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Jüdische Wochenschau · 1968-07-26 · 2278 (26.7.1968) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2278 (26.7.1968)
Date
1968-07-26
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Viernes. 26 de Juli« de 196g JÜDISCHE WOCHENSCHAU Es gab noch Richter (Schluss von Seite 1) langte „etwas mehr nationales Selbstbewusstsein“. Damit befindet man sich bereits im Trend einer nationalistischen Term nolcr gie, wie sie bei den Rechtsradikalen allgemein üblich ist. Mit Recht, Moral, Gesetz und Verfassung haben solche Hinweise nichts zu tun. Die Stellungnahme zu einer Politik auf dieser Ebene ist schon nicht mehr möglich, jedenfalls nicht für uns. Bundesjustizminister Heinemann, der in der SPD- Fraktion dafür eintrat, Morde allgemein nicht mehr verjähren zu lassen, hat durch diese Stellungnahme das Problem verwässert und den Rückzug angetreten. Von einem Kampf ums Recht ist schon nichts mehr zu bemerken. II. Freisprüche Vor dem Schwurgericht in Bochum rollte während nicht weniger als 152 Verhandlungstagen ein Mordprozess gegen zehn ehemalige Angehörige des Polizeibataillons 316 ab. denen vorgew'orfen worden war, während mehrerer Jahre bei Bialystok, Baranowice, Mogilew und Bobruisk an der Tötung von mindestens 8800 Juden Beihilfe geleistet zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte selbst in einem viertägigen Plädoyer den Freispruch aller Angeklagten wegen Befehlsnotstandes und Mangels an Beweisen verlangt, der dann auch ausgesprochen wurde. Nationalzeitung und Soldatenzeitung begrüsst dieses Ergebnis mit der Ue- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1’ ixq. nach, 16—19 Uhr Tel. 80 6930 REÁL PEN Füllhaltet REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PR0PIEDADES WEINSTEIN Ciudad de la Paz 1960 (EX-PROPIEDADES FRANKENBERG SRL.) erwartet Sie in seinem neuen Büro zu einer unverbindlichen Aussprache, um Ihre Grundstück- und Wohnungsprobleme schnell und fachmännisch zu lösen. Montag bis Freitag 9—12 15—19 berschrift „Wende in NS- Prozessen“ und erblickt in diesem Urteil eine Art Götterdämmerung. Der Vorsitzende des Gerichts meinte, dass der Zeugenbeweis sich wieder einmal als das „schlechteste aller Beweismittel“ erwiesen habe, so" dass die Schuld der Angeklagten nicht festgestellt werden konnte. Dass sie es selbst waren, die alle Zeugen durch ihre Taten beseitigten oder beseitigen halfen, erwähnte der Richter nicht. Er begnügte sich mit der Bemerkung: „Wir haben ihnen keine Täterschaft nachweisen können, aber sie handelten mit". Warum sie dann freigesprochen wurden, wenn sie nach des Richters eigenen Worten „mithandelten“, bleibt unerfindlich. Bisher haben die Gerichte bei diesen und ähnlichen Sachverhalten immer den Befehlsnotstand ausgeschlossen. Läge wirklich Befehlsnotstand vor, dann wäre die Durchführung dieser Prozesse sinnlos. Die Vermengung der Gesichtspunkte Befehlsnotstand und Mangel an Beweisen dürfte sehr unglücklich und unrichtig sein. Denn das Gericht stellte immerhin fest, dass die Angeklagten die Befehle Himmlers zur Erschiessung der Juden widerwillig ausgeführt haben, jedoch nur als ein Rädchen in der Maschinerie der Massenerschiessungen anzusehen sind... Der Freispruch ist schwer zu verstehen. In einem anderen Prozess waren zwei Männer angeklagt, die ebenfalls wegen NS - Verbrechen vor dem Richter standen. Die Nationalzeitung wetterte, dass man Menschen von über 70 und bald 80 Jahren vor Gericht zieht, als ob dies ein Argument zugunsten der Angeklagten wäre. Aber inzwischen wurden diese beiden Alten freigesprochen, die zwar ihre Schuld nicht leugneten, jedoch behaupteten. sie hätten die Juden erschossen oder erschiessen Lassen, weil sie... Mitleid mit ihnen hatten. Da diese unglücklichen Menschen sowieso dem Tod geweiht gewesen wären, wollten sie verhindern, dass sie lange gequält werden. Für diese Selbstjustiz erhielten sie einen Freisrpuch. Bisher wurde auch derjenige als Mörder verurteilt, der einen tödlichen Schuss auf ein Opfer abgab, das ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUS T. E. 76-5842 JUDITH SCHENKOLEWSKI Schabbosdecken - Tallisbeutel . Käppchen - Mazzot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. L. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 „eigentlich“ von einem anderen erschossen werden sollte... III. Zeugenaussage In einem NS-Verbrecher- Prozess wurde auf Verlangen des Verteidigers der Bundeskanzler Dr. Georg Kiesinger als Zeuge vernommen. Seine Aussage hat Aufsehen erregt. Angeklagt sind zwei ehemalige deutsche Diplomaten; das Verfahren gegen einen von ihnen, den ehemaligen Frankfurter Polizeipräsidenten und späteren deutschen Gesandten jn Sofia, ist abgetrennt worden, sodass jetzt nur noch ein Herr von Hahn vor seinen Richtern steht, dem Beihilfe zur Ermordung von tausenden Juden aus dem Balkan vorgeworfen wird, an deren Deportierung er mitgewirkt hat. Es handelt sich also um einen „Schreibtischmörder“, der sich hier zu rechtfertigen hat. Natürlich hat von Hahn nicht gewusst, was er tat, war er doch der Meinung, dass die Juden nur ausgesiedelt, umgesiedelt oder zur Arbeit herangezogen werden sollen. Gab es keine Arbeit in den Balkanländern? Von Ausrottung war dem damaligen Legationsrat nichts bekannt... Zeuge Kiesinger war damals stellvertretender Chef des Rundfunkreferats im deutschen Aussenministerium. Da er von der Judenausrottung hätte wissen müssen, erschien er der geeignete Zeuge für die Verteidigung. Hat er, Kiesinger, aber als Nachrichtenspezialist nichts gewusst, warum sollte dann der Legationsrat in Sofia davon gehört haben? Die Art dieser Beweisführung ist durchsichtig. Denn auch wenn Kiesinger nichts von den Ausrottungen erfahren haben sollte, kann der Legationsrat in Sofia, der Mitglied der sogenannten Judenabteilung im Auswärtigen Amt Ribbentrops war, durchaus hierüber im Bilde gewesen sein. Kiesinger erklärte als Zeuge, er habe dienstlich keine Meldungen über die an Juden verübten Massenmorde aufgefangen, auch nicht im Januar 1943, als er stellvertretender Leiter der rundfunk - politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes gewesen ist. Der Zeuge hat nach seiner Aussage dienstlich niemals etwas von Aktionen an Juden gehört, aber wie viele andere Deutsche auch gerüchtweise von den Deportationen erfahren. Für ihn sei es unvorstellbar gewesen, dass so grauenhafte Dinge geschehen können. Hier griff der JACOB LAPIDUS Jipi. Mohal Viamonie 2037 4? B T. E. 46-1716 M0HELN. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78-4784 Drei Revolutionen Genf. — Dr. Joachim Prinz, Präsident des Leitenden Ausschusses des Jüdischen Weltkongresses, gab der ITA folgende Erklärung ab: „Wir haben auf dieser Sitzung festzustellen versucht, inwieweit die Juden von den drei Revolutionen unserer Zeit betroffen sind. Es handelt sich um die Revolution der Neger gegen die Weissen, die der Armen gegen die Reichen und die der Jugend gegen die Alten. Die USA befinden sich heute mitten in diesen drei Revolutionen, die durch den Krieg in Vietnam sich noch ernster gestalten.“ (ITA) Vorsitzende ein und fragte, was er sich bei diesen Gerüchten gedacht habe; was ist wohl den vielen Deportierten, unter ihnen Greise, Frauen und Kinder, zugestossen, die doch nach NS- Auffassung Ungeziefer gewesen seien. Auf diese reichlich deutliche Frage meinte Kiesinger, er sei lange ungläubig gewesen; habe aber im Laufe des Krieges den Eindruck bekommen, etwas müsse an den Vernichtungsmeldungen „dran sein“... Erst 1944 sei er geneigter gewesen, solche Meldungen für wahr zu halten. (Das Verhandlungsprotokoll liegt uns nicht vor, sodass wir auf die Wiedergabe durch einen so qualifizierten Juristen und Spezialisten wie Dr. Kempner angewiesen sind). — Die Ostdeutschen haben dem Bundeskanzler sofort bewusste Falschaussage unter Eid, auf deutsch: Meineid, vorgeworfen. Joachim Prinz bezeiehnete Kiesin. gers Aussage als „erstaunlich und schockierend“, was ihm den Zorn des Propstes Gruber, eines bekannten Nazigegners, einbrachte, der jedem das Recht absprach, „über das Verhalten von Menschen zu urteilen, die unter dem Zwang einer brutalen Diktatur leben und ar- Protest in Bonn Bonn. — Jüdische Studenten protestierten vor der Sowjet-Botschaft in Bonn gegen die antijüdische Diskriminat.ion in der USSR. Etwa 100 Mitglieder der „Vereinigung jüdischer Studenten in Deutschland" versammelten sich vor dem Gebäude und verblieben dort mehrere Stunden lang. Ein Beamter der Botschaft lehnte die Entgegennahme einer Protestresolution ab, gestattet« jedoch den Eintritt von fünf Studenten, die den Fall dem Presseattache Alexander Bogomolow vortrugen. (ITA) Dr. Bernardo SCHWAIKZ ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-8216 ' RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG beiten mussten und die darüber fast zerbrochen sind.“ Propst Gruber, mit dem wir garnicht diskutieren wollen, übersieht nur, erstens, dass Prinz unter der Diktatur gelebt hat und gegen die braunen Machthaber trotz Gefährdung seines Lebens Stellung genommen hat, zweitens dass man den Bundeskanzler nicht als fast zerbrochenen Menschen zu bezeichnen vermag. Die Einwände Grubers haben mit der vorliegenden Aussage des Bundeskanzlers nichts zu tun. Auch dadurch, dass man den Bundeskanzler als einen Ehrenmann bezeichnet, wie es Hans Steinitz im Aufbau tut, ändert man nichts an Tatsuchen. Ob schockierend oder erstaunlich, die Aussage Kiesingers zwingt zum Nachdenken über die Haltung der deutschen Intelektuellen damals wie heute. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass man post festum von einom Regime abgerückt ist, dessen abscheuliches Treiben nicht nur in den Vergasungen und Massenerschiessungen von Juden bestand und vor aller Oeffentlichkeit seit dem Jahre 1933 abrollte, und dem die meisten dienten, wenn auch nur als „Rädchen“. AB« XXIX. — N* 2278 LA SEMANA ISRAELITA Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsenaky Pueyrredón 2190, V> izq. T. E. 83-2613 Abono- Preise Argentinien; $ 1.200.— pro Jahr Ausl. | 1.800.— jänrl. Luftpost-Abono f. d Nachbar-Republiken 10 Dollar jährlich Versicherung wird ausgezahtt London. — Die Versicherungs-Gesellschaft Lloyd’s hat beschlossen, die vollen Summen der Prämien für die im Suezkanal seit seiner Sperre im Juni des vergangenen Jahres blockierter. Schiffe aller Nationalitäten auszuzahlen. Die Höhe der versicherten, an Bord befindlichen Ladungen wird inoffiziell auf 10 bis 12 Millionen Dollar geschätzt. — (ITA) Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76.0286 73-1049 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-44)52 CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I .Blumenfeld (Director) Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Médicas de Buenos Aires UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES I. E URIBURU 285 41-2331 — 2240 49-5855 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73-8782 h. 73 6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Dr. L. 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