA ISRAELITA t Semanario ¡ Aparece los Viernes I Editado por ] Estrellas Editorial Ltáa. ] ‘Á Director: \ Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, 1* izq. T. E. 83-2613 Abono- Preise Argentinien; $ 1.200.— pro Jahr Ausl. t 1.800.— jänrl. Luftpost-Abono f. d Nachbar-Republiken 10 Dollar jährlich den, indem man sie leugnet, verniedlicht oder vergessen machen möchte, so edel solche Motive auch sein mögen. Die Kontroverse gegen Prinz wird zur Episode werden. An den Tatsachen wird sich durch Polemiken ©der durch Appelle nichts ändern. Unsere Haltung ist klar. Das zerschnittene Tischtuch lässt sich nicht flicken. CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I .Blumenfeld (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología dei Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES J. E URIBURU 285 41-2331 — 2240 49-5855 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73 6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Dr. BENJAMIN L1PNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — KIE¬ FERCHIRURGIE — REGELUNG DER ZAHN¬ STELLUNG — KIEFERORTHOP AEDIE Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERN ANDEZ 2518. T.E. 76.8673 u. 73-0500 Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY MEDICO CIRUJANO M. P. »298 Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Dr. L KLEIN - Médico MAGEN- und DARMKRANKHEITEN ROENTGEN UNTERSUCHUNGEN SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76.0286 73-1049 MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-44)52 SPRECHSTUNDEN Montag, Dienstag, Mittwoch a Freitag von lf—IS Otn Es wird gebeten steh vorbei telefonisch ansumeldea SANTA FE 1391 I. EL 44-9433 u. 44-1542