Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 29 (1968)
- Issue
- 2266 (3.5.1968)
- Date
- 1968-05-03
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes. 3 de Mayo de 1968 JÜDISCHE WOCHENSCHAU AB« XXIX-N* 216* Neue Tendenzen im Ostblock (Schluss von Seite 1) Kundgebungen mit der Regierung und Demonstrationen gegen die Zionisten zu berichten wussten, liegt auf der bekannten Linie fernge- 1 lenkter öffentlicher Meinung, die wir in jedem Diktaturstaat kennen gelernt baben. Titelzeilen wie „Treibende Elemente bei den ,¡bedauerlichen Ausschreitungen', darunter auch .Jugendliche mit zionistischen Verbindungen' waren üblich und sollten die allgemeine Aufmerksamkeit ablenken.“ Diese Elemente sind unterschiedlicher Art, obwohl sie sich auf einer paradoxen Grundlage unter heuchlerischen Parolen zu einem Angriff auf die Partei, den Staat und dessen politische Führung zusammengeschlossen haben. Auf der einer. Seite hören wir heuchlerische Erklärungen über Freibeit und Demokratie, die gegen Polen und dessen Erbauer gerichtet sind, Erklä- 1 rungen, die drahtlos aus den (Zentren der antikommunistischen Subversion kommen. Auf der anderen Seite haben wir zionistische Zentren, die von den USA unterstützt werden...“ Gegen den Vorwurf, es handele sich um eine antisemitische Aktion versucht man sich mit der schon alltäglich gewordenen Ausrede abzuschirmen, die vor allem von arabischer Seite immer wieder vorgetragen wird: „Kampf gegen Zionismus, einem Feind des Sozialismus, hat nichts mit Antisemitismus gemein“. Demgegenüber schrieb eine deutsche Zeitung: „Wer von den etwa 30.000 heute noch in Polen lebenden Juden Zionist, also Staatsfeind ist, bestimmt die Partei. Allem Anschein nach hat die Formel „Zionisten am Werk“ Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1? izq. nach. 16—19 Uhr Tel. 80 6930 REÁL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 die demonstrierenden Studenten und oppositionellen Intellektuellen einstweilen isoliert, ganz im Sinne der .harten Leutein der Partei. Dass aus den Ansammlungen erregter Menschen der polnischen Miliz der Ruf „Gestapo“ entgegenschallte mag zu denken geben“. — Die mehr als tausendjährige Geschichte der Juden in Polen spiegelt die Unsicherheit und die Leiden der Galutexistenz unseres Volkes wider. In unserem Jahrhundert bewegt sich diese Geschichte wie in manchen anderen europäischen Ländern zwischen Aufklärung und finsterem Mittelalter, wobei auch die Kreise der polnischen Intelligenz mitunter dieses finsterste Mittelalter für die Juden herbeizuführen wünschten oder es duldeten, dass andere sie herbeiführen. Wir wollen nicht erneut in die Diskussion über die Frage eintreten, ob all das, was während der Nazi-Besetzung in Polen geschehen ist, nicht zu einem Teil wenigstens auf die antijüdische Haltung und Stimmung der polnischen Bevölkerung zurückgeführt werden muss. Die Einstellung der polnischen Massen gegen die Juden kam jedenfalls auch noch nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches deutlich zum Ausdruck, wo es die Polen waren, die in verschiedenen polnischen Städten die zurückkehrenden, überlebenden Juden pogromiert, angegriffen, totgeschlagen und nicht geduldet haben. Ueber dieses finstere Kapitel der polnischen Nachkriegsgeschichte sind wir heute genauestens informiert, nachdem deutsche Gerichte, welche die von Deutschen begangenen Verbrechen wiedergutmachen sollten, den aus Polen flüchtenden Juden die „Flüchtlingseigenschaft“ absprachen, weil diese jüdischen Opfer der NS- Verfolgun-gen nicht vom polnischen Nachkriegsstaat vertrieben, nicht zur Auswanderung gezwungen und nicht ihrer Staatsangehörig keit beraubt worden seien. In diesem Zusammenhang hat man die Geschichte der Juden im Nachkriegspolen erforscht, wobei viele Tatsachen bekannt wurden, aus denen sich nicht nur die Haltlosigkeit der deutschen Spruchpraxis, sondern auch der antisemitische Charakter Polens ergeben hat. Der Ihr Friseur ERICH JACOBSOHN BEDIENT SIE IN IHREM HAUS T. E. 76.5842 JUDITH SCHENKOLEWSKI Schabbosdecken - Tallisbeutel ■ Käppchen - Mazzot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett, und Tischwäsche Dr. P. L. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76.0286 73-1049 während der letzten 23 Jahre immer wieder aufflakkernde Antisemitismus beleuchtet ohne lange Argumente die wahre Situation. Die letzten Wochen liefern den traurigen Beweis dafür, dass die polnischen Kommunisten von ihren Erzfeinden, den Nazis, gelernt haben... Wir wissen nicht, ob es in Polen heute noch Zionisten gibt. Die Juden, die sich als Juden fühlten, haben in ihrer überwiegenden Mehrheit Polen nach dem letzten Krieg verlassen. Die Juden, die in Polen geblieben sind waren Kommunisten aus Ueberzeugung, die — wie es in einem Bericht heisst — erst durch die letzte Kampagne auf ihre jüdische Abstammung oder auf ihr Judesein aufmerksam gemacht worden sind. Die polnischen Machthaber bestimmen offensichtlich nicht nur, wie dies alle Antisemiten zu tun pflegten, wer Jude ist, sondern entscheiden auch darüber eigenwillig, wer Zionist ist oder nicht. Im üibrigen hat Gomulka bereits vor einem Jahr drohend erklärt, er werde keine „jüdische Fünfte Kolonne“ dulden, die mit Israel sympathisiert, weil die offizielle polnische Politik proarabisch sei... Dass die polnische Regierung selbst die Erinnerung an die jüdischen Opfer der NS-Verfolgungen zu einem — antisemitischen — Politikum gemacht hat, zeigen die vergeblichen Bemühungen des Jüdischen Weltkongresses, eine Verlegung des Datums zu erreichen, an welchem das Monument für die jüdischen Opfer in Auschwitz eingeweiht werden sollte, und jetzt ohne jüdische Mitwirkung eingeweiht worden ist. Die polnische Regierung hatte hierfür den letzten Tag des Pessachfestes bestimmt, der auf einen Schabbat fiel, also auf einen hohen Feiertag, an dem nach jüdischer Tradition und nach jüdischem Gesetz keine Totenfeier stattfinden soll. Nachum Goldmann, Präsident des Jüdischen Weltkongresses und Mitglied des Internationalen Comités für die Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die in Auschwitz umgekommenen Juden, wies mit Recht darauf hin, dass die polnische Regierung mit ihrer Weigerung, die Feier an einem anderen Tage zu veranstalten, alle Juden und jüdischen Organisationen, die an der jüdische» Tradition festhalten, bewusst ausgeschlossen hat. Auch die nachträglich bekannt gewordene, jedoch weder dem Jüdischen Weltkongress noch anderen jüdischen Organisationen mit- JAC0B LAPIDUS Jipi. Mohel Viamonte 2037 4° B T. E. 46-1716 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 NEUES TELEFON: 78.4784 Meldung aus Polen Warschau. — Das offiielle Parteiblatt „Trybunp Ludo“ berichtete, dass ein hoher Beamter, ein Jude, deßsen Sohn „zionistischer Umtriebe“ beschuldigt wird, aus der Partei ausgestossen wurde. Wie die Zeitung schreibt, ist Staatsanwalt Ignancy Druski einstimmig aus der Partei ausgeschloesen worden. Seinem Sohn Wiktor wurde einige Tage zuvor seine Zugehörigkeit zum jüdischen Klub „Bable“ und seine „äusserst herzlichen“ Beziehungen mit der israelischen Botschaft in Warschau vorgeworfen, bevor Polen seine Beziehungen zu Israel abbrach. Druski ist der zw'eite Jude, dessen Ausschluss aus der Partei bekannt wurde, und der dreizehnte, gegen den seit Aucbruch der Studentenunruhen öffentlich Repressalien angekündigt worden sind. Der andere Jude, dem die Zugehörigkeit zur Partei abgesprochen worden war, ist Roman Zambrowski, welcher in der Stalinzeit Mitglied des Politbüros war. Die übrigen eit Juden, die aus ihren Stellungen entlassen wurden, sind sechs Professoren, ein Mitglied der Akademie für Wissenschaften und vier Beamte, deren Söhne ale Anführer der Rebellion der Studenten bezeichnet wurden. geteilte Verlegung der Feier um einen Tag ändert nichts daran, dass man sich über die Wünsche der Juc'enheit hinweg gesetzt hat. Jedenfalls konnten die Juden in der Welt an dieser Denkmalsweihe durch die Machenschaften der polnischen Regierung nicht teilnehmen. Dass dieser Affront der polnischen Regierung in eine Zeit heftiger antijüdischer Aktionen und Angriffe fällt, dürfte kein Zufall sein. Durch diese jetzigen antisemitischen Ausfälle schändet, so sagte Dr. Goldmann, die polnische Regierung das Andenken an die jüdischen Männer, Frauen und Kinder, die in allen Teilen Europas als unschuldige Opfer des Nazismus für ihren Glauben und für ihr Volk umgekommen sind. Politisch mag man diese Einstellung und „Politik“ der jetzigen polnischen Regierung werten, wie man wolle. Man kann hierin die Fortsetzung der alten antisemitischen Linie erblicken, die sich gegen die Existenz von 3,2 Millionen Juden vor dem letzten Krieg ebenso wie gegen die noch 30 000 Juden von heute richtet. Man kann hierin die letzten Zuckungen eines abgewirtschafteten Systems erblikken, das sich nicht auf andere Weise dem Ansturm der freiheitliebenden oder Freiheit fordernden Kreise in Polen zu erwehren weiss, als für die Haltung von vielen Millionen eine kleine, unbedeutende Minderheit verantwortlich zu machen. In jedem Fall sind die Juden die Leidtragenden, mögen sie gute oder ihrem Judentum entfernte Juden sein. Nur eines dürfte feststehen: mit diesen Mitteln und auf diesem Wege wird sich das heutige kommunistische Regime in Polen nicht retten. — Dr. Bernardo SCHWARCZ ZAHNARZT ESTOMBA 2283 — 76-8216 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 — T. E. 58-4052 Goldene Medaille In Mailand erhielten Dr. Guido Jahra, Präsident der jüdischen Gemeinde, und Prof. Giuseppe Colombo die goldene Medaille der Stadt für hervorragende Dienste im Interesse der Stadt. Dr Jarah ist der Verfasser einer Geschichte der italienischen Seefahrt und Profeseor Colombo ein führendei Mann des Mittelschulwesens in Mailand. LA SEMANA ISRAELITA Semanario Aparece los Viernes Editado por Estrellas Editorial Ltóa. Director: Amoldo W. B. Swarsenshy Pueyrredón 2190, 1* izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 1.200,— pro Jahr Ausl. $ 1.800.— jänrl. Luftpost-Abono f. d Nachbar-Republiken 10 Dollar jährlich Gegen Geschichtsfaelsehung Der Zeitgeschichtler Prof. Dworzecki wandte sich in einer Kundgebung der Auschwitz-Häftlinge in Tel Aviv gegen die von den polnischen Behörden versuchte Geschichtsfälschung und betonte, dass der einzige Aufstand in Auschwitz, bei dem ein Krematorium gesprengt wurde, von 600 jüdischen Häftlingen durchgeführt worden ist und nicht von der internationalen Widerstandsbewegung. CENTRO PRIVADO DE ORTOPEDIA Y TRAUMATOLOGIA Prof. Dr. I. BlumenfeW (Director) Jefe del Servido de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita — Profesor de la Facultad de Ciencias Medicas de Buenos Aires. UNICAMENTE ENFERMEDADES DE LOS HUESOS Y ARTICULACIONES I. E. URIBURU 285 41 2331 — 2240 47-5875 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES APARATO CIRCULATORIO Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73.8782 u. 73 6817 Consultas: wochentags von 15—18 Uhr Donnerstag keine Sprechstunde Sonnabend: 14—16 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY MEDICO CIRUJANO AL P. 9298 Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — KIE¬ FERCHIRURGIE — REGELUNG DER ZAHN¬ STELLUNG — KIEFERORTHOPAEDIE Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung JOSE HERNANDEZ 2518. T.E. 76.8673 u. 73-0500 Dr. L. 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