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Jüdische Wochenschau · 1968-03-29 · 2261 (29.3.1968) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
29 (1968)
Issue
2261 (29.3.1968)
Date
1968-03-29
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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.. ... Viernes, 29 de Marx« de 1968 SEMANA S R A E L I X A Año XXIX. — N* 2161 — 3 Er gehorchte seinem Gewissen Beim alten Amtsgericht Brandenburg an der Havel — im Landgerichtsbezirk Potsdam gab es früher zehn Amtsgerichtsräte. Dort amtierte als Vormundschaftsrichter Dr. Kreyssig, seit 1928 lebenßlänglich angestellter Rat mit einer Verantwortung ganz besonderer Art: er war für das Wohl und Wehe von vielen hundert Mündeln verantwort lieh, von unehelichen Kin dern und Kindern geschiedener Eltern, aus christlichen und jüdischen Ehen, sowie von kranken Erwachsenen, die entmündigt waren. Viele, besonders die Kranken, waren in Heimen und Anstalten untergebracht. Nach Kriegsbeginn im Jahre 1939 liefen in zunehmendem Masse Todesnachrichten über seine Münde1 bei den Vormundschaftsakten ein; die Todesursachen waren unklar und die Todesurkunden kamen vielfach aus der österreichischen Krankenanstalt Hartheim, wohin die Kranken ohne Wissen des Vormundßchaftsrichters gebracht worden waren. Während die Mehrheit der Vormundschaftsrichter die sg Todesurkunden ,,zu den Akten“ schrieben und damit die Vormundschaftsakvon ROBERT M. W. KEMPNER ten schlossen, forschte Dr Kreyssig nach den geheimnisvollen Todesursachen seiner Mündel in Hartheim. Es dauerte nicht lange, bis er feststellen konnte, dass seidie Notwendigkeit der Mass nahmen hingewiesen. Kreyssig gab sich damit nicht zufrieden. Er fuhr zum Ober Staatsanwalt Tetzlaff nach Potsdam und erstattete dort Ausser dem Ämtsrichte’' Dr. Kreyssig ist als gerech ter Richter nur der Generalrichter Werner Lueben bekannt geworden. Um nicht ein von der Gestapo im Jahre 1944 gefordertem unbe gründetes Todesurteil gegen LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INOEPEND'ENTE Bs A‘res - PUEYRREDON 2190, 1* izq. - 83-2618 29. Adar 5728 29. Mär* 1968 •* •***&&• Iuw rantu En KICItM Eine Frau betet an einem Grab, das von einer von den Transjordaniern auf dem Oelberg gebauten Strasse verschüttet wurde. Die oberhalb liegende Stra_ sse, auf der Menschen zu sehen sind, wird von Handwerkern abgetragen. CAIA POPULAR DEBELGRANO COOPERATIVA 0E CREDITO LTD A. DESDE 1932 MERECE SU CONFIANZA CASA CENTRAL AMENA8AR 2968 AGENCIA N° 1 CABILDO 3102 esq IBERA AGENCIA N» 2. CORRIENTES 2294 P 1’ esq PASTEUR Horaria de 12 a 16 Hs. Y vlwa atenuemos sobados de 10 a 12 30 hs IftscrtpciAri en trámite en el RefiUro de Entidades ftnanctaiat| nd henearías del Banca Centre) CAPITAL REALIZADO ACTUAL J 322.000 000 ne kranken Mündel einem Mordprogramm, dem sogenannten Euthanasiebefehl Hitlers zum Opfer gefallen waren. Und jetzt geschah etwas während der Nazi-Justiz Ungewöhnliches: Der Richter schrieb an den Justizminister Gärtner am 8. Juli 1940 einen soeben eret bekanntgewordenen Brief nach Berlin, und er hob gegen die Ermordung seiner Mündel schärfsten Protest. „Erzählen Sie einmal, was daraufhin geschehen ist“, — sagte jetzt im Frankfurter , Euthanasie“ - Prozess der Schwurgerichts - Vorsitzende Oberamlisrichter Maul, zu seinem 70jährigen Kollegen, der heute noch 'bei Brandenburg lebt, dort Präses der Evangelischen Kirche ist, und als Zeuge nach Frank furt geladen war. Dr. Kreyssig bekundete, er sei aufgrund seines Protestes ine Reichsjustizmini sterium bestellt worden, dort habe ihn der berüchtig te Staatssekretär Roland Freisler empfangen und mit zynischen Redensarten auf ALFRED0 STERN MALERARBEITEN FA CHMAENNISCHE AUSFUEHRUNG VIDAL 1575 — FAST ECKE PINO Tel.: 76 9088 Teppichhaus - M. Höchberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Tep. pichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. 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Gleichzeitig erklärte der Justizminister, die NSPartei würde sich eine solche Anzeige eines Richters nicht gefallen lr.ßsen. „Ich wurde zwar kurz darauf pensioniert, obwohl ich noch nicht 45 Jahre alt war“, — erklärte Amtsge richtsrat Dr. Kreyssig als Zeuge, „aber passiert ißt mir erstauulicherweise nichts“ . Und dann sprach am Schluss der Vernehmung der tapfe re und weise Amtsrichter die Worte, die man noch niemals vor einem deutschen Gericht gehört hat: „Die Richter sind ßchuldiger als Andere, weil sie in ihrer Gesamtheit das Recht hätten besser vertreten müssen.“ Gegen die Generalstaatsanwälte und Oberlandesgenchtspräßidenten der Hitler- Zeit schwebt noch heute ein Mordverfahren wegen ihrer direkten oder indirekten juüstischen Beteiligung an dem Euthanasie-Programm. ¿1 ei Stettiner Priester aussprechen zu müssen, schoss er sich in der Nacht vor der Urteilsbegründung eine Ku gel durch den Kopf, wie wir aus dem kürzlich veröffent lichten Werk „Prießter vor Hitlers Tribunalen“ wissen. Die Staatsanwaltschaft in Klagenfurt, Oesterreich, hat gegen den Denunzianten der Priester bis zum heutigen Tag noch keine Anklage er hoben, (Nachbem. der Red.):. — Traurig und bedauerlich, aber auch bezeichnend bleibt die von dem bekannten Ju risten und Publizisten Dr. Kempner hervorgehobene " atsache, dass nur wenige Männer der Jußtiz im Dritten Reich den Mut hatten, für das Recht gegen dar vom Staat verlangte Unrecht einzutreten. Der Fall des Amtsgerichtsrts Dr. Freyssig aus Brandenburg, der jetzt durch die Euthanas’eprozesse nach Jahren wieder der Oeffentlichkeit präsentiert wird, hat im Dritten Reich Aufßehen erregt, weil er in seiner Art wirklich einmalig gewesen sein dürfte. Viele Einzelheiten hierüber wurden auch vom früheren Landgerichtspräsidenten Dr. Hubert Schorn in seinem Buch „Richter im Dritten Reich“ mitgeteilt, in wel t-hem er eine Reihe von Dokumenten und Berichten über das Verhalten deut scher Richter in der Nazizeit vorlegt. Mit betvonderem Interesse ist das dort dokumentierte Auftreten des Amtsgerichtsrates Kreyssig nachzulesen. Es ist merkwürdig und für die Lage der deutschen- Intelligenz, keineswegs nur der Richter, typisch, dasß man heute einen Mann feiern und loben muss, der doch eigentlich nichts anderes getan hat, als seine menschliche und berufliche Pflicht zu erfüllen. M0EBELHAUS WATERMANN Das Hans der I Geschäfte mit der grössten Auswahl SARMIENT0 II47 T t 35 7833 CABILD0 2614 PAMPA 4979 fast Ecke ' riuuvirate Zaialungserle'chte.-i.ngen Eigene Werkstätten Zuvorkommende taeü- .-nännische Bedienung Fiambres Finos “FRIG UINCIA ” MARCA QUE DISTINGUE LA CALIDAD FRIGUINCIA Estudio Jurídico Internacional SOLARIS Der Anzug für warme Tage, wie Sie sich ihr wünschen. Innen, unn aussen meisterhaft ge. arbeitet, £in Anzug guten Stils. 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