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Jüdische Wochenschau · 1968-05-03 · 2266 (3.5.1968) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2266 (3.5.1968)
Date
1968-05-03
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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JÜDISCHE UIOHnSQIflO PUEYRREDON 2190 — 1» izq. JûxJemxutaJsàjCùUUa T. E. 83 - 26 1 3 ASo XXIX BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE MAYO DE 1968 N9 Neue Tendenzen im Ostblock Lange Jahre hindurch war man im Westen ganz allgemein der Auffassung, dass die kommunistische Welt in sieh eine unerschütterliche Einheit darstellen würde, die von einer Stelle aus nach dikt atonalen Prinzipien beherrscht und gelenkt wird Diese Meinung war sicher lieh während einer bestimm ten Epoche auch durchaus gerechtfertigt. Man hatte alle Hoffnungen aufgegeben dass machtpolitische Ver-än derungen im nationalen rus sischen oder internationalen Rahmen überhaupt denkbar oder möglich wären. Der seinem Umfang und in sei ner Bedeutung nicht richtig eingeschätzte Abfall Jugo slawiens und dessen Opposi tion gegen den Kreml wurde als llne Ausnahmeerscheinung angesehen, deren Kon Sequenzen durch eine ge schickte ..Regelung“ zwi scheu dem Kreml und Tito verwischt worden sind. Nach dem Tode des roten Zaren wurde die übrige Welt durch die „Entstalinisierung“ überrascht, in der man einen der üblichen , Reinigungs-Prozesse“ vermutete, die zu Stalins Zeiten an der Tagesordnung gewesen sind. Immerhin war der posthume Sturz des unfehlbaren Diktators in die geistige Verbannung und sein Verschwinden aus den Annalen der russischen Geschichte ein revolutionärer Akt, den man nicht geringschätzen konnte, obwohl an den Grundsätzen der stalini stischen Innen- und Aussenpolitik in ihren wesentlichen Zügen zunächst festgehalten worden ist. Unverkennbar traten gewisse „Liberalisierungstendeuzeu“ bereits in der Aera Krutschew* auf, die eine deutliche Annäherung an den Westen erkennen liessen. Die Krutschew-Nachfolger haben darauf verzichtet, theoretische Untermalungen ihrer Realpolitik zugrundezulegen, wie dies bei dem zu ideologischen Provokationen geneigten Kommunismus bis dahin üblich gewesen ist. Dass dieser — wenn auch noch schwachen — Annäherung an den Westen harte machtpolitische Notwendigkeiten zugrunde van JEHUDA GOTTHEMER DAJAN WARNT Tel Aviv. — Verteidigungs-Minister Mosche Dajan warnte die Transjordar.ier, dass der „Terrorkrieg“ gegen Israel auf transjordanischem Boden ausgetragen und dort entschieden werden wird, wenn sie nicht von ihren Attacken ablassen wollen. Er betonte, dass die kürzlichen Massnahmen Israels keine Vergeltungsakte waren sondern Teil eines langen Krieges, der „viele Gesichter und viele Etappen“ hat und nur beendet sein wird, wenn die Gegenseite einsieht, dass sie einen zu hohen Preis zahlen muss. „Es werde dahin kommen, dass das ganze Jordantal sich in ein einziges Schlachtfeld verwandelt“, fügte er hinzu. (ITA) lagen, ist heute nicht mehr bestritten. Der Ostblock ist in zwei Lager geteilt. China geht eigene Wege und erkennt die Hegemonie des Kreml seit langem nicht mehr an. Bisher folgt nur Albanien der chinesischen Linie, was als Machtfaktor uninteressant sein mag, immerhin aber zum Nachdenken zwingt wenn man sich die Bedeueinmal ausgelöste Diskussion über die Pressefreiheit zu unterbinden. Vor allem in Prag hatten Journalisten und Intellektuelle verlangt, die freie Meinungsäusserung zu gestatten und endlich mit der staatlich gelenkten, rot uniformierten Presse Schluss zu machen. Diese Forderung war von den Studenten auf gegriffen und zum Hauptthema und Leitmotiv ihrer, Die Parade vom 2. Mai Jerusalem. — Premierminister Levi Eshkol erklärte nach der letzten Kabinettssitzung, dass die Parade zum Jom Haazmaut wie angekündigt am 2. Mai abgehalten wird, nachdem der Sicherheitsrat einige Tage zuvor Israel ersucht hatte, diese Parade abzusagen. Ein Sprecher äusserte, das Kabinett habe den Worten des Israel-Botschafters vor den UN, Joseph Tekoa, nichts hinzuzufügen. Tekoa hatte sofort nach der Abstimmung im Sicherheitsrat erklärt, dass die Resolution für Israel „unannehmbar“ ist. Während der Kabinettssitzung erstattete Verteidigungsminister Mosche Dajan einen Bericht über die Lage und im besonderen über den Zwischenfall bei Jericho, der sich am Morgen des gleichen Tages ereignet hatte und bei dem 13 arabische Saboteure getötet wurden. Aussenminister Abba Eban wies darauf hin, dass der Sicherheitsrat abgelehnt hatte, den Bemühungen des Generalsekretärs U Thant stattzugeben und in seinem Beschluss auf den Waffenstillstand Bezug zu nehmen. Die israelische Presse liess einmütig ihrer Empörung über die Resolution des Sicherheitsrates freien Lauf und griff besonders U Thant an, der Transjordanien durch seine Intervention angestiftet habe, sich beim Sicherheitsrat über die geplante israelische Militärparade zu beschweren. (ITA) tungslosigkeit Albaniens vor Augen hält, gleichzeitig aber seine geographische Lage als europäisches Land und seine völlige Isolierung berücksichtigt. Indirekt ausgelöst durch den Sechstagekrieg im Ori ent kam es im Ostblock zu einer neuen Krise, die sich allerdings schon einige Monate vorher andeutete, als Rumänien auf eigene Faust eine engere Verbindung mit dem Westen suchte, ohne erst die Genehmigung des Kreml hierfür einzuholen. Als dann die Sowjetunion in einer völlig einseitigen Form gegen Israel Stellung nahm, benutzten die Rumänen diese Gelegenheit, um sich aus der Umklammerung und Vörwundschaft Moskaus zu lösen, indem sie es ablehnten, ihre Beziehungen zu Israel abzubrechen. Sie weigerten sich schliesslich bei den entscheidenden Abstimmungen in den UN, den Staat Israel als den Angreifer zu brandmarken. Wenn man bedenkt, welche Position die Rumänen bis dahin gegen die Juden und gegen Israel eingenommen haben, musste dieser offensichtlich und ostentativ zur Schau getragene Stellungswechsel auffallen und konnte nicht einfach mit ei ner Meinungsänderung der rumänischen Behörden erklärt werden. Die anti-russische Spitze dieser pro-israelischen Politik Rumäniens ist unverkennbar. Anfangs musste man den Eindruck gewinnen, dass auch die CSR und Ungarn eine ähnliche Position wie Rumänien im Mittelostkonflikt beziehen würden. Moskau konnte dies verhindern, vermochte jedoch nicht, die mituriter turbulenten, De monstrationen gemacht worden. Die einmal ins Rollen gebrachte Debatte führte in der CSR schliesslich zum Sturz des „prostalinistischen“ Präsidenten und zur Neubildung einer Regierung die bewsst und deklariert einen Kurs der Liberalisierung steuert und eine stärkere Annäherung an den Westen herbeizuführen wünscht. Damit befindet sich jetzt die CSR auf einer politischen Ebene mit Rumänien, die mit den Intentionen, Vorstellungen und Bestrebungen des Kreml in einem offenen Widerspruch steht. Hieran kann man im Augenblick keine Zweifel hegen. Ob sich diese Länder dem russischen Druck auf die Dauer widersetzen kön- Diplomatische Reise Jerusalem. — Israels Aussenminister Abba Eban wird in offizieller Mission zwischen dem 5. und 16. Mai eine Reise in die 4 skandinavischen Länder unternehmen. Vorher wird er London einen zweitägigen privaten Besuch abstatten. Eban wird mit den Aussenministern und hohen Beamten in den Hauptstädten dieser vier Länder konferieren, in der Television erscheinen, im Rundfunk und Universitäten sprechen und die jüdischen Gemeindevertreter empfangen. — Ihn werden seine Gattin und der Vize-Generaldirektor für europäische Fragen im Aussenministerium, Gersehon Awner, begleiten. (ITA) nen, bleibt ebenso abzuwarten wie die weitere Entwicklung in der Sowjetunion und in den von ihr abhängigen Ostblockstaaten. Sachkundige Beobachter sind der Meinung, dass auch die in Ungarn vorhandenen Strömungen für eine „liberalisierte“ Politik bald Ueberraschungen bringen könnten, zumal dort bereits eiumal der — damals gescheiterte — Versuch gemacht worden ist, sich von den Ketten der russischen Versklavung zu befreien. Da dieser Aufstand von rechtsradikalen Elementen gefördert, wenn nicht veranlass* wurde, musste er scheitern. Heute aber sind es die Kommunisten in Ungarn, die ihre eigene Linie durchzusetzen bemüht sind. Im Augenblick dürften es nur Polen und Ostdeutschland sein, die an der alten Kreml-Politik festhalten und als treue Vasallen- und Satellitenstaaten Moskaus angesehen werden können. Während in der Deutschen Demokratischen Republik eine relative Ruhe herrscht, ist die Lage in Polen seit Monaten gespannt. Die Demonstrationen der Studenten für eine grössere Lehr- und Lernfreudigkeit fanden nämlich nicht nur in Prag statt sondern hatten in verschiedenen polnischen Städten ein noch weit stärkeres Echo und einen bedeutenderen Umfang. Die polnische Regierung hat diese Kundgebung der Studenten — die sieh übrigens nicht nur auf die Hochschüler .beschränkten, — nur mit äusserster Schärfe und Waffengewalt unterdrücken können. Bei ihrem Vorgehen gegen die vielen unzufriedenen Studenten, Intellektuellen und Arbeiter ist die polnische Regierung in übler Weise nach altem Rezept verfahren und hat damit bewiesen, dass sie ihre kommunistische Herrschaft mit faschistischen Mitteln zu verteidigen bereit ist: Sie hat einen Schuldigen gesucht und kurzerhand „die“ Juden als die Verantwortlichen angeprangert. Damit wurde in Polen ein neuer antisemitischer Feldzug gestartet, der noch heute andauert. Auch das haben die polnischen Kommunisten von den alten oder neuen Nazis gelernt, dass man heutzutage nicht mehr von Juden, sondern von Zionisten spricht. Das ist das moderne Schlagwort, uni die merkwürdigsten Kombinationen aufzustellen und Angriffe zu lanzieren. KP-Chef Gomulka sprach von „zionistischen Elementen“, die hinter den Unruhen stehen und die Studenten in Warschau, Krakau und anderen polnischen Städten aufhetzen würden. Das seien dieselben Leute, so meinte Gomulka, die bereits im Juni 1967 gemeinsam mit der Bundesrepublik für Israel gearbeitet haben... Keine Behauptung ist absurd genug, um nicht dem Publikum vorgesetzt zu werden, das wohl antijü disch eingestellt, nicht aber völlig mit politischer Blindheit geschlagen ist. Was die polnischen Blätter in den vergangenen Märztagen an Sympathie- Der Fall von von Dr. ROBERT M. W. KEMPNZR Der Herrenreiter Franz von Papen, der Hitler in die „Machtergreifung“ mit hineingeritten hat. ist dieser Tage vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe „zweiter Sieger“ geblieben. Der 88-Jährige, der in Baden lebt, hatte diesmal einen Herrenritt gegen die Bundesrepublik versucht. Er wollte die gesetzlichen Bestimmungen für unkonstitutionell erklärt haben, durch die einer juristisch genau definierten Kategorie von Helfern des Hitlerregimes Pensionszahlungen durch die Bundesrepublik verweigert werden können. Papen war Rittmeister in der königlich-preussischen Armee gewesen, später Hitlers Vizekanzler und Botschafter, zuletzt in Ankara, bis er schliesslich nicht lange vor Kriegsende mit dem Hitlerregime nicht mehr einverstanden war und in Pension ging. In Nürnberg wurde er vom Internationalen Militärtribunal freigesprochen, dagegen von dem Bayerischen Entnazifizierungsgericht unter Landgerichtspräsident Dr. Sachs mit scharfen Worten für seine politische Rolle getadelt. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, die Nich'-Gewährung von Pensionsbezügen an ehemalige politische Helfer Hitlers, wie Franz von Papen, sei nicht verfassungswidrig und verletze nicht den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz. Aehnlich ging es den Witwen von Richtern des berüchtigten Volksgerichtshofes des Roland Freisler die unmenschliche Todesurteile gefällt hatten. Die Witwe des Blutrichters Freisler selbst hatte allerdings solche Ansprüche gar nicht erst zu stellen gewagt. EN EL M. (Schluss auf Seite 2) “El Estado de Israel promoverá el desarrollo del país para beneficio de todos sus habitantes y estará basado en principios de libertad, justicia y paz, a la luz de las enseñanzas de los profetas hebreos; mantendrá una completa igualdad social y política de derechos para todos sus ciudadanos sin distinción de credo, raza o sexo, y garantizará la libertad de culto, conciencia, idioma, ense¬ ñanza y cultura; salvaguardará los lugares santos de todas las religiones, y será fiel a los principios de la Cirta de las Naciones Unidas...“. Este párrafo de ia Declaración de Independencia de Israel no fué fruto del azar o de la casualidad. Correspondió fielmente a los sentimientos profundamente arraigados en el alma del pueblo judío de amor a los principios de la democracia, la justicia y la libertad contenidos en la Biblia, el Libro de los Libros, que para el Pueblo de Israel no ha sido solamente un mensaje, sino base de unidad nacional, y fundamento ético-social. En base a estos antecedentes, y a la circunstancia escencial de haber padecido sufrimientos y persecuciones por parte de muchos tiranos y enemigos de los principios de la libertad, el pueblo judío, al reintegrarse en su vieja patria histórica lo ha hecho afirmando sus profundas oonvicciones democráticas. De otra manera sería un contrasentido y una negación de valores fundamentales de su ideario tradicional. SHLOMO S. TANGER DEMOKRATIE IM MITTELOSTEN „Der Staat Israel wird die Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bürger betreiben. Er ist gegründet auf dem Prinzip der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens, im Geiste der Lehren unserer Prophten. Er wird eine völlige soziale und politische Gleichheit der Rechte aller seiner Bürger ohne Unterschied des Glaubens. der Rasse oder des Geschlechts beachten und garantiert die Freiheit des Kultus, des Denkens, der Sprache, der Erziehung und Kultur. Er wird die allen Religionen heiligen Stätten hüten und die Treue zu allen Grundsätzen des Chaiters der Vereinten Nationen bewahren...“ Dieser Absatz der Unabhängigkeitserklärung Israels war weder ein Ergebnis des Zufalls noch einer einmaligen Gelegenheit. Er entsprach den Gefühlen, die in der Seele des jüdischen Volkes und seiner Liebe zu den Prinzipien der Demokratie, der Gerechtigkeit und der Freiheit tief verwurzelt, und die in der Bibel, dem Buch der Bücher enthalten sind, die für das Volk Israels nicht nur eine Botschaft darstellt, sondern gleichzeitig die Grundlage seiner nationalen Einheit und seines ethischsozialen Lebens bildet. Gestützt auf seine Vergangenheit und im Gedenken an die durchgemachten Leiden und Verfolgungen unter vielen Tyrannen und Feinden der Freiheit, hat sich das jüdische Volk in seinem historischen Vaterland wieder^ gefunden und bestätigt dort seine feste demokratische Ueberzeugung. Wäre das nicht der Fall, so würde dies im Widerspruch mit den traditionellen Ideen unseres Volkes stehen und diese verleugnen. SHLOMO S. TANGER Gruss an Israel New York. — Unter dem Motto „Gruss an Israel“ zogen drei Stunden lang tausende Menschen mit Fahnen, Chören, Orquestern und Tanzgruppen durch die Fifth Avenue von Manhattan. Weitere Tausende standen auf den Bürgersteigen, um dem Umzug zuzusehen. General Jizchak Rabin. Israels Botschafter vor den UN, war der Ehrengast dieser Veranstaltung, die das „Goldene Jerusalem“ benannt worden war. New Yorks Bürgermeister, John V Lindsay, begrüsste General Rabin in seiner Botschaft an die Kundgebung. Etwa 300 Delegationen, viele hiervon Nichtjuden, kamen aus entlegenen Orten, so aus New Jersey, Pennsylvania, Connecticut und De laware, um an der Fest lichkeit teilzunehmen — (ITA)

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