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Jüdische Wochenschau · 1968-08-02 · 2279 (2.8.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2279 (2.8.1968)
Date
1968-08-02
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE uiohibüii PUEYRREOON 2190 — 1* i*q. Año XXIX J&Jkwuin&DkAiGieliiG RUKNOS AIRES, VIERNES 2 DE AGOSTO DE 1968 I . E. 83 - 26 1 3 N“ 2279 Journalisten aus Deutschland In de» letzten Monaten haben zwei deutsche Journalisten verschiedene südamerikanische Länder besucht, in denen sie in erster Linie Kontakt mit denjenigen jüdischen Gemeinschaften aufnahmen, die aus Juden des deutschen Sprach kreises bestehen und in ihrer überwiegenden Mehrheit aus dem Nazibereich auswandern mussten. Ein grosser Teil dieser Juden, die seit Jahrzehnten in Süd atnerika wohnen, waren ein mal deutsche Staatsbürger, aber nicht alle. Viele stammten aus osteuropäischen Ländern und waren aus mannigfachen Gründen nach Deutschland gekommen, vor allem im und nach dem Ersten Weltkrieg, nicht wem ge waren damals der Aufforderung der deutschen Militärbehörden gefolgt und Hilfsarbeiter gewesen. Man. che unter ihnen hatten im Laufe der Jahre die deutsche Staatsangehörigkeit er worben, die ihnen dann vom Dritten Reich aberkannt worden ist. Das ist der Kreis, an den sich die beiden Journalisten wandten. Wer sind die beiden Jour, nalisten? Der eine von ihnen, Hermann Levy, ist der Chefredakteur der „Allgemeinen Unabhängigen Jüdischen Wochenzeitung“, die in Düsseldorf erscheint, ein Jude, der nach dem Krieg in Deutschland verblieb, nachdem ihm eine Auswanderung in der Hitlerzeit nicht gelungen war. Sein Besuch erfolgte im Rahmen einer Reise, die von der zuständigen deutschen Stelle organisiert worden war. Die deutschen Botschaften in Südamerika patronisierten die Reise und koordinierten sie mit den örtlichen Stellen und Vereinigungen, auch mit jüdischen. Levy war Gast der Instanzen seines deutschen Heimatlandes, dessen lokale diplomatische Vertretungen ihn der Oeffentlichkeit vorstellten, ihm einen Empfang oder ein Essen bereiteten und u.a. auch mit den jüdischen Vereinen oder Einzelpersönlichkeiten in Verbindung brachten. Der andere deutsche Journalist, Rolf Vogel, ist kein Jude, sondern ein Katholik, was er unterstreicht, dessen jüdische Mutter in einem Konzentrationslager umgekommen ist. Vogel erblickt seine Lebensaufgabe darin, die bestmöglichen Beziehungen zwischen Deutschen von JEHUDA GOTTHEMER und Juden, und vor allem zwischen der Bundesrepublik und Israel herzustellen, ein Bemühen, das er in allen Einzelheiten in sejnem kürzlich erschienenen Buch „Deutschlands Weg nach Israel“ geschildert hat. Vogel machte seine Reise auf Vermehr sind und es auch garnicht sein wollen. Beide stellen übereinstimmend fest, dass zwischen diesen Juden und den deutschen Kolonien, aber auch zur Bundesrepublik keine Verbindungen bestehen. Beide übersehen vollkommen oder WM Der Vidonaer des Negew anlassung der CENTRA, der Dachorganisation der zentraleuropäischen Gemeinden und Vereinigungen in Südamerika, deren Einladung im eigenen Kreise diskutiert und kritisiert worden ist. Vogel stand aber auch in Kontakt mit den deutschen Stellen, deren diplomatische Vertretungen sich nach Bedarf einschalteten, für die Reise aber nicht verantwortlich zeichneten. — Bei ihren Darstellungen über ihre Südamerika-Reise, die Levy in einer Reihe von Artikeln in der Allgemeinen und Vogel in seinen „deutschland-berichten“ publizierten, loben sie die ihnen zuteil gewordene Gastfreundschaft, schildern sie das (jüdische) Leben in den südamerikanischen Ländern, die sie besucht haben, und kritisieren sie die Haltung der ehemals „deutschen“ Juden, die keine Deutschen verschweigen, dass die deutschen Kolonien, — natürlich nicht die offiziellen bundesdeutschen Vertretungen, — im wesentlichen auf der Linie der deutschen Politik marschieren, die mehr als 30 Jahre zuvor festgelegt wurde und im Dritten Reich ihren Ausdruck fand. Beide verschweigen, dass sie keinen Kontakt mit deutschen Kreisen baten und ihn auch nicht aufnehmen konnten, obwohl doch Vogels Besuch weniger für die Juden bestimmt waren, deren Verhältnis zu Israel durch einen deutschen Journalisten nicht gestärkt werden muss, auch wenn er sich mit den besten Intentionen hierum bemüht. Weit wichtiger wäre es gewesen, wenn er den Deutschen am La Plata seine Berichte vorgetragen und seinen ausgezeichneten Film gezeigt haben würde. Wir haben auch Verständnis dafür, dass die beiden Herren, vor allem Rolf Vogel, ihren deutschen Gefühlen Ausdruck verleihen. Wofür wir jedoch kein Verständnis haben, ist der Versuch. ihre — nach unserer [ Ansicht antiquierten Auffassungen über die Position der ehemals deutschen Juden und ihr Verhältnis zu Deutschland nun uns aufdrücken zu wollen. Es mag sein, dass der verschiedene geographische Standort (so Levyl, er dort in der Bundesrepublik, wir hier in Lateinamerika, zu unterschiedlichen Betrachtungsweisen beigetragen hat, dass die Enge des Lebens in Düsseldorf mit der Weite des Lebens in den lateinamerikanischen Ländern die Menschen formt und sie zu abweichenden Meinungen beeinflusst. Sein Nachsatz, in dem er auch „mangelnde Informationen“ hierfür verantwortlich macht, ist jedoch unrichtig. Denn obwohl nicht zu erkennen ist, wem mangelnde Informationen .angelastet“ werden, dürfte sich heute im Zeitalter der Supertechnik niemand mehr für seine Meinungsbildung auf mangelnde oder unzureichende Informationen berufen dürfen. (Schluss auf Seite 2) MEINUNGSUMFRAGE IN DEN USA Princeton. — Eine grosse Majorität des nordamerikanischen Volkes glaubt, dass die USA sich im Falle des Ausbruchs eines Krieges zwischen Israel und den arabischen Staaten neutral verhaUen und weder Israel noch den Arabern Waffen liefern sollten. Dieses Resultat ergab die letzte Gallup-Umfrage. Wie aus den Antworten der Befragten hervorgeht, glauben 62 Prozent, dass ein neuer arabischisraelischer Krieg in den nächsten fünf Jahren aus* breehen könnte, und 61 Prozent sind der Meinung, dass die USA in diesem Falle nicht intervenieren sollen. 10 Prozent sind dafür, dass die USA Israel unterstützen müssen, schlagen jedoch vor, dass die gewährte Hilfe allgemein sein könnte und nicht notwendigerweise militärisch sein müsste, 8 Prozent schlugen vor, dass die USA als Vermittler auftreten sollten. 16 Prozent gaben an, keine Meinung zu haben. (ITA) De la Cooperación Técnica El convenio de cooperación técnica y científica entre Israel y México fué oficialmente ratificado en una ceremonia en la Cancillería en Jerusalén, en curso de la cual el Ministro de Relaciones Exteriores Aba Eban y el Embajador de México en Israel, Sr. Luis Weck" mann Muñoz, suscribieron ios documetntos correspondientes. El acuerdo prevé la cooperación entre ambos países en el ámbito de la salud pública, el desarrollo agrario, la conservación del suelo, la desalinización del agua, el uso de los recursos hidrológicos para el riego y la aplicación de la energía nuclear para fines pacíficos- Israel y México también acordaron proceder al intercambio de pericias técnicas en el campo impositivo, financiero, tecnológico y científico. Por otra parte, el documente asimismo estipula el intercambio de expertos y técnicos y la organización de cursos de perfeccionamiento. Aba Eban pronunció unas palabras para señalar que este convenio constituye un nuevo eslabón en las cordiales relaciones que imperan entre las dos naciones. Por su parte, el Embajador de México tuvo conceptos de calurosa apreciación para con la fructífera colaboración que existe entre ambos países. SLOMO S. TANGER Technische Zusammenarbeit Das Abkommen über technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Israel und Mexiko wurde in einer Zeremonie im israelischen Aussenministerium in Jerusalem offiziell ratifiziert, in deren Verlauf Aussenminister Abba Eban und der Botschafter Mexikos in Israel, Herr Luis Weckmann Muñoz, die betreffenden Dokumente unterfertigten. Das Uebereinkommen sieht die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern auf dem Gebiet der Volksgesundheit, landwirtschaftliche Entwicklung, Bodenkonservierung, Wasserentsalzung, den Gebrauch von Wasservor* kommen zur Bewässerung und Anwendung der Kernenergie für friedliche Zwecke vor. Israel und Mexiko kamen ferner überein, den Austausch von technischen Gutachten auf steuerlichem, finanziellem, technischem und wissenschaftlichem Gebiet aufzunehmen. Andererseits beinhaltet das Dokument den Austausch von Experten und Technikern und die Veranstaltung vo» Vervollkommn nungskursen. Abba Eban sprach einige Worte, um darauf hinzuwefc sen, dass dieses Abkommen ein neues Glied in den herzlichen Beziehungen bildet, welehe zwischen beiden Völkern bestehen. Seinerseits betonte der Botschafter Mexikos mit warmer Anerkennung die fruchtbare Zusammen* arbeit, die zwischen beiden Ländern existiert. SLOMO S. TANGER Tk i 1 Ai TI Johnsons Jerusalem. — Präsident Lyndon B. Johnson erklärte in einem Glückwunschkabel an die Hebräische Universität anlässlich ihres 50. Jubiläums, dass „das Volk Israels vollen Grund hat, auf diese grossartige Institution für höhere Studien und Forschung und den Beitrag stolz zu sein, welche die H. U. zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller Menschen geleistet hat.“ Der Präsident erwähnte ferner „die festen Bande, die zwischen meinem Land und der Hebräischen Universität seit ihrer Gründung durch Dr Chaim Weizmann bestanden haben“, und fügte hinzu, dass „während all dieser Jahr ein ständiger Strom kulturellen Austauschs zwischen der Universität von Jerusalem und den amerikanischen Hochschulen existierte.“ Er schloss mit der Hoffnung, dass „diese Verbundenheit sich in den kommenden Jahren vertiefen möge”. Das Kabel war an den Präsidenten der Hebräischen Universität Abraham Harman, und Samuel Rothenberg. den Präsidenten des Verbandes der amerikanischen Freunde der H- U. gerichtet. (ITA) RUSSEN SPIELEN MIT FEUER Die Spannungen in Europa haben wieder einmal zugenommen und mit den ostdeutschen Massnahmen gegen Berlin einen ersten Höhepunkt erreicht. Das Regime Ulbricht ist linientreu und folgt bisher den Anweisungen aus Moskau. Ob Berlin damit bereits für den Westen verloren ist, wie die westdeutsche Radau-Presse schreibt, kann dahingestellt bleiben. Dass der Vorstoss gegen Westberlin einem Plan entspricht, der im Kreml entworfen wurde, kann nicht zweifelhaft sein. Die Machenschaften gegen die CSR sind der sicherste Beweis dafür. Das europäische Problem für die Russen ist im Augenblick die CSR und nicht Berlin. Der Verlauf dieses Disputs ist noch nicht abzusehen. Die tschechische Haltung ist fest. Man will von der Liberalisierung nicht in die dunkelrote Diktatur zurückfalien. Die Russen wehren sich gegen die Massnahmen, durch welche ihr Einfluss ausgeschlossen wird. Sie sehen voraus, dass damit der Ring der Satelliten eine erhebliche Schwächung erfährt, nachdem erst vor Jahresfrist Rumänien abgesprungen ist von B. B. SAMUEL Kein Aequivalent für den möglichen Verlust der CSR bildet die Anbiederungserklärung Nassers „Wir sind russische Satelliten“. Der Kreml ist misstrauisch, jedenfalls Nasser gegenüber, der ohne die russische Hilfe verschwinden würde. Während Nasser den Russen eine grosse Chance bietet, nämlich tiefer in den Mittleren Osten eindringen zu können, müssen die Russen dafür den Preis zahlen, Nasser zu halten, dessen Sympathien für Tito dem Kreml durchaus nicht gefallen. Ob Nassers Satelliten - Erklärung das Ende seiner Schaukel-Politik nach allen Seiten darstellt, bleibt abzuwarten. Der Kreml weiss allein, wie viel und wie wenig er auf Nassers Worte bauen kann. Die Unsicherheit der mittelöstHchen Lage geht auch aus den Ereignissen im Irak und in Syrien hervor. Offensichtlich versucht die neue irakische Regierung eine Annäherung an den Westen. Zu dieser Annahme ist man aus der Reaktion der syrischen Regierung gezwungen, die plötzlich ihren kommunistischen Kurs verschärft hat. Angeld lieh soll ein Komplott in Damaskus aufgedeckt worden sein. Die harte Verfolgung der Beteiligten legt die Vermutung nahe, dass hier politische Gegner unter dem Vorwand beseitigt wurden, dass sie gegen die Regie, rung konspiriert hätten. Ein weiteres Indiz hierfür sind die plötzlich vom syrischen UN-Delegierten dem Generalsekretariat der UN unterbreiteten Anklagen gegen Israel, in denen Beschwerde über unmenschliche Behandlung von Syrern durch Israel geführt wird. Die Darstellungen dürften der Deutschen Nationalzeitung entnommen sein. Damit wird gleichzeitig versucht, erneut gegen Israel Stimmung zu machen, um den Eindruck zu verwischen, den die Luftpiraterie in der letzten Woche hervorgerufen hat. Diese .Entführungen“ und verbrecherischen Ueberfälle auf Passagierflugzeuge gehören schon zum festen kommunistischen Programm. Die Kubaner haben mit dieser Methode angefangen, jetzt folgen ihnen andere kommunistische Staaten, also zunächst Algerien. Wie zu allen solchen Ereignis« sen, durch welche die Ruhe der Durchschnittsbürger und die politischen Interessen der Grossmächte nur am Rande berührt werden, schweigen sie im trauten Verein. Zuerst regt man sich auf, dann vergisst man. nieht zuletzt unter dem Eindruck der eigenen grösseren Sorgen überall in der Weit. Was spielt schliesslich ein entführtes Flugzeug und was spielen zehn festgehaltene Menschen für eine Rolle? Dafür lohnt es sich weder den grossen Politikern in Washington noch sonstwo energisch einzuschrei* ten. Dass es sich hier um ei« internationales Verbreche» handelt, gegen das Front gemacht werden sollte, wur* de wissentlich uni geflissent Hch übersehen. Die täglichen Ueberfälle an den israelischen Grenzen werden schon nicht mehr registriert. Mord- und Kriegsdrohungen werden überhört. Ein neuer Tief« punkt im internationalen Leben ist erreicht. Der Krieg aller gegen alle droht auszubrechen. 0024

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