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Jüdische Wochenschau · 1968-08-23 · 2282 (23.8.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2282 (23.8.1968)
Date
1968-08-23
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE UIOHI0 PUEYRREDON 2190 — 1* ¡zq- Año XXIX JÜiJe¿HXiH£i^ZsACtJ&Ü¿CL BUENOS AIRES, VIERNES 23 DE AGOSTO DE 1968 T. E. 83 - 26 1 3 N° 2282 Debatte im Sicherheitsrat Vereinte Nationen. — Der Sicherheitsrat nahm in der vergangenen Woche eine Resolution an, in der es heisst, dass die von Israel gegen Transjordanien in den letzten Wochen unternommenen militärischen Aktionen eine „offensichtliche Verletzung“ der UN-Charter und der Beschlüsse des Sicherheitsrats über den Mittelosten darstellen. Die Resolution besagt, dass im Falle der Fortsetzung dieser Angriffe der Sicherheitsrat gezwungen sein würde, „die Nichterfüllung dieser Resolution gebührend zur-Kenntnis zu nehmen.“ Die Resolution, die nach ausgedehnten Beratungen zwischen den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrates gefasst worden ist, besagt auch, dass „alle Verletzungen der Feuereinstellung verhindert werden müssen“, ohne jedoch die Aktivitäten der Araber in dieser erregten Zone zu erwähnen. Die Resolution wurde einstimmig durch Handaufheben angenommen, nachdem der Monatspräsident, der Brasilianer Joao Augusto de Araujo Castro, ihre Lesung vor dem Sicherheitsrat angeordnet hatte. In dem Text heisst es, das „Luftangriffe grossen Ausmasses, die sorgfältig vorbereitet waren“, durch Israel gegen Transjordanien durchgeführt wurden, welche in Verletzung einer früheren Resolution des Sicherheitsrates, die zur Einstellung der militärischen Aktivitäten auffordertc, geschehen seien, so dass der Sicherheitsrat im Falle -der Fortsetzung derartiger Attacken zur Ergreifung strengerer Massnahmen gezwungen wäre.“ Die Resolution über das Mittelostproblem war das Resultat elftägiger Debatten, bei denen Israel klarstellte, dass es zu Vergeltungsmassnahmen schreiten musste, nachdem die Terrorakte der von transjordanischem Gebiet aus operierenden Saboteure, die immer wieder israelische Städte überfielen, kein Ende nahmen. Nach der Abstimmung über die Resolution wurden Erklärungen abgegeben, in denen die Delegierten die Mission des UN-Emissärs Dr. Jarring befürworteten und die Hoffnung äusserten, dass die Resolution dazu beitragen möge, den Feindseligkeiten einen Riegel vorzuschieben und die Erfolgsaussichten Jarrings zu erhöhen. Zu den Rednern zählschreiten werde, die Aktiviteil der USA - Botschafter George Ball, der Algerier Tewfik Bouattoura, der Kanadier George Ignatieff, der Franzose Armand Berard, Ibrahim Boyo aus Senegal, Miguel Solano Lopez aus Paraguay und der Russe Jakob Malik. Ferner ergriffen Präsident Joao Araujo Castro, Englands Botschafter Leslie Glass, Adnan Pachatäten der Terroristen zu kontrollieren. Er fügte hinzu, dass derartige Aktivitäten die Bemühungen um die Wiederherstellung des Friedens im Mittelosten erschweren. Die Resolution des Sicherheitsrates vom 22. November stelle einen Anhaltspunkt dar, hob Ball hervor, der die Grundlage für eine Regelung bilden Einseitig und ungerecht Jerusalem. — „Die vom Sicherheitsrat angenommene Resolution ist einseitig und ungerecht“, erklärte Premierminister Levi Eshkol in der wöchentlichen Kabinettssitzung. „Sie kann nicht dazu beitragen, den terroristischen Attentaten gegen Israel ein Ende zu setzen, welche Israel zur Selbsthilfe zwingen. Es ist bedauerlich, dass der Sicherheitsrat nicht die Verpflichtung gefühlt hat, diejenigen zu verurteilen, die für die Taten der Eindringlinge aus transjordanischem Gebiet, welche Minen legen, Sabotage verüben und morden, die Verantwortung tragen. Diese Terrorakte stellen nicht nur eine offensichtliche Verletzung der Feuereinstellung dar, sondern sie sind auch eine Fortsetzung der Aggression gegen Israel. Israel dagegen hat das Abkommen über die Feuereinstellung eingehalten und wird dies auch weiter tun, solange es die andern respektieren. Israel hegt den ehrlichen Wunsch, dass die Verträge beiderseits erfüllt werden. Da aber ein jeder Staat der Völkerfamilie angehört, so wird Israel seine Tore nicht öffnen, damit auf seinem Territorium Minen gelegt und seine Bürger ermordet werden.“ Diese Erklärung gab der Ministerpräsident, der in Abwesenheit Abba Ebans als Stellvertretender Aussenminister fungierte, in einem kurzen Bericht ab. (ITA) chi aus Pakistan, Skjolk Mellbin aus Dänemark und Israel-Botschafter Josef Tekoa das Wort. BALL VERTEIDIGTE ISRAEL USA-Botschafter Ball führaus, Israel sei von den Terroristen angegriffen worden, und die USA sähen die Feuereinstellung als gebrochen an. Der Terror, so fügte er hinzu, löst Vergeltung aus, die manchmal das Mass überschreiten kann. Ball versicherte, dass sein Land die israelischen Luftangriffe auf transjordanisches Terrtiorium bedauere und erwarte, dass die transjordanische Regierung dazu Aus Lateinamerika Tel Aviv. — Eine Gruppe von 53 Einwanderern trafen vor kurzem mit einem El Al-Flugzeug in Israel ein. Es handelt sich um 13 Familien und 10 Einzelpersonen, zu denen 3 Aerzte, 1 Ingenieur und Studenten zählen. (ITA) Acht Jahre Gefaengnis Frankfurt am Main. — Fritz Gebhardt von Hahn, ein ehemaliger Beamter des nazistischen Aussenministeriums, zu dessen Verteidigung Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger ausgesagt hatte, wurde wegen Beihilfe zur Ermordung von 30 000 bulgarischen und griechischen Juden zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Der 57jährige Hahn wurde schuldig erklärt, im Zweiten Weltkrieg beim Transport von Juden in die nazistischen Todeslager Mithilfe geleistet zu haben, obwohl er wusste, dass die Juden dort ermordet werden würden. Bekanntlich wurde Bundeskanzler Kiesinger im vergangenen Monat als Zeuge der Verteidigung vorgeladen und erklärte, dass Hahn trotz seines damaligen Postens in der Propagandaabteilung des Aussenministeriums in Unkenntnis darüber gewesen sei, dass die Nazis systematisch die europäischen Juden ausrotteten. könne, doch die Mission Jarrings mache nur langsame Fortschritte, und es sei Grund zu Zweifeln vorhanden, ob guter Willen bebesteht. Tekoa betonte, die Debatte habe bewiesen, dass die heutige arabische Haltung zu Israel unversöhnlich und kriegerisch ist und die Araber offen den Guerillakrieg gegen Israel in Verletzung der Feuereinstellung unterstützen. Die Resolution zeige ferner, dass der Sicherheitsrat die Lage zu handhaben nicht imstande ist. Er fügte hinzu, dass Israel sein Recht beansprucht, sich gegen den fortgesetzten Krieg der arabischen Staaten zu verteidigen und wandte sich gegen die Formulierung des in der Resolution enthaltenen Hinweises auf die arabische Aggression. Er versprach, dass Israel seine Bemühungen fortzusetzen gewillt sei, einen dauerhaften Frieden im Mittelosten durch Verhandlungen zu erreichen und Dr. Jarring seine Mitarbeit zu leisten. Malik erklärte, dass die Resolution die israelischen Angriffe gegen Transjordanien verurteile und „Israel der Aggression ein Ende setzen muss“. Er äusserte, Sowjetrussland hätte die Resolution unterstützt, weil ihre einstimmige Annahme „die israelische Aggression“ bremsen könne. Er setzte hinzu, es sei ganz offensichtlich. wer mit Israel sympathisiere, doch solange Israel sich weigere, die Resolution des Sicherheitsrats vom 22. November 1967 zu erfüllen, solange würde es keinen Fortschritt geben. NICHT UNERWARTET Jerusalem. — Die Resolution des Sicherheitsrats, die Israels Angriff gegen die transjordanische Ortschaft Salt verurteilt, ist bedauerlich, doch nicht unerwartet, wie aus Quellen des Aussenministeriums verlautete. In diesem Jahr, in dem die Zusammensetzung des Sicherheitsrats besonders unfreundlich gegen Israel ist, sei kein Beschluss zu erwarten, welcher Israel Gerechtigkeit widerfahren lässt. Der Sicherheitsrat»- so wurde betont, habe sich nicht mit der Wurzel des Uebels befasst, die im Terrorismus zu suchen ist. Ueber die Position der vier westlichen Länder, Nordamerika, Kanada, England und Dänemark, herrschte Befriedigung. Die Delegierten dieser Länder hatten in ihren Reden nach Annahme der Resolution auf die Hilfe hingewiesen, die Transjordanien den Terroristen leistet, und diese als einen der Faktoren bezeichnet, welcher die Feuereinstellungsverträge untergräbt. — (ITA) DOS FERIAS AFRICANAS Israel participará en forma destacada en dos ferias comerciales aue se celebrarán en fecha próxima en Tai*“ zania y Zambia, en el marco de intentos realizados por este país de ampliar el intercambio con los distintos pan ses del continente africano, señaló el Dr. E. Justic-Dayan, Director de la Sociedad Israelí de Ferias y Exposir c iones. Alrededor de cincuenta firmas israelíes tomarán pan* te en la feria de Dar-es-Salam, capital de Tanzania, ea la que expondrán una amplia gama de productos industriales y artículos de consumo. Esta es la primera veí que Israel participa en una exposición en ese país- Por otra parte, un elevado número de empresas israelíes tomarán parte por segunda vez en la feria que se celebrará en Bandola, Zambia. En esta oportunidad. Ja participación israelí será particularmente elevada, dado el éxito obtenido por los productos israelíes que fueran expuestos el año pasado. Se indica que a raíz de esa feria el valor de las exportaciones de este país a Zambia aumentaron de 944.000 U$S en 1966 a 2.246 009 U$S en 1967. SHLOMO S. TANGER Zwei afrikanische Messen Israel wird sich in einer beträchtlichen Form an zwei Handelsmessen, die in Kürze in Tanzania und Zambia abgehalten werden, im Rahmen seiner Bemühungen beteiligen, den Austausch mit den verschiedenen Ländern des afrikanischen Kontinents zu erweitern, wie Dr. E. JusticDajan, Direktor der Israel-Gesellschaft für Messen und Ausstellungen mitteilte. Etwa fünfzig israelische Firmen werden an der Messe in Dar-es-Salem, der Hauptstadt von Tanzania, teilnehmen, auf der eine grosse Anzahl von industriellen Produkten und Gebrauchsgegenständen ausgestellt werden soll- Es ist da serste Mal, dass Israel an einer Ausstellung in diesem Lande partizipiert. Andererseits werden sich eine erhebliche Zahl israelischer Unternehmen zum zweiten Mal an der Messe beteiligen, die in Bandola, Zambia, stattfinden wird. Bei dieser Gelegenheit wird die israelische Beteiligung angesichts des Erfolges der israelischen Produkte, die im vergangenen Jahr ausgestellt wurden, besonders hoch sein. Es wird mitgetei t, dass der Wert der israelischen Exporte nach Zambia nach dieser Messe von 994 009 Dollar im Jahre 1966 auf 2.246.000 Dollar im Jahre 1967 anstieg. SHLOMO S. TANGER WIE ICH ES SEHE' Papierne Schattenspiele von JEHUDA GOTTHEMER Wir haben eine neue Kontroverse zwischen einem Rabbiner, der früher in Deutschland tätig war, und einem christlichen Geistlichen, der selbst Verfolgter des NS-Regimes und ehemaliger Häftling war und der während der Verfolgungszeit viel für Juden getan hat: zwischen Joachim Prinz und dem Propst Heinrich Gröber. Natürlich wird man sofort an eine andere scharfe Debatte zwischen dem Rabbiner Max Nussbaum und dem Kölner Kardinal Frings erinnert, der allerdings ein völlig anderer Tatbestand zugrunde lag und dem Nussbaum antwortete, während hier und heute Gröber der Kritiker ist. Da es sich um keine Glaubens-Disputation — nach bekanntem Muster —, sondern um einen Streit mit politischem Hintergrund handelt, wollen wir uns auch zu Wort melden. Der Ausgangspunkt dieser Auseinandersetzungen ist ein NS-Prozess gegen einen ehemaligen Diplomaten des Auswärtigen Amtes aus der Ribbentrop - Aera, eines Herrn von Hahn, der in der bulgarischen Hauptstadt Sofia während des Krieges die Juden als Handlanger der SS und ihres Beauftragten Eichmann im Rahmen der „Endlösung der Judenfrage“ in die Ausrottungslager schickte. Natürlich wusste dieser Hahn nicht, was er tat, von Ausrottung, Endlösung und anderen schrecklichen Maßnahmen gegen Juden hatte er nichts gehört. Der Verteidiger des Exdiplomaten kam auf die sinnige Idee, den jetzigen Bundeskanzler, Herrn Dr. Kurt Kiesinger, als Zeugen zu nennen, der damals in der rundfunkpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes tätig war, also erst recht von derartigen Scheusslichkeiten wie Massenmorden, Vergasungen und dgl. gehört haben müsste. Das Gericht gab dem Ersuchen der Verteidigung nach und verhörte den Bundeskanzler. Zeuge Kiesinger wiederholte, was bekannt war, dass er der NSDAP angehört, sich aber frühzeitig von ihr distanziert habe. Im übrigen war seine Aussage deswegen enttäuschend, weil sie durchaus nicht klar und eindeutig gewesen ist, sondern Möglichkeiten zur Interpretation zuliess. Die Meldung über die Vernichtung der Juden habe er als Greuelpropaganda angesehen, obwohl doch das Auswärtige Amt an der Wansee-Konferenz beteiligt war, — auf der die Endlösung der Judenfrage, d. h. die totale Ausrottung des europäischen Judentums beschlossen worden ist. Gewiss wollen wir nicht behaupten, dass alle Beamten des AA über alle Einzelheiten informiert gewesen sind, aber ob sie so garnichts gewusst haben, muss zweifelhaft erscheinen. Dass dies nicht nur jedem aussenstehenden, fernen Beobachter merkwürdig vorkommt, sondern auch dem Gerichtsvorsitzenden aufgefallen ist, ergibt sich aus dessen Zwischenfrage an den Kanzler, was er, der Zeuge Kiesinger, sich angesichts der Gerüchte über die an den Juden begangenen Verbrechen gedacht habe... Wenn also der Rabbiner Dr. Prinz in einer Erklärung nach einer solchen Zeugenaussage die Ausführungen des Zeugen K. als erstaunlich und schockierend bezeichnet, so dürfte er sich mit der gebotenen Vorsicht und Vornehmheit ausgedrückt und in seiner Kritik mit Rücksicht auf die Persönlichkeit des Zeugen zurückhaltend gewesen sein, die bei jedem anderen Zeugen wahrscheinlich deutlicher und klarer gewesen wäre. Man kann auch nicht I übersehen, dass der Angeklagte von Hahn inzwischen zu acht Jahren trotz der Aussage des Kanzlers verurteilt worden ist. — Propst Gröber wendet sich gegen Prinz mit dem Argument, „vom sicheren Port lässt’s sich gemächlich raten“, wenn er auch seine Meinung in andere Worte kleidet. Griiber sagt: „Grundsätzlich spreche ich jedem, der nicht unter brutaler Diktatur gelebt und gewirkt hat. die Berechtigung ab, über das Verhalten von Menschen zu urteilen, die unter diesem Zwang leben und arbeiten mussten und die darunter fast zerbrochen sind.“ Dass durch diese private Auffassung des Propstes Grüber niemand das Recht zur Stellungnahme verliert, ist klar. Prinz ist umso mehr dazu berufen, eine Meinung zu äussern, weil er tatsächlich unter der NS-Herrschaft gelebt und einen bewundernswerten Mut durch seine Haltung und seine Reden bewiesen hat. Er hat neben anderen führenden Persönlichkeiten der jüdischein Gemeinschaft in Deutschland aktiven Widerstand gegen das Nazi-Unrecht geleistet, als alle geschwiegen haben, alle, obwohl sie alle, aber auch alle gewusst haben, was man schon 1933 und 1934 mit den Juden gemacht hat. Es mag sein, dass heute bereits viele vergessen haben, was sie damals mit aller Sicherheit wussten; die Verfolgung der Juden vor und am Boykott-Tag vom 1. April 1933, die Verhaftungen von Juden und politischen Gegnern seit dem Tage der Machtergreifung, die immer eindringlicher werdenden Drohungen, die von Hitler, Goebbels, Göring Ley, Rosenberg und wie die Nazigrössen alle hiessen, beina- (Schiuss auf Seite 2)

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