Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1968-08-02 · 2279 (2.8.1968) · p. [Seite 2]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2279 (2.8.1968)
Date
1968-08-02
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9616703-9616177-9616425--5303-9616427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

2 — Vierni«, 2 de Agento de 1968 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXIX. — N? 2279 Journalisten aus Deutschland | (Schluss von Seite 1) Wir hier in Buenos Aires Sind jedenfalls sehr gut informiert, besonders über die Lage und die Entwicklungen in der Bundesrepublik, auf die im einzelnen in diesem Eusammenhang nicht einzugehen ist; sie kann als bekannt vorausgesetzt werden. Hierüber berichtet u. a. die Allgemeine jüdische Zeitung aus Düsseldorf. Für alle anderen Fragen, die sich nicht auf die jüdische Gemeinschaft begrenzen, stehen die deutschen Zeitungen zur Verfügung, nur dass man hierzulande vielleicht die National- und Soldatenzeitung aufmerksamer liest als dort, jedenfalls in. jüdischen Kreisen. Dass diese Zeitung für die Bundesrepublik nicht (oder noch nicht) typisch ist, wissen wir auch. Wir kennen die letzten Nachrichten über die Wahlergebnisse und deren offizielle und Inoffizielle Analysen und Erläuterungen, wir kennen die nicht abreissende Kette von antisemitischen Ausbrüchen, wenn sie auch vereinzelt sein mögen, wir lesen über die Friedhofschändungen und ähnliche Vorkommnisse- Wir kennen genau die unfreundliche Praxis der Entschädigungsämter, auch wenn sie einen jüdischen Präsidenten haben, und wir kennen die hinter Paragraphen verdeckte anti-jüdische Stimmung und Haltung der Gerichte. Wir kennen die Verschleierungs-Aktionen bestimmter Behörden, den Schutz, den man mitunter Kriegsverbrechern gewährt, Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1® izq. nach. 16—19 Uhr Tel. 80 6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PR OPIEDADES WEINSTEIN Ciudad de kx Paz 1960 (EX-PROPIEDADES FRANKENBERG SRL.) erwartet Sie in seinem neuen Büro zu einer unverbindlichen Aussprache, um Ihre Grundstück- und Wohnungsprobleme schnell und fachmännisch zu lösen. Montag bis Freitag »—12 IS—19 den Einfluss ehemaliger und jetziger Nazis. Manchesmal können wir uns nicht des Eindrucks erwehren, dass wir alle diese Faktoren besser und genauer kennen als unsere jüdischen Brüder in Deutschland, die sich in einer Sicherheit wiegen, die in Wirklichkeit nicht besteht. In ähnlicher Weise wie Levy äussert sich auch Vogel, der nicht begreifen kann, dass die Beziehungen der jüdischen zur deutschen Kollektivität für uns überhaupt keine Frage bedeuten, dass es sich nur um ein zeitgebundenes Problem handeln kann, welches für unsere Kinder überhaupt nicht existiert und von ihnen nicht verstanden werden kann. Auch wenn sie — meist gebrochen — Deutsch sprechen, weil dies die Sprache ihrer Grosseltern und mitunter auch ihrer Eltern ist, haben sie zu all dem, was die Vergangenheit ihrer Eltern ausmachte, keine, aber auch gar keine Beziehung mehr. Das mag für Eltern nicht angenehm sein, aber Wahrheiten verlieren nichts an ihrem Bestand, wenn sie uns nicht gefallen Wir mögen noch nolens vo~ lens — ob es uns gefällt oder nicht — als Träger deutscher Kultur zu betrachten sein, unsere Kinder aber würden uns verständnislos ansehen, wenn wir solches von ihnen verlangen sollten. Ein schwerwiegendes Problem unserer Gemeinden und Organisationen besteht einfach darin, dass die Jugend nicht zu unseren Veranstaltungen kommt, weil oder wenn sie in deutscher Sprache stattfinden. Ob dies gut oder wünschenswert ist, steht nicht zur Entscheidung und ändert an der Tatsache nichts. Wir alle, — Ausnahmen gibt es immer, — haben mit Deutschland gebrochen, weil Deutschland mit uns gebrochen hat. Die wenigsten sind freiwillig gekommen; die kamen, haben sich vor der Gaskammer gerettet, die Deutsche auch für uns und unsere Familien gebaut haben. Das zu vergessen, hat niemand ein Recht, wie niemand ein Recht hat, den Tod der Umgekommenen zu verzeihen. Das sind Verbrechen, die unverzeihlich sind. Das sind Verbrechen, die mit keiner Entschädigung wiedergutgemacht werden können. Für uns ist nicht der Mann Mir Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUS T. E. 76.5842 unbelehrbar, von dem Levy berichtet und der nicht mit ihm Zusammenkommen wollte, weil er es ablehnte, einen Juden zu treffen, der wieder (oder noch) in Deutschland lebt. Unbelehrbar sind diejenigen, die nicht den Mut hatten oder sich aus anderen Gründen nicht entschieden haben, das Land zu verlassen, in dem geschah, was geschehen ist. Aber wir kritisieren sie nicht. Mit welchem Recht kritisiert man uns? Wir werden jedoch nicht erlauben, dass man auf diese primitive Art den Spiess umdreht. Vogels Artikel trägt die Ueherschrift „In Lateinamerika sind die Uhren stehen geblieben“. Sie werden nach Vogel stehenblefben, solange wir nicht in ein ständiges, in ein engeres Gespräch miteinander kommen. Zu behaupten, dass die Widerstände gegen seine Reise deswegen vorgebracht wurden, weil „man noch nicht so weit ist“, kann nur als eine völlige Verkennung der tatsächlichen Gegegebenheiten angesehen werden. Auch Rolf Vogel muss zur Kenntnis nehmen, dass es kein Zurück gibt und nicht geben kann. Dass die Bundesrepublik in vieler Hinsicht entscheidende Hilfe dem Staat Israel geleistet hat, wird nicht bestritten. Hieraus kann aber keine Folgerung auf die Haltung und auf die Einstellung eines einzelnen Juden oder der jüdischen Gemeinschaft als solcher gezogen werden. Wenn die Bundesrepublik Reparationen für Israel zahlte und darüber hinaus die israelische Wirtschaft oder Politik unterstützt hat, so geschah das keinesfalls aus Sympathien für die Juden oder für Israel. Selbst ein Adenauer musste durch die Alliierten zum Abschluss des Reparationswerkes und der Individualentschädigungen veranlasst (um nicht zu sagen; gezwungen) werden. Auf diesem Umwege hat sich die Bundesrepublik ihr Entreebillet in die internationale Völkerfamilie verschafft. Dass mit diesen Leistungen Geschenke gemacht oder eine Art Entwicklungshilfe gezahlt werden sollten, hat noch niemand behauptet. Im übrigen stellen die erheblichen Zahlungen doch nur einen kleinen Teil des von den deutschen, oder sagen wir von den nazistischen Behörden geraubten jüdischen Eigentums in ganz Europa dar. Hat man den polnischen Juden, um ein Beispiel zu nennen, auch nur einen Pfennig für die Vernichtung ihrer Berufe, Geschäfte, Grundstücke oder sonstiger Vermögenswerte gezahlt, wenn man von den Auf heeheren Befehl New York. — Aus Warschau eingelaufene Nachrich besagen, dass zahlreiche Bücher in verschiedenen Sprachen aus der kürzlichen „Internationalen Buchausstellung“ auf Befehl der polnischen Behörden entfernt werden mussten. Als Grund wurde angegeben, dass diese Bücher Polen des Antisemitismus und der Duldung der Ausrottung der Juden durch die Nazis anschuldigen. Zu den entfernten Büchern gehören u. a. die deutschen Werke „Lexikon des Judentums“, „Ostpreussisches Tagebuch“, „Sozoliologie des Jüdischen Volkes“, zwei Bücher über die Sowjetunion und ein Buch, das den heroischen Aufstand der Juden im Warschauer Ghetto beschreibt. <OJI) jetzigen Möglichkeiten einer „Wiedergutmachung“ für Gold, Schmuck u. dgl. im limitierten Wert von etwa 750 Dollar absieht? Wir verkennen durchaus nicht, dass diese Wiedergutmachung in der vorliegenden Form wahrscheinlich erstmalig ist. Wir wissen aber gleichzeitig, dass die Raub- und Mordaktionen des Dritten Reiches einmalig in der gewiss sehr grausamen Menschheitsgeschichte sind. In einem ganz anderen Sinn, als Vogel es meinte, sind die Uhren stehengeblieben, nur nicht unsere. Die unsrigen sind weitergegangen, wir können und wir wollen sie nicht auf das Jahr —, ja auf welches Jahr eigentlich? — zurückstellen. Die Zeit ist weitergegangen. Das bedeutet nicht, dass wir Tatsachen verkennen. Wir sind nur davon überzeugt, dass niemand ein Recht hat, sich nur die Tatsachen für seine Lebenshaltung und -führung auszusuchen, die in sein Konzept am besten hinein, passen. Das Argument, dass wir „Beziehungen“ zur Bundesrepublik aufnehmen oder unterhalten müssten, da doch Israel diplomatische Beziehungen mit der Bun desrepublik unterhält, ist abwegig. Israel ist ein Staat Von uns aber verlangt man doch keine „diplomatischen Beziehungen“ sondern das Gefühl oder das Bewusstsein deutsch zu sein oder auf irgendeinem mystischen Wege zu Deutschland zu ge hören. Soweit wir Deutsche waren, wir sind es nicht mehr. Wir haben aus unserer Geschichte gelernt und die harten, aber notwendigen Konsequenzen aus unserem Schicksal gezogen. Wir sind der Ueberzeugung, dass diese, unsere Haltung allein unserer menschlichen Würde entspricht. Der Einwand, alles habe sich geändert, es sei ein anderes Deutschland heute, Ist — man soll verzeihen — reichlich kindlich und naiv, aber auch deutlich zweckgebunden. Wir bestreiten nicht, dass die Bundesrepublik nicht das Dritte Reich ist. Wie weitgehend aber die Möhschen die gleichen ge blieben sind, das mag jeder selbst entscheiden. Der deutsche Bundespräsident steht in öffentlicher Diskussion, die nicht von jüdischer Seite aufgenom. men wurde. Im Gegenteildie in Deutschland lebenden Juden „verteidigen“ ihn. Herrn Dr. h.c. Lübke wird vorgeworfen, er habe in einem Büro gearbeitet, das Pläne für KZ oder Zwangsarbeitslager herstellte. Es seien noch Dokumente aus dieser Zeit vorhanden, die seinen Namen tragen würden. Der Bundeskanzler hat gerade jetzt erst wieder zugegeben, dass er der Nazipartei angehört und dem Dritten Reich an einer gehobenen, wenn auch nicht entscheidenden Stelle gedient habe. Beide, Präsident wie Kanzler, sind umgekehrt. Beide sind heute überzeug te Demokraten und Gegner des Antisemitismus, dessen Folgen sie aus nächster Nähe beobachten konnten. Unsere Stellungnahme kann LA SEMANA ISRAELITA Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director; Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, 1’ izq. T. E. 83-2613 Abono- Preise Argentinien: f 1200.— pro Jahr Ausl. $ 1.800.— jänrl. Luftpost-Abono f. d Nachbar-Republiken 10 Dollar jährlich JUDITH SCHENKOLEWSKI Schabbosdecken - Tallisbeutel - Käppchen - Mazzot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. L RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios 'de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76.0286 73-1049 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel Viamonte 2037 4® 6 T. E. 46-1716 MOHEL N. PLAKSIN Superí 2719 NEUES TELEFON; 78.4784 aber nicht vom Stellungswechsel der Deutschen oder der führenden Deutschen abhängig gemacht werden. Wir haben das Recht, unsere eigene Meinung zu bilden. von dem wir auch Gebrauch machen. Wir verleugnen nicht unser Vergangenheit, Wir bekennen uns aber zu unserer Gegenwart, die keine deutsche ist. Wir kämpfen für unsere Zukunft und die unserer Kinder, die nur eine jüdische Zukunft sein kann. CENTRO PRIVADO , DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I .Blumenfeld (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICUL ACIONES I. E URIBURU 285 41-2331 — 2240 49-5855 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 78.8782 u. 73 6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG BERNARDO STERN Ausfüll rung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-4052 Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY MEDICO CIRUJANO M. P. 9298 Sarmiento 3116 J. E. 87-1362 Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — KIE¬ FERCHIRURGIE — REGELUNG DER ZAHN¬ STELLUNG — KIEFERORTHOP AEDIE Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERNANDEZ 2518, T.E. 78.8673 u. 73-0500 Dr. L. KLEIN - Médico MAGEN- und DARMKRANKHEITEN ROENTGEN UNTERSUCHUNGEN SPRECHSTUNDEN Montag Dienstag. Mittwoch o Freitag von 1»—19 Wo Es wird gebeten «tob vorbei telefonisch Anzumelden SANTA FE 1391 1. E. 44-9493 u. 44-1542

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.